Marianne Binder: «Eine bürgerliche Frau ist für Linke gar keine Frau», Feusi Fédéral, Ep. 56

Die Aargauer Mitte-Nationalrätin über die Sanktionen gegen Russland, die Neutralität, linke und bürgerliche Frauen in der Politik – und weshalb sie noch immer Feministin ist.

image 27. Mai 2022, 15:45
«Wir haben bei den Sanktionen zu spät nachgezogen, der Bundesrat hat zögerlich gehandelt», findet Marianne Binder. Bei der Umsetzung müsse die Schweiz härter vorgehen. Die Schweiz müsse zudem eigenständig Massnahmen ergreifen. «Gerade, wenn wir uns auf die Neutralität abstützen, dann müssten wir nicht nur die Tabelle der EU nachvollziehen.Aber ist die Schweiz noch neutral, wenn sie die Ukraine unterstützt? «Ich finde, es gehört zur Neutralität, dass man Recht und Unrecht auseinander hält. Wenn man sich nicht entscheidet, dann stellt man sich auf die Seite des Unrechts. Das wäre eine falsch verstandene Neutralität.» Der Angriff Russlands gelte auch der Sicherheit der Schweiz.

Wie im Zweiten Weltkrieg

Bloss: Wie lange soll das noch weiter gehen? «Ich kann keinen Waffenstillstand sehen, bei dem man den Russen nachgibt», sagt Binder. «Wenn die Ukraine fällt, dann sind die anderen Länder darum herum bedroht.» Der Westen sei in einer ähnlichen Lage, wie im Zweiten Weltkrieg, bei dem nachgeben auch keine Lösung gewesen sei.
Das grosse Thema in der Sondersession des Nationalrates war der Umgang zwischen Frauen und Männern in den Debatten. Marianne Binder sieht das weniger dramatisch: «Die bösen bürgerlichen Männer sind für links-grün die Täter, die linken Frauen die Opfer. Bürgerliche Frauen passten nicht ins Bild. «Du gehörst zu den Tätern, wenn du bürgerlich bist. Eine bürgerliche Frau ist für Linke gar keine richtige Frau.»

Linke Machos

Der Hammer sei ausgerechnet Gewerkschafts-Boss und SP-Nationalrat Pierre-Yves Maillard. Der sagte, es sei falsch, dass Frauen ein Jahr bis zur Pensionierung länger arbeiten müssten, weil sie dann als Grossmütter beim Enkelhüten fehlen würden. «Das ist eine richtige Macho-Haltung!»Sozialdemokraten verlangten, dass möglichst viele Frauen arbeiten würden – und mit 64 schicke man sie in die Rente, damit sie Enkel hüten können. «Offenbar gibt es keine Frauen mit wertvollen Jobs, das sagt es doch aus», schimpft Binder. Sie sei Feministin, aber mit der Opferhaltung des linken Feminismus könne sie nichts anfangen.




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