Keystone-SDA: Millionensegen vom Bundesamt für Kultur

Keystone-SDA: Millionensegen vom Bundesamt für Kultur

Die Nachrichtenagentur kriegt als einziges Presseorgan in der Schweiz Geld vom Bak. Und zwar mehr als eine Million.

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von Beni Frenkel am 11.8.2021, 10:00 Uhr
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Am 15. Juni letzten Jahres verabschiedete sich die letzte Nachrichtenagentur der Schweiz von ihrer lokalen Kulturberichterstattung. Die Chefredaktorin von Keystone-SDA, Nicole Meier, schrieb an die «lieben Kolleginnen und Kollegen», dass man nur noch von «schweizweit relevanten Kulturanlässen» berichten werde. Eine «Spartenliste» führt die relevanten Anlässe auf. Aus der italienischen Schweiz berichtet die Nachrichtenagentur demnach nur noch vom Filmfestival Locarno.
Ausserdem gelte: «Jedes Event wird inhaltlich auf relevante, interessante Aspekte untersucht.» Klassische Premierenberichterstattungen (Theater, Oper, Konzert, Tanz) werde es künftig «selten bis gar nicht mehr geben».
Obwohl die private Nachrichtenagentur ihre Kulturberichterstattung ausgedünnt hat, wird sie vom Bundesamt für Kultur weiterhin finanziell unterstützt. Der Geldsegen fällt in den nächsten Jahren sogar stärker aus als bisher, das zeigen Recherchen des «Nebelspalters».
Für die nächsten vier Jahren wird die Agentur demnach insgesamt 1,14 Millionen Franken erhalten. Das entspricht aufs Jahr gerechnet 30 Prozent mehr Fördergelder als zuvor. Keystone-SDA ist damit der einzige Schweizer Verlag, der vom Bundesamt für Kultur unterstützt wird. Und pikant: Die Agentur gehört zu 30 Prozent der österreichischen APA.
Weniger Kultur, aber mehr Geld – wie funktioniert das? Das Füllhorn befindet sich im Artikel 18 des Sprachengesetzes: «Der Bund kann Finanzhilfen gewähren an: Nachrichtenagenturen von gesamtschweizerischer Bedeutung, die über die vier Sprachregionen des Landes berichten.»
Der Bund kann nicht nur, er tut es auch. Die Zuwendungen der öffentlichen Hand an die private Nachrichtenagentur sind vielfältig. Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) schiesst pro Jahr bis maximal 4 Millionen Franken in die Agentur ein. Hinzu kommen Geldern aus den Kantonsparlamenten, über die Keystone-SDA berichtet. Wie viel das ist, darüber herrscht Stillschweigen.
Ein Sprecher des Bundesamts für Kultur versucht die Sonderstellung der Nachrichtenagentur damit zu erklären, dass die Unterstützung «auf die Stärkung der Verständigung zwischen den Sprachregionen» ziele. So gesehen, müssten eigentlich auch Watson (CH Media), «20 Minuten» (Tamedia) und Blick (Ringier) Kulturgeld kriegen. Sie berichten ebenfalls aus allen Sprachregionen der Schweiz. Bei Ringer & Co. steht allerdings mehr auf der Wunschliste: Mit der neuen Medienförderung erwartet sie eine Subventionitis der dritten Dimension.

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