Klimaallianz beschliesst Begrenzung des Verkehrs im Zürcher Quartier Lengg

Klimaallianz beschliesst Begrenzung des Verkehrs im Zürcher Quartier Lengg

Der Kantonsrat Zürich hat diese Woche im Zuge der Richtplandebatte beschlossen, den Verkehr im Spitalquartier Lengg zu begrenzen. Neu dürfen an Wochentagen nur noch 11’600 Autos das Quartier durchfahren. Wie das funktionieren soll, ist offen.

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von Stefan Bill am 11.6.2021, 12:44 Uhr
Künftig muss wohl ein grösserer Teil der Patienten mit dem Tram oder dem Velo ins Spital. (Bild: Shutterstock)
Künftig muss wohl ein grösserer Teil der Patienten mit dem Tram oder dem Velo ins Spital. (Bild: Shutterstock)
Bereits heute arbeiten nirgendwo in der Schweiz so viele Menschen im Gesundheitswesen, wie im Quartier Lengg, im Zürcher Kreis 8. Über 3500 Angestellte behandeln jährlich über 50’000 Patienten in diesem Gebiet. Das Quartier zwischen Balgrist und Bahnhof Tiefenbrunnen beherbergt zehn verschiedene Gesundheits-Institutionen. Darunter die Privatspitäler Hirslanden und Schulthess, die Uniklinik Balgrist, das Schweizerische Epilepsiezentrum oder die Psychiatrische Uniklinik. Nächstes Jahr will zudem das Kinderspital in seinen Neubau einziehen. Dazu kommen neue Forschungseinrichtungen.
Wenn man sich die Entwicklung dieses Standorts anschaut, ist es offensichtlich, dass es irgendwann zu Engpässen im Verkehr kommen wird.
Im «Schlussbericht Vertiefung Verkehr» der Gebietsplanung Lengg rechnete die Baudirektion des Kantons Zürich bereits 2017 vor, dass sich die Bevölkerung hier deutlich vermehren würde: 2015 lebten und arbeiteten 9400 Personen im Quartier, bis 2025, so die Annahme, dürfte diese Zahl um rund 30 Prozent zunehmen. 2040 sollen es sogar 17’800 sein. Dazu kommen noch die Besucher, deren Zahl ebenfalls steigen werden. Das führt unweigerlich zu mehr Verkehrsaufkommen.
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In diesem Gebiet soll der Verkehr gedeckelt werden. (Bild: Kanton ZH)
Um diesem Problem entgegenzuwirken, hat der Kantonsrat kurzerhand beschlossen, den Verkehr zu deckeln. Denn auf der Forchstrasse, die vom Bahnhof Stadelhofen bis zum Balgrist hinaufführt und parallel zur Tramlinie 11 und der S18 verläuft, staut sich der Verkehr bereits jetzt. Neu sollen an Werktagen nur noch 11’600 Autos pro Tag durch das Quartier fahren dürfen. Krankenwagen sind von dieser Begrenzung ausgeschlossen. Das hat der Kantonsrat im Zuge der Teilrevision des Richtplans, Kapitel 6, beschlossen.

Klimaallianz gegen Bürgerliche

Die Deckelung des Verkehrs, welche der grosse Knackpunkt in dieser Debatte darstellte, war ein Antrag der Klimaallianz. Die Bürgerlichen im Rat nahmen die Begrenzung als «unrealistisch» und «ideologisch» wahr. Sie hielten eine fixe Zahl, im Richtplan verankert, für unsinnig. So müsse man einfach in ein paar Jahren die Zahl erhöhen, hielt beispielsweise Domenik Ledergerber (SVP, Herrliberg) fest. Trotzdem wurde die Deckelung mit 91 zu 79 Stimmen angenommen. Ein Antrag der SVP, FDP, EDU und Mitte, ein unterirdisches Parkhaus, das alle Institutionen einschliesst, in den Richtplan zu schreiben, scheiterte.
Der Richtplan für das Quartier wurde mit 154 gegen 7 Stimmen beschlossen.
  • Abstimmungsprotokoll .pdf
Ab wann die Begrenzung durchgesetzt wird, hängt davon ab, wie das Geschäft im Rat weiterverfolgt wird. Nach der Schlussabstimmung läuft die Referendumsfrist. Wenn kein Referendum ergriffen wird, wird der Richtplan in Kraft gesetzt. Wie genau die Umsetzung einer solchen «Fahrten-Begrenzung» aussehen wird, weiss man noch nicht.

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