Her mit der Küchenrolle! Eine Gebrauchsanleitung, wie man sich eine Maske bastelt

Her mit der Küchenrolle! Eine Gebrauchsanleitung, wie man sich eine Maske bastelt

Typisch deutsch: Ein Verlag aus Stuttgart bringt ein Buch über do-it-yourself-Masken heraus. Der zukünftige Bundeskanzler ist hoffentlich ein guter Psychiater

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von Gast Autor am 22.4.2021, 09:00 Uhr
Maske aus Küchenrolle
Maske aus Küchenrolle
Die grössten Krisen brachten tolle Erfindungen hervor. So auch unsere Lieblingspandemie: Maskenpflicht auf leeren Perrons, Desinfektionswaschmittel, Nervenzusammenbrüche.
Der deutsche frechverlag ging noch einen Schritt weiter und brachte letzten Frühling ein Buch heraus, dass den Frauen im Homeoffice neuen Lebensmut verschaffte: «Virenabwehr selbst gemacht». Das Büch gibt detaillierte Anleitungen, wie Masken genäht werden können. Wer denkt, für die Instruktionen reicht ein Faltblatt, sieht sich getäuscht. Deutschland, Export- aber auch Hysterie-Weltmeister, ist wohl das einzige Land, in dem Bücher zu Do-it-yourself-Masken gedruckt werden.
Der unbelastete Leser lernt zumindest neue Wörter. So sind Molton, Jersey und Pikee leider keine Whiskey-Marken, sondern empfohlene Stoffarten für die «genähte Behelfsmaske».
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Schild aus Plastikfolien

Im Buch erschrickt man häufig. Auf Seite 21 und 23 muss ein Modell ein «Gesichtsschild aus Prospekthülle» tragen. Zum Glück sind solche Visiere gar nicht zugelassen. Eine Ansteckung über Mund und Nase sei bei solchen Visieren nicht auszuschliessen, schreibt das BAG. Mal etwas Gutes aus diesem Departement.
Aus der Alarmismus-Ecke stammt auch der Vorschlag, gleich einen knielangen Schutzkittel zu nähen. Das sei nötig, schreiben die Autorinnen, da die Trägerin «eventuell» Viren und Erreger mit der Kleidung transportiert. Aber was ist mit den Haaren, Augen und Schuhen? Schade, gibt es keine Anleitung für ein Ganzkörper-Kondom.
Gott brauchte nur sieben Wörter, um alles zu erschaffen: «Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde». Der deutsche Verlag braucht zehn Kapitel für die Erschaffung von selbstgenähten Masken. Wer liest, wer kauft so etwas?
Andererseits ist das Buch ein Zeitdokument. Künftige Historiker werden darin erfahren, wie weit entwickelt die Hysterie im Jahr 2021 war. Spannend wird sein, ob auch die Nachgeborenen den Vorschlag, benutzte Masken «30 Minuten in den auf 80 Grad vorgeheizten Backofen» zu legen, als dämlich empfinden.
Dieser ökologische Unsinn wird nämlich in «Virenabwehr selbst gemacht» vorgeschlagen. Und natürlich noch vieles, vieles mehr. Zum Beispiel Bastelanleitungen für Masken aus Küchenrolle. Die fünf Autorinnen warnen, bevor man überhaupt einen Papierfetzen abreissen will: «Wichtig!» Zuerst muss man sich gründlich die Hände waschen und den Gummi desinfizieren. Welche Musik man während der Arbeit hören darf, wird nicht erläutert. Dafür braucht man unendliche Geduld, aus dem Papier eine «gefaltete Behelfsmaske» zu basteln. Und ohne Hilfsmittel geht natürlich gar nichts: Malerkrepp, 2 Haushaltsgummis, Tacker, Schere und Draht verwandeln Küchenrolle in eine Maske («kann nur einmal verwendet werden»).
Immerhin, am Ende des Buches wird auf eine Adresse für Einrichtungen hingewiesen, an die man die selber produzierten Masken schicken kann. Die werden sich freuen.

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