Hazel und ihre Liebe zur Maske

Hazel und ihre Liebe zur Maske

image
von Stefan Millius am 20.4.2021, 06:18 Uhr
image
  • Kommentare
  • Schweiz
  • kultur

Hazel Brugger ist lustig. Das finden jedenfalls genügend Menschen, um ihr eine florierende TV-Karriere zu bescheren. Aber am lustigsten ist sie, wenn sie eigentlich furchtbar ernst sein möchte.

Die Schweiz hat nicht sehr viele erfolgreiche Exporte im Unterhaltungsbereich. Deshalb sollten wir dankbar sein für jeden. Auch für Hazel Brugger. Die Frau, deren komödiantische Karriere mit der Namensgebung durch ihre Eltern begonnen hat, ist in Deutschland eine gefragte Bühnenkraft. Dafür gebührt ihr Respekt.
Aber wie es eben so ist: Wenn man bei den Öffentlich-Rechtlichen hoch im Kurs ist, muss man alles daran setzen, dass man das auch bleibt. Am besten tut man das, indem man der Regierung Recht gibt. Brugger tut das auf Twitter so:
image
Natürlich ist diese Aussage furchtbar doof, auf allen Ebenen. Nur weil Hazel Brugger fand, ihre Wehen – von der wir keine Ahnung haben, wie lange sie dauerten, vielleicht war es ja eine Sturzgeburt – seien mit Maske gut bewältigbar gewesen, sollen wir nun alle demütig und ohne Murren ganztags eine Maske tragen? Ohne zu fragen, ob es Sinn macht? «Machs einfach», wie das Bundesamt für Gesundheit einst in einer denkwürdigen Kampagne forderte? Das ist furchtbar unoriginell, ein Prädikat, das sich keine Bühnenkünstlerin gefallen lassen möchte.

Keine «Cancel»-Gefahr

Aber darum geht es ja nicht. Die Comedian hat ihr Publikum ganz einfach perfekt bedient. Dieses besteht in erster Linie aus Menschen, die sich moralisch im Recht wähnen, weil sie die Vorgaben der Regierung brav und ohne nachzudenken befolgen. Brugger wird niemals Opfer der «Cancel culture» werden, so viel ist sicher, weil sie sich wunderbar einfügt in die neue Korrektheit. Das ist durchaus geschäftstüchtig.
Und vorausschauend. Hazel Brugger hat sicherlich mitgekriegt, was mit kritischen Geistern passiert, mit Thiel, Rima, Dieter Nuhr, Lisa Eckhart. Während früher Aufmüpfigkeit eine Voraussetzung für die Bühne war, ist sie heute die Guillotine für die weitere Laufbahn. Weil Meinungsfreiheit nur noch ein Wort im Duden ist. Komiker als Stachel im Fleisch der Mächtigen? Nicht doch. Heute ist es schwierig, einen Kabarettisten von einem Regierungssprecher zu unterscheiden. Was genau sagt denn Frau Brugger anderes als Berset und Ackermann? Und für die muss ich nicht mal ein Ticket kaufen.

Durchaus unkorrekt, aber…

Man darf die Frau mit dem staubtrockenen Humor nach wie vor lustig finden. Auf der Bühne ist sie ja eher unpolitisch und interessanterweise ziemlich unkorrekt. Herrlich beispielsweise, wie sie immer wieder überehrgeizige Helikoptereltern karikiert. Sie hätte das Zeug dazu, das auch in anderen Bereichen zu tun. Aber es gehört natürlich mehr Mut dazu, sich gegen eine Regierung zu stellen als über eine amorphe Masse an Eltern zu frotzeln, zumal ein Publikum ja dazu neigt, immer zu glauben, es sei natürlich damit nicht gemeint und mitlacht. Die spricht über die anderen, nicht über mich!
Aus einer aufklärerischen, kritischen, der Meinungsfreiheit zugewandten Warte hingegen kann man in Zukunft sagen: Hazel Brugger? Nö. Der Erkenntnisgewinn ihrer Äusserungen entspricht einem Livestream des Bundesrats. Und versteckte Komik findet man dort genug.
Ähnliche Themen