Gratistests: Bald wieder Phantasiepreise statt freier Markt?

Gratistests: Bald wieder Phantasiepreise statt freier Markt?

Heute Freitag fällt die Entscheidung darüber, ob Covid-19-Tests wieder gratis angeboten werden. Die Gegner argumentieren mit den hohen Kosten für den Staat, die dadurch entstehen. Doch die werden nur verursacht, weil der Bund einen absurd hohen Preis für die Tests vergütet.

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von Stefan Millius am 17.12.2021, 05:00 Uhr
Bild: Pixabay
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Als in einer ersten Phase der Covid-19-Test kostenlos war, hatte zunächst niemand richtig Lust, ihn anzubieten. Aufwand und Ertrag schienen in keinem attraktiven Verhältnis zu stehen. Bis der Bundesrat beschloss, pro Test stolze 47 Franken zu vergüten. Im Nu war so gut wie jede Apotheke im Land Feuer und Flamme, den Test zu offerieren. Denn gemäss Insidern sind solche Tests im Einkauf für wenige Franken zu haben, die (kurze) Arbeitszeit für die Durchführung war damit fürstlich entlohnt.
Freier Markt – tiefe Preise
Dann wurden die Tests aber plötzlich kostenpflichtig. Was folgte, war ein Schulbuchbeispiel für das Funktionieren des freien Markts: Die Preise purzelten prompt. An jeder Ecke in der Schweiz schossen kleine Testzentren aus dem Boden, Hausärzte sprangen auf den Zug auf. Zum Teil konnte man sich das Zertifikat schon für eine Zehnernote holen, Preise um die 20 Franken waren üblich. So mancher Anbieter witterte die Chance, mit einer schnellen Abfertigung vieler Leute zu tiefen Preisen Kasse dank Masse zu machen. Weil der Bund nichts mehr vergütete, spielte plötzlich der Wettbewerb.
Die neue Covid-19-Verordnung, über die im Bundeshaus am Freitag abgestimmt wird, sieht nun vor, dass der Bund die Kosten für die Tests wieder übernimmt. Da es sich um ein dringliches Gesetz handelt, tritt es bei Zustimmung sofort in Kraft, ab Montag könnte man sich dann also wieder kostenlos testen lassen.
Gratis und doch nicht gratis
Schön für den Bürger, der nicht ins eigene Portemonnaie greifen muss, aber indirekt tut er es dennoch. Denn die Testkosten werden dann voraussichtlich zwar nicht wieder bei 47 Franken liegen, aber immer noch bei stolzen – und kaum erklärbaren – 36 Franken. Berappt aus der Staatskasse mit Steuergeldern. Für dieselbe Leistung, die zuvor zum Teil für 10 bis 20 Franken zu haben war.
Der St.Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler twitterte umgehend: «Als Steuerzahler läuft es mir kalt den Rücken runter.» Bei den vormals 47 Franken handle es sich um einen «Fantasiepreis», der einst nur konstruiert wurde, um Anbietern einen Anreiz zu verschaffen, die Tests überhaupt durchzuführen. Kaum wurden sie kostenpflichtig, entstand dieser Anreiz ganz von allein, findige Unternehmer traten mit sehr viel tieferen Preisen auf den Plan. Damit ist es wohl bald wieder vorbei. Marcel Dobler. «Der Staat greift hier aktiv ein und zahlt viel mehr, als er eigentlich müsste», sagt er gegenüber dem «Nebelspalter».
Parlament: Kein Einfluss auf die Vergütung
Zum alten, inhaltlich nicht begründbaren Preis oder zu einem nur leicht reduzierten Ansatz zurückzukehren, finanziert vom Steuerzahler: «Das kann es nicht sein», hält der FDP-Nationalrat fest. Eingriffsmöglichkeiten hat das Parlament beim Preis aber nicht. Denn in der Schlussabstimmung geht es nur um die grundsätzliche Frage, ob die Tests wieder kostenlos werden sollen. Die Vergütung wird in der begleitenden Verordnung definiert. Und dort können die parlamentarischen Kommissionen nur konsultativ ihre Meinung zum Besten geben.
Dennoch könnte es sein, dass der «Phantasiepreis» nicht Wirklichkeit wird. Denn Marcel Dobler hat inzwischen Unterstützung vom Preisüberwacher Stefan Meiyerhans erhalten. Auch er hält die Vergütung der Testkosten durch den Staat für unnötig hoch. Geht es nach ihm, dürften nicht viel mehr als 20 Franken fliessen – was in etwa dem durchschnittlichen Marktwert in der Phase entspricht, in der jeder den Test selbst berappen musste.

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