Somms Memo

Joe Biden redet mit Toten. Vom Niedergang des mächtigsten Mannes der Welt

image 4. Oktober 2022, 10:00
Joe Biden auf der Suche nach einer guten Bekannten. Washington, 28. September 2022.
Joe Biden auf der Suche nach einer guten Bekannten. Washington, 28. September 2022.
Die Fakten: Joe Biden fällt in Umfragen ab. Sein Gesundheitszustand wirft Fragen auf. In fünf Wochen finden in den USA Zwischenwahlen statt.

Warum das wichtig ist: Bis zu den Zwischenwahlen muss Biden noch durchhalten. Nachher scheint alles offen – angesichts der wachsenden Zweifel an seiner mentalen Gesundheit.


An einer Tagung zu Hunger, Ernährung und Gesundheit, die letzte Woche in Washington veranstaltet wurde, trat auch US-Präsident Joe Biden auf. Dabei dankte er allen, die den Anlass organisiert hatten, und rief in den Saal:
«Jackie, bist Du da? Wo ist Jackie?» Und er blickte neugierig herum, wobei er seine Augen mit den Händen vor dem hellen Licht schützte. «Sie ist offenbar nicht gekommen».
Nein, sie war nicht da.
Wie konnte sie auch? Jackie Walorski, eine republikanische Kongressabgeordnete, ist tot. Sie starb vor ein paar Wochen in einem Autounfall. Präsident Biden hatte damals der Familie persönlich kondoliert. «Meine Frau Jill und ich stehen unter Schock, wir sind traurig», liess er mitteilen.
Wenn ein 79-jähriger Mann, der Ende November 80 wird, einmal etwas vergisst: Das kann vorkommen. Wenn es aber häufiger geschieht – und der Mann der mächtigste Mann der Welt ist, der jederzeit eine Atombombe über Moskau abwerfen kann, dann stellen sich Fragen.
Inzwischen ist Biden so offensichtlich nicht mehr Herr seines Gedächtnisses, dass seine Mitarbeiter immer auf neue Ideen kommen, wie sie das vor der Öffentlichkeit verbergen
  • Seine Frau Jill begleitet ihn nun fast ständig und das eng. Sie nimmt ihn an der Hand, damit er weiss, wohin es geht. Sie hilft ihm in den Mantel, wenn er nach Minuten des Suchens den Ärmel nicht mehr findet
  • Wenn Biden etwas Offizielles zu sagen hat, dann herrscht Alarmzustand im Weissen Haus. Teleprompter werden aufgefahren, jeder Satz exakt vorgeschrieben, und wenn Biden dann doch vom Skript abweicht und eigene Worte wählt, bricht Panik unter seinen Mitarbeitern aus
  • Vier Mal hat Biden in den vergangenen Wochen gesagt, er würde Taiwan mit amerikanischen Truppen verteidigen, wenn China es angriffe. Vier Mal haben seine Mitarbeiter die Aussage nachher abgeschwächt oder «in den Kontext gestellt», wie das auf Diplomatisch heisst, zu Deutsch: Was der Präsident sagte, wurde dementiert
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«Jackie, bist Du da?» Da selbst die vielen Journalisten des Mainstreams, die Biden bisher immer in Schutz genommen haben, davon ausgehen, dass ihr Präsident nicht mit den Toten sprechen kann, kamen sie etwas unter Druck. Wie geht es Biden? Hält er durch?
So sehr Bidens Lapsus die Journalisten beunruhigte, aus der Fassung brachte sie erst seine Pressesprecherin Karine Jean-Pierre, als sie die unfreiwillige Totenbeschwörung als «ganz normal» darstellte:
  • «Walorski» sagte sie, «ist dem Präsidenten einfach nicht aus dem Kopf gegangen», er habe dauernd an sie gedacht, «she was top of mind», so habe der Präsident es gemeint
  • Dabei rang sie sichtlich um Worte, sie litt wie eine Ladendiebin, die erklärt, sie habe nicht gewusst, dass die Waren hier etwas kosteten

