Landeskirchen: inhaltsleere Anbiederung

Landeskirchen: inhaltsleere Anbiederung

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von Dominik Feusi am 2.4.2021, 19:00 Uhr
Die Plakatkampagne von Fastenopfer und Brot für alle. Bild (fi.)
Die Plakatkampagne von Fastenopfer und Brot für alle. Bild (fi.)
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«Weniger Fleischkonsum - Mehr Regenwald». Das ist nicht der Claim der neusten Vegi-Burger, sondern der Slogan der aktuellen Kampagne von «Fastenopfer» und «Brot für alle».

Die beiden Hilfswerke der katholischen und reformierten Landeskirche wollen so etwas zur Fastenzeit beitragen. Eine derart vollständig theologiefreie Kampagne, die mit der der Vorbereitung auf Ostern überhaupt gar nichts mehr zu tun hat, auch gar nichts zu tun haben will, hat es noch nicht gegeben.
Die Plakate könnten von Greenpeace, vom Tierschutz oder von der Veganen Bewegung Schweiz stammen. Man könnte es verstehen, ja man sähe einen Zusammenhang. Aber von den Hilfswerken der Landeskirchen? Sie wurden wahrscheinlich mit Copy-and-paste von NGOs abgekupfert. Da steckt weder Kreativität noch Mut dahinter. Von Sinn oder Theologie ganz zu schweigen. Weil bloss kopiert wird, was man von anderen Adressaten kennt, schaffen es die Plakate auch nicht zu provozieren. Aber sie weisen auf eine tiefere Malaise hin.
Die Aussage «Weniger Fleischkonsum - Mehr Regenwald» ist zuerst vor allem eines: falsch. Dass der Verzicht auf ein Schnitzel direkt zu mehr Regenwald führt, ist so stark vereinfacht, dass es nicht mehr stimmt. Es kommt eben auf die Produktionsbedingungen an. Mein hinter dem Haus erlegter Rehrücken hat mit dem Regenwald nichts zu tun. Und lokal eingekauftes Rindfleisch aus Weidehaltung auch nicht.

Falsche Anbiederung

Und weil die Kampagne auch nichts mit dem Glauben, mit Ostern und der Zeit davor zu tun hat, ist sie nicht nur austauschbar, sondern verschwindet in einem Meer von gleichlautender Ideologie. Sie ist aber – vermutlich unfreiwillig – Symptom der Anbiederung der Landeskirchen an einen links-grünen Zeitgeist, an dessen vereinfachend bis falsche Glaubensbekenntnisse und des Verschwindens der eigenen und eigentlichen Glaubensinhalte.

«Euer Christentum ist keinen Schuss Pulver wert.»

Hans Urs von Balthasar, in: "Wenn das Salz dumm wird"

«Ihr seid das Salz der Erde» heisst es in der Bibel, nicht das Anhängsel einer NGO. Aber was passiert, wenn dieses Salz nach nichts mehr schmeckt und austauschbar wird? Das hat der in Basel wirkende Jesuit Hans Urs von Balthasar vor Jahren treffend beschrieben. In einer von ihm verfassten Theaterszene (Link) wohnen wir dem Verhör eines Christen durch einen sowjetischen Kommissar bei. Der Christ biedert sich bei ihm an, wie die heutigen Landeskirchen bei den links-grünen NGO. Was den Kommissar allerdings nicht wirklich beeindruckt. «Euer Christentum ist keinen Schuss Pulver wert», findet er. «Ihr habt euch selber liquidiert und erspart uns damit die Verfolgung.»

Kirche darf politisch sein

Man verstehe mich nicht falsch: Die Kirche darf und der Glaube soll politisch sein. Aber nicht so geistfrei, so plump und anbiedernd, sondern intelligent und verwurzelt in einer christlichen Spiritualität. Das ist unzweifelhaft mit mehr Aufwand verbunden, als bei befreundeten NGO zu kopieren. Und es bräuchte Mut, Fragen auf den Grund zu gehen und sich nicht mit billigen Antworten zufriedenzugeben.
Dann wäre klar, dass der Zweck, zum Beispiel die guten Absichten hinter einer Volksinitiative, nicht die – ideologischen statt wirksamen – Mittel heiligt. Und dann wäre klar, dass die Kirchen nicht vergessen dürften, dass es das Christentum war, das Entscheidendes zu dem Fundament beigetragen hat, aus dem individuelle Freiheit und philosophische Aufklärung geworden sind.

Biblische Cancel Culture

Der Karfreitag ist der Untergang des Individuums Jesus unter dem «Kreuzigt ihn!»-Geschrei des kollektiven Mobs, der Tiefpunkt biblischer Cancel Culture. Doch der Karfreitag ist nicht das Ende dieser Geschichte. Es kommt Ostern, das Fest der Freiheit, der Überwindung des Mobs, der Befreiung des Einzelnen.
Und der Eiersuche. Und wenn Sie dann mit ihren Liebsten nach den Eiern ein Stück Fleisch essen, dann wünsche ich «En Guete!». Seien Sie Salz der Erde statt Anhängsel einer NGO.
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