Klimakonferenz: Dasselbe Prozedere wie jedes Jahr – nur die Apokalyptiker klagten noch lauter

Klimakonferenz: Dasselbe Prozedere wie jedes Jahr – nur die Apokalyptiker klagten noch lauter

Die 26. Folge der Endlos-Serie zur Rettung der Welt folgte dem bewährten Skript. Sie brachte nur eine Überraschung: Xi Jinping und Greta Thunberg stimmen darin überein, was von Klimakonferenzen zu halten ist.

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von Markus Schär am 14.11.2021, 09:52 Uhr
Der amerikanische Klimagesandte John Kerry an der COP26 im Gespräch mit Delegierten aus anderen Ländern. Bild:  Keystone
Der amerikanische Klimagesandte John Kerry an der COP26 im Gespräch mit Delegierten aus anderen Ländern. Bild: Keystone
Die Zeit zum Retten der Erde laufe aus, klagt der Uno-Generalsekretär im Chor mit den Regierungschefs. Die Aktivisten treiben die Politiker mit ihren Forderungen vor sich her. Der Zirkus der Schönen, Reichen und anderweitig Guten feuert die Staaten zu Einschränkungen für die Gewöhnlichen an. Die Diplomaten feilschen bis tief in die Nacht der Verlängerung um die Nuance, die der Welt den letzten Funken Hoffnung lässt. Und die Schweizer Bundesrätin schiebt zum Schluss, nachdem all ihr Schimpfen nichts geholfen hat, das Retten der Erde halt bis nächstes Jahr auf.

Angst vor den Kids auf den Strassen

Das kurze Fazit der langen Klimakonferenz von Glasgow (COP26), hätte sich schon ziehen lassen, bevor sie begann. Denn es galt dasselbe Prozedere wie jedes Jahr, seit die Staaten der Welt 1997 in Kyoto (offiziell: COP3) versprachen, ihren Ausstoss an Treibhausgasen zurückzufahren. Dieses Jahr klagte der Apokalyptikerchor einfach noch lauter, weil die Staaten der Welt bekräftigen sollten, was sie 2015 in Paris diesmal wirklich ernsthaft versprochen hatten – fünf Jahre danach plus ein Jahr Verspätung, weil die Welt noch gewisse andere Probleme hat.
Neu war bei der 26. Folge nur, wie der Starkolumnist Thomas Friedman zu beobachten glaubte, dass sich die Delegierten in den Konferenzsälen weniger voreinander fürchteten als vor den Kids draussen in den Strassen von Glasgow und rund um den Globus (na ja, zumindest auf seiner reichen Seite). Von ihren durchaus treffenden Vorwürfen, die Klimakonferenzen brächten nur Blabla, liessen sich die Regenten aus Politik und Wirtschaft denn auch schwer beeindrucken.

Abschlusserklärung ohne Kohleaussstieg

Die Chinesen willigten ein, mit den Amerikanern zusammenzuarbeiten, wenn sie nicht über Menschenrechte sprechen müssen und westliche Technologie stehlen dürfen, weil es sie schliesslich zum Retten der Erde braucht. Die Inder kündigten das Null-Emissionen-Ziel für 2070 an und setzten durch, dass die gemeinsame Abschlusserklärung nicht mehr vom Ausstieg aus der Kohle spricht, um die Aufholjagd im nächsten halben Jahrhundert nicht zu gefährden. Die Auto-Nationen von Aserbeidschan bis Uruguay stellten bis 2040 ausschliesslich emissionsfreie Vehikel in Aussicht, halt einfach ohne China, Korea, Japan, Deutschland und die USA. Und Jeff Bezos warnte wie die anderen Reichsten der Welt vor dem Untergang, gab aber gleichzeitig ein Zeichen der Hoffnung, indem er seiner neue Liebe für 78 Millionen Dollar eine Luxusvilla am Strand von Hawaii kaufte.

Xi Jinping und Greta Thunberg müssen die Welt oder zumindest China vor dem Kapitalismus retten, also davor, dass es immer nur um das Kohlemachen geht.


Die diesjährige Folge der repetitiven Endlos-Serie befriedigte vor allem einen, der darin nicht auftrat: Xi Jinping hatte Besseres zu tun – er liess sich zum neuen Kaiser von China wählen. Immerhin stimmen Xi Jinping und Greta Thunberg nicht nur bei ihrer Meinung zu Glasgow, sondern auch bei ihrem höchsten Ziel überein: Sie müssen die Welt oder zumindest China vor dem Kapitalismus retten, also davor, dass es immer nur um das Kohlemachen geht. Auch wenn es in China dafür noch ein paar Jahrzehnte Kohle braucht.

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