Michael Hermann: «Stadt-Land-Gegensatz? Die Stossrichtung der SVP stimmt, aber sie hat bei der Umsetzung einen Fehler gemacht.»

Michael Hermann: «Stadt-Land-Gegensatz? Die Stossrichtung der SVP stimmt, aber sie hat bei der Umsetzung einen Fehler gemacht.»

An seiner 1. August-Rede hat SVP-Präsident Marco Chiesa die Städter als «Schmarotzer» bezeichnet und seither in den meisten Medien dafür Prügel bezogen. Zu Recht?


Markus Somm hat sich mit Michael Hermann über dieses Thema unterhalten: den zunehmenden Graben zwischen Stadt und Land. Oder stimmt das womöglich gar nicht? Hermann, Unternehmer und Meinungsforscher, ist vielleicht einer der interessantesten politischen Beobachter der Schweiz: Selbst im Oberaargau aufgewachsen, lebt er seit Jahrzehnten in Zürich. Er kennt beide Seiten – sozusagen lebensgeschichtlich, aber genauso als Wissenschaftler, zumal er in seiner Dissertation sämtliche eidgenössischen Abstimmungen seit 1874 untersucht hat, Gemeinde für Gemeinde, Kanton für Kanton. Wenn jemand den Stadt-Land-Gegensatz kennt, dann er. Wie immer, wenn sich Hermann und Somm treffen, waren sie sich nicht einig. Und doch, so der beiderseitige Eindruck, lernen die beiden jedes Mal das eine oder andere voneinander. Ein Gespräch über das älteste Thema der Schweiz, über die Zukunft der Parteien und den Oberaargau, wo, wie Hermann noch selbst erlebt hat, ein Katholik den Einheimischen so fremd und abartig erschien wie ein Marsmensch.

August 12, 2021

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