Hat Levrat seine eigenen Aussagen vergessen?

Hat Levrat seine eigenen Aussagen vergessen?

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von Sandro Frei am 1.4.2021, 15:32 Uhr
Christian Levrat, neuer Präsident der Post. Quelle: Parlamentsdienste 3003 Bern
Christian Levrat, neuer Präsident der Post. Quelle: Parlamentsdienste 3003 Bern
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Seit gestern ist bekannt, dass Christian Levrat neuer Präsident der schweizerischen Post wird. Er folgt auf Urs Schwaller. Entlöhnt wird er dabei fürstlich.

Christian Levrat verdient in einem 50 Prozent Pensum bei der Post 250’000. Noch 2018 bekämpfte er im Ständerat solche Löhne bei Staatsbetrieben. Schauen wir genauer hin.

Levrat 2018 in der Ratsdebatte

500’000 ist genau die Summe, die Corrado Pardini 2018 in einer Motion als Obergrenze für Löhne in Staatsbetrieben vorsah. Pardini sitzt inzwischen selbst im Verwaltungsrat der Post.
Levrat meinte während der Debatte: «Es ist falsch, von einem Marktvergleich zu sprechen, denn Staatsunternehmen operieren in einem geschützten Rahmen und sind nicht Teil des Markts. Staatsunternehmen spüren keine Konkurrenz. Man kann nicht das"Beste aus beiden Welten" verbinden, entweder ist man geschützt vom Markt und zahlt dann weniger hohe Löhne, oder aber man setzt sich den Risiken des Marktes aus und hat dafür auch höhere Löhne.»

«Kader in subventionierten Betrieben dürfen keine so hohen Löhne haben»

Christian Levrat, Ständerat FR
Die Sozialdemokraten versuchen seit langem, gegen die überbordenden Löhne in der Privatwirtschaft vorzugehen, dann kommt es schlecht an, wenn Staatsunternehmen selbst Teil dieser Lohnspirale sind.
«Die hohen Löhne fördern die Gewinnmaximierung. Der Service steht so nicht mehr im Mittelpunkt. Kader in subventionierten Betrieben dürfen keine so hohen Löhne haben.»

«Der Bund muss seinen Einfluss als Eigner wahrnehmen und solche Lohnexzesse verhindern»

Christian Levrat, Ständerat FR
Levrat schliesst mit der Aussage: «Der Bund muss seinen Einfluss als Eigner wahrnehmen und dafür sorgen, dass solche Lohnexzesse in Zukunft nicht mehr vorkommen. Die falschen Anreize müssen ein Ende nehmen.»

2014: Motion Wermuth

Der SP sind hohe Löhne in Staatsbetreiben schon lange ein Dorn im Auge. Blenden wir zurück. 2014 im Nationalrat: Ein Vorstoss von Genosse Wermuth zur Höhe der Löhne in Staatsbetrieben. Der jetzige Co-Präsident der SP Schweiz meint: «Solch hohen Löhne sind eine Verschleuderung von Geldern, die den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes gehören, von Steuergeldern, von Gebühren…. »
Weiter meint Wermuth: «Es wird vonseiten der Staatsbetriebe immer wieder argumentiert, diese hohen Saläre sind notwendig, um die besten Leute anzuziehen. Die Privatwirtschaft zahle auch so hohe Löhne. Da man sich im Wettbewerb befindet mit der Privatwirtschaft, mache es Sinn, dass sich die Löhne in ähnlichen Sphären bewegen. Dem ist jedoch nicht so».
Wermuth führt weiter aus: «Die Löhne steigen immer mehr, aber die Leistung nimmt immer mehr ab. Es ist keine Leistungssteigerung, die in Einklang mit dem Lohnniveau steht, feststellbar. Gerade die Löhne des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung steigen immer mehr, die erbrachte Leistung des Unternehmen nimmt dabei immer mehr ab.»

«Solch hohen Löhne sind eine Verschleuderung von Geldern, die den Bürgern und Bürgerinnen dieses Landes gehören»

Cédric Wermuth, Präsident SP
«Die Post betreibt eine Umschichtung von Gewinnen, ohne, dass neue Wertschöpfung entsteht. Bundesnahe Betriebe müssen an das Signal denken, das sie ausstrahlen, wenn ihr Führungspersonal mehr verdient als ein Bundesrat. Der Bund muss vorwärtsmachen mit der Lohndeckelung bei Bundesunternehmen.»

«Bundesnahe Betriebe müssen an das Signal denken, das sie ausstrahlen, wenn ihr Führungspersonal mehr verdient als ein Bundesrat»

Cédric Wermuth, Präsident SP
Christian Levrat verdient auf 100 Prozent gerechnet 500’000 Franken im Jahr. Dies ist mehr als ein Bundesrat verdient. Wie verfährt die SP mit der neuen Situation?
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