Kampfzone Asphalt: Warum wir alle einen Offroader brauchen

Kampfzone Asphalt: Warum wir alle einen Offroader brauchen

Obschon das Schweizer Strassennetz jährlich besser ausgebaut wird, steigt die Anzahl von geländegängigen Fahrzeugen. Das ist ein Widerspruch. Verkannt wird das vorhandene Sparpotenzial.

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von Ralph Weibel am 19.7.2021, 13:00 Uhr
Mobilität 2030: Zufahrt zum Bareggtunnel (Nebelsplater)
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Landauf landab werden im Sommer Strassen aufgerissen. Die Schweiz ist eine einzige Baustelle. Das wird mir bewusst, während ich, flankiert von rotweissen Bauabschrankungen, vor einem provisorischen Lichtsignal stehe, welches meinen Arbeitsweg unberechenbar verlängert. Das Umschalten auf Grün sehe ich lange nicht, weil ich von einer Staubwolke eingehüllt werde. Verursacht von einem SUV beeindruckender Grösse, der spielend die belaglose Fahrbahn in meine Gegenrichtung überquert hat. An sich stellt sich mir die Frage schon lange, weshalb wir immer grössere Autos fahren, mit immer grösseren Motoren, Allrad als Standard. Schnee und Eis können es, dem Klimawandel sei es gedankt, nicht sein und die wenigsten Offroader werden von Förstern, Wildhütern oder Bauern gefahren. Die einzigen Berufsfelder, welche die Nutzung eines solchen Gefährts rechtfertigen. Meist fallen Stadtweicheier auf das Versprechen der Werbung nach Freiheit und Abenteuer herein, um damit auf dem asphaltierten Vorplatz des Golfclubs vorzufahren oder sich in eine viel zu schmale Parklücke im Einkaufszentrum zu zwängen. Völlig sinnlos, habe ich bisher gedacht.
Doch jetzt sehe ich den Nutzen: Baustellen! Gleichzeitig erkenne ich ein riesiges Sparpotenzial. Weshalb verzichten wir nicht gänzlich auf das Asphaltieren von Schweizer Strassen? Die Bauzeit könnte erheblich verkürzt, der Unterhalt praktisch gestrichen und das Abenteuer zurück in unser Leben gebracht werden. Die A1 von St. Gallen bis Genf eine holprige Schotterpiste und der Zürcher Milchbucktunnel ein einziges Offroadabenteuer, besser als jedes Fahrtraining in einer Kiesgrube. Zudem würden Bemühungen obsolet, die Städte mit 30er-Zonen zu verlangsamen.

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