Klimakonferenz: Achtung, Heuchler!

Klimakonferenz: Achtung, Heuchler!

Sie predigen Wasser und trinken Wein: Milliardäre und viele andere Prominente wie Jeff Bezos, Bill Gates und Prinz Charles ermahnen die Welt zu mehr Klimaschutz. Gleichzeitig fliegen sie hemmungslos mit ihren Privatjets umher.

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von Alex Reichmuth am 2.11.2021, 08:00 Uhr
Oben: Prinz Charles, Arnold Schwarzenegger. Unten: Jeff Bezos, Bill Gates. Bilder: Keystone
Oben: Prinz Charles, Arnold Schwarzenegger. Unten: Jeff Bezos, Bill Gates. Bilder: Keystone
Die Klimakonferenz der Uno, die am Sonntag in Glasgow begonnen hat, ist für das Klima eine Katastrophe: Über 25’000 Teilnehmer reisen nach Schottland, die meisten von ihnen mit dem Flugzeug. Der CO₂-Ausstoss ist entsprechend enorm.
Doch nicht genug: Etliche Gäste benutzen gar ihre Privatflugzeuge, um nach Glasgow zu kommen. 400 Privatjets werden insgesamt erwartet. Die Organisatoren der Konferenz haben dafür speziell zwei Flughäfen bezeichnet, wo solche Flugzeuge landen können. So war es auch bei früheren Klimakonferenzen. Wer mit einem Privatflugzeug reist, erzeugt besonders viele Treibhausgase.

Flugraum überlastet wegen Privatjets

Wasser predigen und Wein trinken: So verhalten sich viele reiche Persönlichkeiten, wenn es um den Klimaschutz geht. Sie ermahnen die Menschen zu Verzicht – und jetten gleichzeitig hemmungslos mit ihren Privatfliegern umher.

Am Anreisetag zum «Sommer-Camp der Milliardäre» musste der gesamte Flugbetrieb in der Region eingeschränkt werden. Denn die rund 90 Privatjets der Superreichen hatten Vorrang.


Besonders krass war es im letzten Sommer in Sun Valley im amerikanischen Bundesstaat Idaho. Dort trafen sich, wie jedes Jahr, zahlreiche Gutbetuchte zum «Sommer-Camp der Milliardäre» – eine Konferenz mit den einflussreichsten Unternehmern. Dieses Mal diskutierten sie vor allem über Klimaschutz.
Am Anreisetag musste der gesamte Flugbetrieb in der Region eingeschränkt werden. Denn die rund 90 Privatjets der Superreichen hatten Vorrang. Der Flugraum war entsprechend überlastet.

«Arnie» entschwand mit dem Privatflugzeug

Mit dem privaten Flugzeug waren unter anderem Microsoft-Legende Bill Gates und Amazon-Gründer Jeff Bezos nach Sun Valley angereist. Dabei hatte Gates zuvor in einem vielbeachteten Buch darüber sinniert, wie der Klimakrise beizukommen ist. Und Bezos hatte angekündigt, zehn Milliarden Dollar für den Klimaschutz auszugeben.

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Inkonsequentes Verhalten: Arnold Schwarzenegger. Bild: Keystone

Inkonsequent ist auch das Verhalten von Arnold Schwarzenegger. Der Filmschauspieler und frühere Gouverneur von Kalifornien hat eine Klimainitiative gegründet – und sucht gemäss eigenem Bekunden nach einem «neuen Ansatz für die Umweltbewegung». Privat nutzt er jedoch häufig seinen eigenen Flieger. So weilte «Arnie» 2019 auf Heimatbesuch in Österreich, wo er für den Klimaschutz warb – um anschliessend mit seinem privaten Jet zurück nach Los Angeles zu entschwinden.

114 Privatjets in Palermo

Ebenfalls 2019 fand auf Sizilien ein Camp von Google statt, bei dem der Klimawandel eines der Topthemen war. Am Flughafen von Palermo wurden 114 Privatjets gezählt. Eines davon gehörte dem Schauspieler Leonardo DiCaprio. Dieser war von der Uno zum Friedensbotschafter ernannt worden – wegen seines Engagements gegen die Erderwärmung.

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Mit dem Privatjet nach Sizilien: Friedenbotschafter Leonardo DiCaprio. Bild: Keystone

Auch der britische Prinz Harry und seine Ehefrau Meghan waren auf Sizilien dabei. «Die Uhr tickt, wenn wir unseren Planeten unterstützen wollen», hatten die beiden auf Instagram geschrieben.

Charles dreimal im Privatflieger in elf Tagen

Überhaupt die britischen Royals! Harrys Bruder, Prinz William, hat im Oktober erstmals den «Earthshot»-Preis für Klimaschutzprojekte überreicht, der mit einer Million Pfund dotiert ist. Und Vater Prinz Charles fährt einen Aston Martin, der zur Schonung des Weltklimas mit überschüssigem Weisswein und Molke angetrieben ist. Doch gleichzeitig nutzen alle ihre Privatjets.

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Häufig mit dem Privatjet unterwegs: «Klimaretter» Prinz Charles. Bild: Keystone

So war Charles letztes Jahr an das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos gereist, um eine Rede zum Klimaschutz zu halten. Danach wurde bekannt, dass der britische Thronfolger in den elf Tagen vor dem Auftritt dreimal im Privatjet herumgereist war.

«Die Sorgen um das Klima sind blosse Worthülsen»

Generell ist das WEF das Stelldichein der Klimaheuchler. Die Erderwärmung ist zwar immer wieder eines der wichtigsten Themen der Davoser Konferenz. 2019 wurden allerdings nicht weniger als 1500 Privatjets gezählt. Diese kamen in Zürich, Dübendorf, Altenrhein und St. Moritz an. Roger Nordmann nahm dieses Verhalten aufs Korn. Die «Wichtigtuerei» der WEF-Teilnehmer zeige, «dass die angeblichen Sorgen um das Klima blosse Worthülsen sind», monierte der Fraktionschef der SP.

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Mit dem Segelboot nach Amerika: Greta Thunberg an einem Klimagipfel in den USA 2019. Bild: Keystone

Immerhin war 2019 Greta Thunberg mit dem Zug von Schweden ans WEF gereist. Die Klimaaktivistin brauchte dazu 30 Stunden. Thunberg gibt sich generell Mühe, dass ihr privates Verhalten nicht im Widerspruch mit ihren Forderungen nach mehr Klimaschutz steht. So überquerte sie vor zwei Jahren den Atlantik mit einer Segelyacht, um an eine Konferenz in New York zu gelangen.

Sechs Atlantikflüge für Thunbergs Segeltörn

Dem Klima hat es dennoch nicht gut getan. «Gretas Törn schädlicher als Flug», titelte die deutsche «Taz». Es hatte sich herausgestellt, dass die Reise mit dem Segelboot mindestens sechs Flüge über den Atlantik verursacht hatte. Denn es waren Mitarbeiter von Thunberg nötig, um die Yacht samt Klimaaktivistin nach der Konferenz wieder nach Europa zu bringen. Und diese waren mit dem Flugzeug nach Amerika angereist.

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