In Angst und Schrecken wegen der Erderwärmung

In Angst und Schrecken wegen der Erderwärmung

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind überzeugt, dass die Welt bald untergeht und sie wegen des Klimawandels sterben müssen. Solche Existenzängste sind nicht erstaunlich – denn sie werden von Politikern, Aktivisten und Fachleuten nach Kräften geschürt. Ein Kommentar.

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von Alex Reichmuth am 6.1.2022, 13:30 Uhr
Jugend in Angst:  Klimademonstration auf dem Bundesplatz, 2020. Bild: Keystone
Jugend in Angst: Klimademonstration auf dem Bundesplatz, 2020. Bild: Keystone
Die Öko-Angst geht um – besonders bei Kinder und Jugendlichen. Eine Umfrage unter Leitung der britischen Bath University in zehn Ländern (darunter Grossbritannien, Frankreich, USA, Australien, Brasilien und Indien) hat es im letzten September an den Tag gebracht: Von den 10’000 Befragten im Alter von 16 bis 25 Jahre gaben 60 Prozent an, wegen des Klimawandels «besorgt» oder «sehr besorgt» zu sein. Zwei Drittel sagten, sich deswegen traurig und ängstlich zu fühlen. 56 Prozent waren gar überzeugt, dass die Menschheit dem Untergang geweiht sei (siehe hier).
Es tauchen zudem immer wieder erschütternde Bericht über kleine Kinder auf, die in der Angst leben, wegen des Klimawandels bald sterben müssen – auch in der Schweiz. Viele Kinder und Jugendliche geben zudem an, dass sie wegen der Öko-Gefahr selber keine Kinder bekommen wollen.

«Ich will, dass ihr panisch werdet»

Wahrlich: Greta Thunberg hat ganze Arbeit geleistet. «Ich will nicht, dass ihr hoffnungsvoll seid», posaunte die Klimaaktivistin am Weltwirtschaftsforum 2019 in den Saal. «Ich will, dass ihr panisch werdet. Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens.»

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Erfolgreiche Panikmache: Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg am World Economic Forum 2019 in Davos. Bild: Keystone

Doch Thunberg hat viel Unterstützung beim Schüren von Angst. An vorderster Front engagiert sich etwa die Umweltorganisation «Extinction Rebellion», die sich Kraft ihres Namens gegen die angebliche Auslöschung der Menschheit wehrt. Uno-Generalsekretär Antonio Guterres wiederum rief die Staats- und Regierungschefs im Dezember 2020 auf, in ihren Ländern den «Klimanotstand» zu verhängen – so, als befänden sich diese Länder im Krieg. In der Schweiz haben die Kantone Basel-Stadt, Luzern, Jura und Waadt einen solchen «Klimanotstand» verkündet.

«Wie viele Menschen müssen sterben?»

Im letzten Oktober schwadronierte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, die Erderwärmung töte sowohl den Planeten als auch den Menschen. Aber auch einflussreiche Klimawissenschaftler verbreiten Untergangsrhetorik. So behauptete Andreas Fischlin, Titularprofessor an der ETH Zürich, wegen der Erderwärmung stehe das Wohlergehen der Menschheit auf dem Spiel. Es «graue» ihm bei der Vorstellung, «wie es meinen Kindern und Enkeln ergehen wird, wenn sie einmal so alt sind wie ich». Seine Kollegin Sonia Seneviratne steht Fischlin in nichts nach. «Wie viele Menschen müssen sterben, bis man handelt?», orakelte die ETH-Professorin in einem Interview.

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ETH-Forscherin Sonia Seneviratne

Es ist also kein Wunder, dass sich immer mehr Kinder und Jugendliche zu Tode ängstigen. Es wäre aber an der Zeit, ihnen diese Ängste zu nehmen – mit klaren Worten. Etwa: «Der Klimawandel kann zwar zu Problemen führen. Aber das Fortbestehen der Menschheit und Euer Überleben ist deswegen nicht in Gefahr. Die Chancen stehen gut, dass die Menschen die Probleme lösen können. Denn sie haben schon viel grössere Probleme gelöst.»

«Ökoleid darf nicht pathologisiert werden»

Mit solchen Aussagen könnten Eltern, Lehrer oder Ärzte die Krisen der Kinder beenden. Doch stattdessen tauchen Psychologen und Psychiater in den Medien auf, die die Kinder in ihren Ängsten gar noch bestärken – indem sie diese als berechtigt bezeichnen.

«Jede psychische Störung im Zusammenhang mit dem Klimawandel ist eine gesunde Reaktion auf eine echte Bedrohung.»

Caroline Hickman, Psychotherapeutin, Bath University

Zu ihnen gehört Brigitte Mowat, Psychotherapeutin aus London und Mitglied der britischen Climate Psychology Alliance. Ökoleid dürfe nicht pathologisiert werden, beschwor sie an einer Zoom-Konferenz der ETH Zürich. Sich um die Umwelt zu sorgen, sei vielmehr die gesunde Reaktion auf eine reale Bedrohung. Auch Caroline Hickman, Psychotherapeutin und Leitautorin der erwähnten Umfrage der Bath University, stimmt in den Chor ein: «Jede psychische Störung im Zusammenhang mit dem Klimawandel ist eine gesunde Reaktion auf eine echte Bedrohung.»

«Die Gefühle sind in den meisten Fällen angemessen»

Zu den angstverstärkenden Fachleuten zählt auch Susanne Walitza, Direktorin des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes des Kantons Zürich. Der Klimawandel sei «Realität», sagte sie im November zu den CH-Media-Zeitungen. «Es ist keine irreale Angst, wie sie beispielsweise Kinder erleben, die sich in der Dunkelheit vor nicht real existierenden Dingen fürchten.» Der Klimawandel sei eine berechtigte Sorge. «Umwelttrauer und Umweltangst sind real. Die ausgelösten Gefühle sind in den meisten Fällen angemessen, auch wenn sie stark sind.»
Wenn Kinder und Jugendliche solche Aussagen mitbekommen, werden ihre Ängste noch zunehmen. Sie werden noch mehr fürchten, den Klimawandel nicht zu überleben. Man muss das Verhalten solcher «Fachleute» als verantwortungslos bezeichnen.

Die grösste Bedrohung der Menschheit

Doch es muss wohl so sein – denn diese Psychologen und Psychiater leiden unter den gleichen Ängsten. Seit Jahren wird der Bevölkerung mantraartig eingebläut, der Klimawandel sei die grösste Bedrohung, der die Menschheit je gegenüber gestanden sei. Immer mehr Menschen, ob Fachleute oder nicht, halten das für real. Kein Wunder, sind sie nicht mehr in der Lage, den Kindern ihre Ängste zu nehmen.

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