Jugendtraum der 68er-Generation

Jugendtraum der 68er-Generation

Opel gilt als Hosenträgermarke mit grossen Kofferräumen; Familienkutschen also. Das stimmt so nicht durchgängig; die einstige GM-Marke war mit zahlreichen Innovationen pionierhaft.

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von Jürg Wick am 10.9.2021, 08:00 Uhr
Ellbogen aus dem Fenster gelehnt, warten auf die Braut im Dorf.
Ellbogen aus dem Fenster gelehnt, warten auf die Braut im Dorf.
Einen Weg heraus aus dem Hosenträger-Image steuerte nach dem zweisitzigen Opel GT 1968 («Nur fliegen ist schöner») eindrücklich der Manta bei.
Manta, das war dann mehr als ein Flügelrochen-Meerestier. Der schmissige Opel fährt, nachdem Gevatter Rost die geschundenen Exemplare bis 2012 auf noch 370 Exemplare aussortiert hat, einem zweiten Frühling entgegen: Der Bestand eingelöster Manta in der Schweiz ist seither wieder um über 10 Prozent gestiegen.
Die Oldieszene blüht
Die Jugendträume der 68er-Generation sind wieder im Trend. Weil die Marktpreise nicht so abgehoben sind, wie jene der Sportwagen- und Roadster-Klassiker und weil es ihnen im Elektronikzeitalter gelingt, ein Feeling zu vermitteln, das noch mit Autofahren zu tun hat.
Der Manta GT/E war 1974 eine grosse Nummer, schon elektronisch eingespritzt (Bosch L-Jetronic), aber von sonstigem Firlefanz noch weitgehend verschont.
Das abgelichtete Auto bringt den Zeitgeist der 70er Jahre mit der giftgrünen Lackierung, den schwarzen Rallye-Streifen und der schwarzen Motorhaube (alles original) perfekt rüber, und die vom Erstbesitzer hinzugefügten Extras passen: Sportaussenspiegel, 13-Zoll-Breitreifen, Lederlenkrad. Ja so war`s, das hat man sich gegönnt.
Fenster runtergekurbelt, die aufgeweckte Braut im Dorf abgeholt, ab geht die Post und die Kollegen aus der Italienfraktion sehen ziemlich alt aus. Opel verstand es damals am besten, die hinten starrachsigen Fahrwerke abzustimmen, der Manta GT/E ist ein guter Zeuge dafür.
Prügelt den Rücken nicht, vermittelt angenehmen Fahrbahnkontakt und bietet ordentlich Grip. Was nach heutigen Massstäben zu relativieren ist, aber gerade deshalb als Erlebnis wahrgenommen wird. Man merkt rechtzeitig wenn er vorne schiebt und fühlt sehr schön, wenn das Heck zu wandern beginnt, alles in einem beherrschbaren Rahmen, und ohne dass die Elektronik drein funkt.
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Der Manta-Nachfolger Opel Calibra 1989 bis 1996.
Stimmig, nicht übermotorisiert
110 PS stehen 980 kg Leergewicht gegenüber, da passiert schon was. Stimmig, aber nicht übermotorisiert. Vier Gänge lassen den Vierzylinder bei 120 km/h in der obersten Stufe bereits mit gut 4000 Touren drehen. Windgeräusche mischen sich ein, das Differential übernimmt die zweite Stimme, man spürt jederzeit, wie schnell man fährt. Wenn man der Karre die Sporen gibt, ist etwas los, ohne dass einem die Polizeipatrouillen gleich die Handschellen anlegen müssen.
Ford hatte es mit dem Capri 1969 vorgemacht: Bereits ein Jahr später war der Erzkonkurrent zur Stelle; Opel übernahm die Steilvorlage volley, hatte mit dem Ascona eine feinere Basis. Und der Technikspender brachte es 1982 mit Walter Röhrl zum Titel Rallye-Weltmeister.
VW folgte mit dem Scirocco erst 1975, erfand das Rad neu, indem die jahrzehntelang auf Heckmotoren Eingeschworenen alles auf die Vorderachse verlegten. Capri und Manta waren zusammen mit dem japanischen Celica die letzten Volkssportwagen mit Hinterradantrieb, haben Dorf-Generationen geprägt, die, so sie es denn inzwischen nicht zum Porsche gebracht hat, daran verzweifelt, dass ihnen die Autoindustrie keine Kardanwelle mehr gönnen will, weil die «Alles nach vorne-Philosophie» einfach kostengünstiger zu produzieren ist. Was mittlerweile auch BMW, Mercedes und Volvo realisiert haben.
Der Manta hielt sich während zweier Generationen und 18 Jahren, pietätvoll wurde der vorne angetriebene Nachfolger nicht mehr nach einem Flügelrochen benannt, sondern mit dem Kunstwort Calibra bedacht.
Damals in den 70ern
Musik-Kassette rein, Ellbogen raus, so war das damals, als sich Heintje in die Herzen der Mütter sang, der eiserne Vorhang für stabile Verhältnisse sorgte und ein gewaltloser Putsch in Portugal die Militärdiktatur beendete. Die Ölkrise killte dann autofahrerische Gelüste. Von 1973 auf 1974 sank die Manta-Produktion von 127 242 auf 48 520 Einheiten. Aber der
Manta lebt, nicht nur als Oldtimer, sondern auch als futuristisches Projekt mit Elektroantrieb und dem neuen Opel-Vizor-Gesicht.
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Projekt Manta GSE ElektroMOD: Manta mit Opel-Vizor-Gesicht.

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Ganz der Alte, völlig neu und doch vertraut

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