Der «Popo des Jahres 1995» konnte seinen Wein nicht mehr geniessen

Der «Popo des Jahres 1995» konnte seinen Wein nicht mehr geniessen

Das Schätzchen der Nation, Michelle Hunziker, hat wochenlang still gelitten. Aber dann hat sie endlich gesagt, wie tragisch ihr Schicksal ist. Sie hatte Corona. Ihre Schilderung klingt dramatisch. Nicht mal ihr Glas Wein konnte sie noch geniessen. Ob Care Teams im Einsatz standen?

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von Stefan Millius am 18.5.2021, 08:00 Uhr
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Es gibt Bargeld, es gibt Kryptowährungen, es gibt Gold. Und als neueste Währung gilt: Coronaerfahrungen. Die sind viel wert in einer Zeit der halbleeren Intensivstationen und sinkenden Ansteckungszahlen, wo doch gleichzeitig die Impfkampagne weiter vorangetrieben werden soll. Die Angst verblasst allmählich, aber sie muss aufrecht erhalten werden.
Was ist da besser als Prominente, die von ihrem tragischen Schicksal berichten? Die aus erster Hand berichten, wie sie unter dem Virus litten? In Deutschland ist das an der Tagesordnung. Aber die Schweiz holt auf.

Der Po als USP

Michelle Hunziker passt da perfekt. Man vergisst es gern, aber die Ex-Frau von Eros Ramazotti begann ihre Karriere mit einem Sieg bei einem Wettbewerb um den schönsten Po von Italien. Das soll man keineswegs kleinreden, schon gar nicht aus der Perspektive eines Autors, der in dieser Beziehung durchaus einfach gestrickt ist. Jeder muss mit dem arbeiten, was er oder sie hat. Und Frau Hunziker hatte zumindest vor 25 Jahren, als sie den Titel ergatterte, offenbar die ideale Kehrseite.
In ihrem Fall war das die erste Stufe der Erfolgstreppe. Die Bernerin überwand die Existenz eines wandelnden Pos schnell und wurde mehr. Zum Beispiel eine gefeierte TV-Moderatorin in ihrer zweiten Heimat Italien, später auch – der Olymp in der Unterhaltungsbranche – Jurorin beim deutschen «Supertalent». Deshalb fragt man sie heute auch nach wirklich wichtigen Dingen. Zum Beispiel: Wie schlimm und gefährlich ist Corona?

Atemprobleme! Zwei Tage lang!

Und Gott sei Dank kann das Michelle beantworten, weil sie Corona hatte. Der «Blick» protokolliert ihre Einschätzung brav. Sie habe echt Angst gehabt, sagt sie.

«Ich hatte zwei Tage lang Atemprobleme. Mein Sauerstoffgehalt im Blut wurde regelmässig kontrolliert.»

Zwei Tage lang Atemprobleme hatten vermutlich auch viele Männer damals beim Anblick ihres Hinterns und haben das nicht als besonders bedrohlich wahrgenommen, eher als belebend. Und was die Kontrolle des Sauerstoffgehalts angeht: Er wurde also kontrolliert, schön und gut, aber war er im gefährlichen Bereich? Oder wurde einfach kontrolliert, weil hier ein wichtiger Po, pardon, eine wichtige Person zu überwachen war? Wir erfahren es nicht.

Selbst der Sinn für Wein hat gelitten

Aber nein, es war wirklich schlimm. Denn das ist noch nicht alles. Michelle Hunziker hatte auch Geschmacksverlust zu beklagen. Geben wir ihr noch einmal das Wort:

«Ich muss wirklich sagen: Man unterschätzt das. Vor allem für jemanden wie mich, der gerne gutes Essen isst und guten Wein trinkt, war das ganz schrecklich.»

Gehen wir über die originelle Formulierung «Essen isst» hinweg, vielleicht ist Michelle Hunziker Italienisch heute einfach immer noch näher als Deutsch. Jedenfall klingt das wirklich nicht schön. Wobei die meisten Leute schon bei einer banalen Erkältung einem Schluck Wein nicht mehr viel abgewinnen können, weil der Geschmacksinn bei jeder Beeinträchtigung der Atemwege leidet. Und bei jeder heftigeren Grippe findet man den Gedanken an Essen ganz furchtbar und ernährt sich deshalb am liebsten von Zwieback, weil es nur noch um Nahrungszufuhr geht und es im Notfall auch Karton täte. Aber in Zeiten von Corona ist das plötzlich eine ausserordentliche Erscheinung, die in die Zeitung gehört.
Wie äusserten sich diese Einschränkungen bei «Miss Popo 1995» (ja, das war ihr offizieller Titel) genau? Michelle Hunziker sagt dazu:

«Ich hab auch ganz wenig in dieser Zeit gegessen, konnte maximal Süsses und Salziges erkennen.»

Mit dem Hinweis, dass sie kaum mehr etwas essen mochte, betritt die TV-Moderatorin gefährliche Pfade. Junge Mädchen mit Sehnsucht nach der Idealfigur und einem Hang zu Essstörungen könnten auf die Idee kommen, Corona sei wünschenswert. Aber an dieser Stelle vielleicht etwas Allgemeinkunde: Unsere Geschmacksknospen sind dazu angelegt, Süsses von Salzigem zu unterscheiden. Das konnte sie noch. Unter dem Verlust des Geschmacksempfindens stellt sich der Laie etwas anderes vor.
Michelle Hunziker ist mit ihrem Outing in guter Gesellschaft. Sie spielt in einer Liga mit Günther Jauch, der nach seiner Erkrankung ebenfalls einer Boulevardzeitung zu Protokoll gab, er habe Corona unterschätzt. Nur um nach diesem Titel, der wahres Drama versprach, dann Symptome zu schildern, die jede schwere Erkältung mit sich bringt.
Aber wenn es hart auf hart kommt, glauben wir sowieso eher Michelle Hunziker. Denn ohne ihm zu nahe treten zu wollen: Günther Jauch ist prominent, erfolgreich und sehr reich. Aber er war nie der «Popo des Jahres». So richtig geschafft hat er es in diesem Leben also nicht.

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