Maskenpflicht ad absurdum: Atemnot an einem Orientierungslauf

Maskenpflicht ad absurdum: Atemnot an einem Orientierungslauf

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von Alex Reichmuth am 23.4.2021, 10:00 Uhr
Maskenpflicht beim Rennen durch das Stedtli Liestal. Bild: Shutterstock
Maskenpflicht beim Rennen durch das Stedtli Liestal. Bild: Shutterstock
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Sogar während dem Rennen musste eine Maske getragen werden. Ein Selbsterfahrungsbericht.

Es war für mich eine grosse Freude, als der Bundesrat letzte Woche bekannt gab, dass Sport unter gewissen Auflagen wieder möglich ist. Gesundheitsminister Alain Berset erwähnte an der Medienkonferenz sogar explizit, dass Orientierungsläufe stattfinden könnten, mit beschränkter Teilnehmerzahl.
Ich betreibe seit mehreren Jahrzehnten mit grosser Freude OL. Leider war das seit dem Ausbruch der Pandemie kaum mehr möglich. Während im letzten Jahr wegen des Lockdowns nur im Herbst einige Läufe stattfinden konnten, waren OL-Wettkämpfe dieses Jahr bis dato ganz verboten.
Ich musste nicht lange warten, um die neue Freiheit zu geniessen. Schon diese Woche fand in Liestal ein erster Orientierungslauf statt. Es handelte sich um einen Wettkampf für Hobbyläufer, der an einem Abend im alten Städtchen über die Bühne ging. Die Posten befanden sich an Standorten wie Hausecken, Durchgängen und Mauerenden.

Ein Aprilscherz?

Natürlich nahm ich eine Maske mit, die – so nahm ich an – bei der Anmeldung, beim Weg zum Start und nach der Zielankunft getragen werden musste. Doch ich hatte mich getäuscht: Die Maskenpflicht galt auch während des Laufes. Die Behörden der Stadt Liestal hatten dies zur Auflage gemacht, dass der OL überhaupt stattfinden durfte.
Ich dachte, es handle sich um einen verspäteten Aprilscherz. Wer schon einmal mit Maske auf einen Bus gerannt ist, kann ein Lied davon singen: Unter der Maske bekommt man kaum genügend Atemluft, um sich im Laufschritt zu bewegen. Doch die Auflage war ernst gemeint: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mussten auch während des Wettkampfs eine Maske tragen.
Ich kann nicht anders, als dies als schlechten Witz zu bezeichnen. Orientierungslauf ist eine Einzel-Sportart: Man rennt alleine, und das erst noch an der frischen Luft. Es ist schlicht nicht einzusehen, wieso von rennenden OL-Läufern eine Gefahr für die Verbreitung von Viren ausgehen soll.

Angst vor negativen Schlagzeilen

Tatsächlich minderte die Maskenpflicht den Laufgenuss an diesem Abend erheblich. Rennen mit Maske ist schlicht eine Zumutung. Man schnappt nach Luft – und bekommt keine.
Trotz dem Ärger, den ich empfand, konnte ich die Stadtbehörden ein Stück weit verstehen, dass sie diese Auflage gemacht hatten. Denn wäre es - so schwer das auch vorstellbar ist – am Wettkampf ohne Maskenpflicht nachweislich zu Corona-Ansteckungen gekommen, hätte dies in den Medien womöglich zu einem grossen Geschrei geführt. «OL-Wettkampf wurde zum Superspreader-Anlass» und ähnliche Schlagzeilen wären denkbar gewesen. Alle hätten mit den Fingern auf die Liestaler Stadtbehörden gezeigt und diesen vorgeworfen, nach der berüchtigten Demonstration vor einigen Wochen die Maskenpflicht erneut nicht durchgesetzt zu haben. Davor wollte sich die Stadt Liestal wohl in Acht nehmen.
Ich hoffe dennoch, dass sich der gesunde Menschenverstand durchsetzt und an künftigen OL-Wettkämpfen ohne Maske gelaufen werden kann. In diesem Sinne lautet mein Slogan: #NoLiestal.
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