Jetzt wird es peinlich für die Taskforce

Jetzt wird es peinlich für die Taskforce

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von Serkan Abrecht am 12.5.2021, 15:01 Uhr
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Die Schweiz schreitet weiter in Richtung Normalität – auch weil der Bundesrat nicht mehr den Empfehlungen der Wissenschafts-Taskforce folgt.

Der Bundesrat hält sich weiter an sein 3-Phasen-Modell, das er Ende März präsentiert hat. Die Schweiz geht aus der Krise. Die sogenannte «Schutzphase» wird Ende Mai wohl vorbei sein. Dann beginnt die «Stabilisierungsphase» und die Beizen machen wieder komplett auf – natürlich unter den gängigen Schutzmassnahmen. Unter anderem soll die Homeoffice-Pflicht für jene Betriebe, die wiederholt testen, in eine Homeoffice-Empfehlung umgewandelt werden. Auch das Entspannen im Spa oder einem Thermalbad wird wieder möglich sein. Während auf dem europäischen Kontinent Ausgangssperren verhängt und neue Lockdowns zur Gängelung der eigenen Bevölkerung eingeführt werden, geht die Schweiz zum Licht am Ende des Tunnels.
Froh dürfen die Menschen sein. Unangenehm wird es aber für die Wissenschaft-Taskforce des Bundesrates unter der Leitung von Biologe Martin Ackermann. «Die Fallzahlen gehen zurück», sagte Bundespräsident Guy Parmelin (SVP). «Die epidemiologische Lage verbessert sich.» Und Gesundheitsdirektor Alain Berset (SP) sagt: «Die bisherigen Öffnungsschritte haben nicht zu einer Steigerung der Fallzahlen geführt.»

Davon auszugehen, dass mündige Bürger vernünftig handeln, sollte eigentlich für jedermann eine Selbstverständlichkeit sein. Ausser für paternalistische Biologen.


Politik und Bevölkerung haben nicht vergessen, wer es war, der einen Tag vor der Bekanntgabe der Terrassen-Öffnungen Panik schürte. 10’000 Fälle pro Tag werde es geben, wenn der Bundesrat ein Stück Normalität in der Schweiz einkehren lässt, prophezeite Ackermann damals. Nichts dergleichen ist geschehen. Die heutigen Fallzahlen belaufen sich gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf 1’539. Die Wissenschafts-Taskforce wurde schon zuvor oft kritisiert. Unter anderem wollten FDP und SVP der Taskforce verbieten, von sich aus die Öffentlichkeit zu informieren und den Bund zu kritisieren, wie es eigentlich üblich ist unter einem Rahmenmandat. Die Liste der Fehler und Versäumnisse ist lang (lesen Sie unsere Recherche dazu).
Gegenüber der «NZZ am Sonntag» rechtfertige sich Ackermann und machte alles noch schlimmer. Dazu, dass sich die Zahlen besser entwickelt haben als von ihm prognostiziert, sagte er: «Die Einwohner der Schweiz scheinen mit der Pandemie recht vernünftig umzugehen.» Davon auszugehen, dass mündige Bürger vernünftig handeln, sollte eigentlich für jedermann eine Selbstverständlichkeit sein. Ausser für paternalistische Biologen. Die SVP forderte darum bereits die Abschaffung der Taskforce.
Die jüngste Medienkonferenz hat den schlechten Ruf der Taskforce weiter verstärkt. Der Bundesrat geht seinen eigenen Weg. Den Weg in Richtung Tunnelende – während sich die Taskforce lieber vom Licht abwenden wollte.
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