Impfzwang: Mach's einfach

Impfzwang: Mach's einfach

Das Leben kann so lapidar sein. Die Anleitung dazu lässt sich beim Bundesamt für Gesundheit sogar herunterladen, als fröhlich-bunte Plakate. «Mach’s einfach!» heisst die Kampagne. So genial, dass sie jetzt auch von den Taliban übernommen wird. Zum Preis der Freiheit gibt es die Freiheit zurück.

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von Ralph Weibel am 15.10.2021, 07:00 Uhr
Vladimir Kazanevsky
Vladimir Kazanevsky
Spätestens beim Anblick von bärtigen Freiheitstrychlern in Sennenkutten muss man zwangsläufig an Wilhelm Tell denken. Damit verbunden stellt sich die Frage, wo wir denn stünden, wenn er es «einfach gemacht» hätte? Es wäre für ihn ein Leichtes gewesen, Gesslers Hut zu grüssen. Tell hätte sich viel Ärger erspart. Und zu Ende gedacht, uns Bundesrat Berset, weil es die Schweiz dann nicht gäbe. Ob Legende oder nicht, der Freiheitsgedanke ist tief in der DNA der Schweizerinnen und Schweizer verwurzelt. Doch wo ist der hin?

Legitime Freiheitsberaubung

Die wild wuchernden Coronamassnahmen führen uns alle zu Pausengesprächen wie mit Rosie, die den BAG-Slogan stellvertretend erfunden haben könnte. Dabei geht es längst nicht darum, welchen persönlichen Schluss jemand zieht, ob die ausgerufene Pandemie nun wirklich so gravierend ist oder nicht. Jeder soll davon halten, was er will, und letztlich entscheiden, wie er reagiert. Sprich: Impfen oder nicht impfen. Das ist Freiheit. Eines unserer höchsten Güter. Diese jemandem wegzunehmen und nur zum Preis von einer Zertifizierung wieder zurückzugeben, muss bei jedem freiheitlich denkenden Menschen die Alarmtrychlen schellen lassen. Unabhängig davon, wie man die Impffrage für sich beantwortet. Wer aber den Zwang, geformt aus Zertifikatspflicht und Erhöhung des Drucks auf Andersdenkende in den verschiedensten Facetten, mit dem lapidaren «mach’s einfach!» mitträgt, legitimiert die Freiheitsberaubung.
Womit wir bei den Spezialisten für Doktrinierung wären, den Taliban. Weshalb stört es uns, wenn diese von Frauen verlangen, sich unter einer Burka zu verstecken? «Mach’s einfach!» und du hast weiter die Freiheit, dich in der Öffentlichkeit zu bewegen. Männer müssen die Bärte wachsen lassen! «Mach’s einfach!», spart Geld und viel Zeit.

Einen Schritt weiter gehen

Wer unwidersprochen Ja sagt zu «mach’s einfach!», der stimmt der Spaltung der Gesellschaft zu. Die Frage ist nicht, ob wir aus epidemiologischer Sicht die Welt retten, sondern ob wir bereit sind, unsere Freiheit zu verkaufen. Wenn wir das zulassen, können wir gleich einen Schritt weiter gehen. Weshalb verstecken wir unsere mit Stolz erworbenen 3G-Zertifikate auf unseren Handys? Bei jeder Begegnung bleibt so die Unsicherheit, ob das
Gegenüber ein Todesengel ist oder nicht. Die Bilder von zögernden und verkrampften Menschen, wir kennen diese Situationen, sind erbärmlich. Umarmt, oder gar geküsst, wird erst nach dem Satz: «Ist okay, ich bin geimpft.» Viel einfacher wäre es, wir liessen uns den QR-Code zur Freiheit auf die Stirn tätowieren. Auf den ersten Blick wäre klar, wer ein guter Mensch ist und wer ein schlechter.
Zudem liesse sich das Ganze noch ausbauen. Mit einem Scan wüsste man, ob man vor einer alleinerziehenden Vegetarierin steht oder einem Mann mit Schweissfüs­sen, der schnarcht, einem Hunde- oder Katzenmenschen, Coop- oder Migroskind, Links- oder Rechts-Wähler und so weiter. Wilhelm Tell liesse sich die Freiheit so nicht stehlen und er riefe uns sicherlich zu «Mach’s einfach nicht!»

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