Ohne Umweg

Ohne Umweg

Der direkte Weg ist nicht immer der beste! Aber zum Beispiel Trampelpfade als Abkürzung sind schon sehr bequem, um in kürzester Zeit ans Ziel zu kommen.

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von Brigitte Ackermann am 10.9.2021, 07:00 Uhr
Cartoon: Constantin Pavel
Cartoon: Constantin Pavel
In gestalteten Umgebungen wie etwa urbanen Grünflächen oder Parks sind diese Pfade bei den Eigentümern jedoch ein grosses Ärgernis, deshalb schützen sie sich manchmal vor den egoistischen Eindringlingen mit hohen Zäunen oder Absperrungen.
Eine Abkürzung bemerkte man in Deutschland während der Flutkata­strophe. In vielen Orten gibt es das Sirenengeheul nicht mehr. Das frühere flächendeckende Sirenennetz hat schon im Kalten Krieg seine guten Dienste geleistet, aber heute, wo alles nur noch digital gesteuert wird, verlässt man sich auf Warn-Apps, die dann eben nicht jeden erreichen und die Folgen hinterlassen.
Und was ist mit unseren Tieren? Für das Büsi etwa kann die Schnurstracks-Überquerung der Strasse lebensbedrohlich sein, wenn es zu wenig Tempo draufhat. Wie bei meinem Nachbarn, der seinen toten Kater nur noch in einem Harass liegend in der Garage begutachten durfte, weil jemand die Katze von der Strasse aufgelesen hatte. Das arme Tier wollte schnell auf die andere Seite wechseln und den direkten Weg nehmen.
Fast sind wir vom Thema abgeschweift. In unserer schnelllebigen Zeit müssen wir immer mehr mit Abkürzungen rechnen. Statt dem herkömmlichen Rasenmähen wird der Roboter unsere Gartenarbeit erledigen. Grünpflanzen und Blumenhecken sind von gestern, man wählt die pflegeleichtere Art mit Kieswegen, Steinen, Brunnen und Kakteen. Was uns erstens nicht wundern muss, dass wir mit dieser Monotonie der Natur keinen Gefallen tun, und zweitens der Honig in Zukunft auch als Chemie verkauft wird.
Als Beispiel wäre noch hinzuzufügen, dass unsere heutige Küche oft zu wünschen übrig lässt. Für die Zubereitung von altbewährten Rezepten mit frischem Gemüse, Kräutern und Früchten fehlt schlicht die Zeit. Eine Abkürzung muss her – was mit den industriell hergestellten Menüs und Saucen nun gar kein Problem mehr ist. Nur der Gourmand tut sich etwas schwer damit. Der direkte Weg ist eben nicht immer der beste und auch nicht der Gesündeste!

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