Jetzt platzte den Journalisten der Kragen. Niemand nahm ihr das ab.
  • «War der Präsident verwirrt? Erkannte er etwas nicht, das auf dem Teleprompter erschien?»
  • «Wenn er Walorski und ihre Familie immer im Sinn hat, stand er dann unter dem Eindruck, sie sei am Leben und befinde sich im Raum
  • «Was heisst top of mind? Ich denke auch jeden Tag an John Lennon, dennoch suche ich ihn nicht irgendwo im Raum»

Biden, der Totenbeschwörer.
Eigentlich wissen es alle, die ihn nur kurz am Fernsehen beobachten. Biden ist angeschlagen, sein Verstand wirkt getrübt, wenn er redet, klingt er wie Darth Vader, er bewegt sich gebrochen wie halt ein sehr alter Mann, wahrscheinlich sollte er in Pension oder ins Spital.
Doch die Demokraten können sich das nicht leisten. Selbst wenn Biden unbeliebt bleibt, ihn auszuwechseln, kommt nicht in Frage. Sicher nicht vor den Zwischenwahlen.
Wenn die Amerikaner in fünf Wochen, am 8. November, einen Drittel des Senats (35 Senatoren) und alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses neu bestellen, dann steht auch Joe Biden zur Wahl – zwar nicht formell, aber politisch auf jeden Fall
  • Gemäss Umfragen dürften die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus einbüssen. Offen ist bloss, wie viele Sitze sie verlieren
  • Was den Senat anbelangt, ist die Lage unübersichtlicher: Zur Zeit liegt es im Bereich des Möglichen, dass die Demokraten sich halten und das Patt weiter besteht. Beide Parteien kommen auf 50 Sitze. Da Vizepräsidentin Kamala Harris aber der Stichentscheid zusteht, besitzen die Demokraten eine faktische, wenn auch äusserst knappe Mehrheit
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Verlöre Biden beide Kammern, wäre er nicht bloss politisch so gut wie erledigt, weil er kaum mehr ein Gesetz durch den Kongress brächte.
Vielmehr könnte seine Gesundheit sofort zum politischen Thema werden. Denn die siegreichen Republikaner dürften eine Kommission einsetzen, die seine geistigen Fähigkeiten überprüft. Wenn Zweifel daran aufkämen, ist es durchaus denkbar, dass die Republikaner ein Impeachment anstreben.
Eigentlich ist die Lage der Demokraten zum Verzweifeln. Biden muss um jeden Preis bleiben – weil seine Vizepräsidentin ihn nie ersetzen darf.
Wohl ist Harris sicher gesund, doch ist sie weitaus unbeliebter als Biden, gerade bei den eigenen Wählern, und dabei steht es um ihre Kompetenz trotz jugendlicherem Alter noch schlechter.
Vor kurzem war sie in Korea zu Besuch. Hier, in der demilitarisierten Zone, sagte sie:
«Die Vereinigten Staaten teilen eine sehr wichtige Beziehung, eine enge Allianz mit der Republik von Nordkorea. Es handelt sich um eine starke, dauerhafte Allianz.»
Wahrscheinlich meinte sie Südkorea.
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Rächer von Joe Biden oder Retter: Donald Trump.
Wie sich doch die Geschichte auf den Kopf stellt. Wenn sie ehrlich sind, dann bleibt den Demokraten nur eine Hoffnung: Donald Trump. Tritt er wieder an, taucht er in den Schlagzeilen auf, weil er wieder irgendjemanden beleidigt, dann wählen die Amerikaner sogar Joe Biden und flüchten sich zu den Demokraten.
Lieber ein alter Mann, der Unsinn erzählt, weil er den Verstand verloren hat, als einer, der Unsinn erzählt und bei klarem Verstand behauptet, er sei ein Genie.
Oder wie der amerikanische Schriftsteller Edgar Allan Poe uns gewarnt hat:
«Ich wurde verrückt, mit langen Intervallen schrecklicher Vernunft

Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Tag Markus Somm

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