Somms Memo

Reparationen für den Klimawandel? Es gibt nichts zu entschuldigen. Die Welt verdankt dem Westen sehr viel.

image 22. November 2022, 11:00
Am Sonntag endete die Klimakonferenz in Sharm al-Sheikh. So gut wie ohne Ergebnisse. Man konnte sich nicht auf einschneidende Massnahmen verständigen.
Am Sonntag endete die Klimakonferenz in Sharm al-Sheikh. So gut wie ohne Ergebnisse. Man konnte sich nicht auf einschneidende Massnahmen verständigen.
Die Fakten: An der Klimakonferenz in Sharm al-Sheikh verspricht der Westen den ärmsten Ländern der Welt viel Geld, um den Klimawandel zu bewältigen. Warum das wichtig ist: Die Konferenz war ein Fiasko. Um davon abzulenken, lässt sich der Westen auf «Reparationen» für angebliche Schäden der Industrialisierung ein. Es gibt nichts zu entschuldigen.
Um 1800 waren die meisten Menschen dieser Welt als Bauern tätig und lebten am Rand der Subsistenz.
  • Was sie mit ihren Händen und der Hilfe von ein paar Tieren aus den Böden gewannen, reichte gerade aus, um zu überleben
  • Überschüsse gab es kaum, so dass, wenn auch nur eine einzige Ernte schlecht ausfiel, die Katastrophe über sie hereinbrach

Sie konnten dann wählen:
  • Entweder verhungerten sie
  • Oder erlagen einer Krankheit, wie etwa einer Erkältung oder einem Fieber, da Hunger auch immer das Immunsystem ruinierte
  • zuerst starben die Kinder, dann die Alten, schliesslich die Erwachsenen

Das war überall so: In Afrika, in Asien, in Amerika und in Europa. Um die gleiche Zeit, ab 1780, gelang es ein paar hundert Ingenieuren, Handwerkern und Unternehmern in England, die Wirtschaft, wie man sie bisher seit gut zehntausend Jahren betrieben hatte, von Grund auf zu erneuern.
  • Sie erfanden Maschinen
  • Sie organisierten die Arbeit neu: effizienter und rentabler und produktiver. Man sprach irgendwann von «Kapitalismus» oder «Marktwirtschaft»
  • Und sie nutzten auch eine neue Art von Energie: die Kohle, die sehr viel mehr Energie freisetzte als alles, was man bisher gekannt hatte, ob Holz, Dung, Wind, Wasser oder Tiere
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Hinterher ging dieser beispiellose Wandel als Industrielle Revolution in die Geschichte ein. Sie begann in Grossbritannien, breitete sich rasch auf den Kontinent und nach Nordamerika aus, am Ende veränderte sie die ganze Welt. Nur zum Guten.
  • Um 1800 lag das BIP pro Kopf in den USA bei rund 2500 Dollar (gemäss dem Dollar von 2011)
  • 2018 hatte sich dieser Wert auf 55 000 Dollar erhöht, das ist eine Steigerung um den Faktor 22

Gewiss, wir sprechen hier von einem der reichsten Länder, und dennoch erwies sich der moderne Kapitalismus für so gut wie alle Länder als ein Segen, sofern sie sich darauf einliessen.
  • In Indien lag das BIP pro Kopf um 1801 bei 1000 Dollar, 2018 betrug es rund 7000 Dollar – also 7-mal mehr
  • In China um 1810: 900 Dollar, 2018 13 000 Dollar14-mal mehr

Oder um eine weitere Kennzahl beizuziehen, die sich nur dank der Industrialisierung verbessert hat: So gut wie überall ist in den vergangenen 200 Jahren die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen angestiegen
  • Zuerst im Westen: etwa in England, wo sie um 1800 bei 40 Jahren lag und heute bei 80, was einer schlichten Verdoppelung entspricht
  • Und seit etwa 1950 weltweit. Die UNO geht heute von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 72,6 aus, einem Wert, wie ihn zum Beispiel Norwegen schon um 1950 aufwies

Die amerikanische Ökonomin Deirdre McCloskey hat in diesem Zusammenhang von «The Great Enrichment», der grossen Wohlstandsvermehrung, gesprochen, um einen Prozess zu beschreiben, der im Westen anfing – und für den der Westen verantwortlich ist. Ohne den westlichen Kapitalismus ginge es der ganzen Welt deutlich schlechter. So gesehen gibt es überhaupt keinen Grund, dass heute der Westen ärmere Länder dafür zu entschädigen hätte, dass auch sie vom Klimawandel betroffen sind, – wie das am Wochenende an der Klimakonferenz in Sharm al-Sheikh in Ägypten beschlossen wurde
  • Selbst wenn wir davon ausgehen, dass der Klimawandel durch die neuen fossilen Brennstoffe (Kohle, Öl, Erdgas), deren Nutzung der Westen eingeführt hatte, ausgelöst oder verstärkt worden ist
  • Der Westen hat dem Rest der Welt sehr viel mehr Gutes geschenkt. Ohne Industrialisierung lebten wir alle nach wie vor auf dem Subsistenzminimum – wir wären viel, viel ärmer, – ja, und es wäre kälter. Worin liegt da der Vorzug?

Und die gleiche industrielle Zivilisation dürfte uns auch befähigen, mit den Folgen des Klimawandels fertig zu werden
  • Sei es durch neue Technologien und neue Energien
  • Oder sei es, indem wir uns mit den negativen Konsequenzen arrangieren
  • Wir können Dämme bauen, wir sind in der Lage, besseres Saatgut zu entwickeln, das auch in wärmerem Klima grössere Ernten bringt, wir sind imstande, uns auf jede erdenkliche Naturkatastrophe klüger vorzubereiten

Mit anderen Worten, wir können sehr viel mehr erreichen, wenn wir weiterhin auf den Kapitalismus und die Innovationsfreude des Menschen setzen – statt auf Klimakonferenzen.
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Wenn nämlich Sharm al-Sheikh etwas bewiesen hat, dann dies: Der Klimawandel lässt sich nicht abbremsen, indem wir darauf hoffen, dass sich die Politiker auf eine gemeinsame, globale Klimapolitik einigen. Es wird nie geschehen. Die Interessenunterschiede zwischen den Ländern steigen schneller an als der Meeresspiegel infolge der Klimaerwärmung. Wir haben nur diese Welt. Das stimmt. Aber auch nur diesen Menschen. Oder um es mit Mark Twain zu sagen, dem grossen amerikanischen Autor: «Enttäuscht vom Affen, schuf Gott den Menschen. Danach verzichtete er auf weitere Experimente.» Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag Markus Somm

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