Hilfe! Wie kauft man ein ganz normales Velo?

Hilfe! Wie kauft man ein ganz normales Velo?

Am Anfang war das schwerste am Velofahren das Aufsteigen. Heute ist es der Kauf eines ganz normalen Velos.

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von Martin A. Senn am 16.4.2021, 09:58 Uhr
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Wie kauft man eigentlich ein Velo und vor allem: was für eins? Nachdem meins vor zehn Jahren gestohlen wurde, fand ich es jetzt an der Zeit, wieder eines anzuschaffen. Ab ins Internet also, damit ich mich beim Velohändler später nicht blamieren muss, weil ich von keinem Trend eine Ahnung habe.
«Velo ist nicht gleich Velo», werde ich schon beim ersten Anbieter belehrt, als wäre das nicht haargenau mein Problem. Doch ein paar Klicks und Websites weiter, und ich habe den Durchblick, glaube ich wenigstens: Es gibt nämlich nur das Mountainbike all Mountain, das Mountainbike Fully und das Mountainbike Hardtail. Abgesehen natürlich vom Trekkingvelo Herren, vom Trekkingvelo Damen, vom Strassenrennvelo und vom «speziellen Damen Rennvelo». Merke: Velofahren ist immer noch binär.
Für gesitteteres Vorankommen gibt’s sodann das Reisevelo, vergleichbar mit einer ökologischen Neuauflage des Deux-Chevaux, und das Cargovelo als Zweirad-Variante eines Lieferwagens. Für den kombinierten Reiseverkehr sollte man die Anschaffung eines Faltvelosprüfen. Wobei aufgepasst: Die BfU hat soeben verschiedene Modelle des E-Faltvelos «Electric» wegen Unfallgefahr zurückgerufen. Enorm angesagt sind Citybikes, wobei es auch hier zu unterscheiden gilt zwischen dem coolen Urban Bike und dem idealerweise in Pastellfarbe gehaltenen Hollandbike für den Besuch im Quartier-Teestübli.
Für die Übersportlichen gibt es das Triathlonvelo. Dann finden wir im Sortiment noch das Cyclocross Bike, ein Alleskönner, der sich für Forstwege ebenso eignet wie für städtische Trottoirs und Blumenbeete. Die urbanen Kids benützen dafür allerdings eher ein BMXoder ein Dirt Bike, «das kleine Bike für grosse Tricks», wie es heisst. Wer auch ausserhalb der Stadt auf unterschiedlichen Unterlagen unterwegs ist, dem empfehlen die Verkäufer das Gravel Bike, in den beiden Versionen Sportgravelund Reisegravel versteht sich. Für die besonders Abgehärteten, die sich bis in den Schnee vorwagen, gibt es das Fat-Bike: Ein Velo, das aussieht, als hätte man statt Pneus zwei Riesenschlangen um die Felgen gepinnt. Zu entscheiden ist schlussendlich noch das Profil der Pneus und die Qualität der Bauteile und des Zubehörs. Und, wie bei fast allen neueren Velos, ob mit oder ohne E-Antrieb. Bei manchen Modellen ist die Variante E-Bike längst verbreiteter. Je nach Wahl der vielen Extras kostet so ein Velo gut und gerne 6000 Franken oder mehr.
Angesichts meines schliesslich doch nicht mehr so grossen Durchblicks habe ich etwas gemacht, was man bei schwierigen Entscheiden ohnehin öfter tun sollte: Ich habe meinen Coiffeur gefragt. Was er denn für ein Velo habe, wollte ich von ihm wissen, als er mir beim Haareschneiden von seiner letzten Radtour erzählte. «Ein ganz normales Mountainbike halt», hat er gesagt. Na dann.
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