Glücklich sein in der Corona-Zeit: Geht das überhaupt?

Glücklich sein in der Corona-Zeit: Geht das überhaupt?

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von Bruno S. Frey am 2.4.2021, 12:30 Uhr
Werden auch die Jungen bald wieder glücklich? Wir dürfen optimistisch sein.
Werden auch die Jungen bald wieder glücklich? Wir dürfen optimistisch sein.
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Ja, das geht. Auch wenn es nicht für Alle zutrifft. Aber ältere Menschen fühlen sich sogar zufriedener als vor der Pandemie, schreibt Glücksforscher Bruno S. Frey.

Um das Corona-Virus zu bekämpfen, haben die meisten Länder der Welt einen wirtschaftlichen Stillstand befohlen. Restaurants, Hotels, Läden und Museen wurden rücksichtslos geschlossen. Damit sollte verhindert werden, dass sich die Menschen gegenseitig anstecken. Der Erfolg ist höchst zweifelhaft, zumindest ist bis heute die Epidemie nicht unter Kontrolle.
Ein Lockdown der wirtschaftlichen Aktivität beeinträchtigt die Lebenszufriedenheit oder das Glück der Menschen direkt. Die wissenschaftliche Forschung ist sich einig: Vermindert sich das Pro-Kopf-Einkommen, werden die Menschen weniger glücklich. In dieser Hinsicht vermindert vor allem die staatliche Reaktion auf die Pandemie die Lebenszufriedenheit deutlich.
Unser Glück wird auch beeinträchtigt, weil wegen der Pandemiepolitik viele menschliche und demokratische Grundrechte wesentlich eingeschränkt oder sogar beseitigt wurden. Persönliche Freiheit bestimmt jedoch markant die Lebenszufriedenheit. Die Länder mit den glücklichsten Einwohnern sind jene, die den Menschen möglichst grosse Freiheitsrechte garantieren. Dazu gehört, neben den skandinavischen Ländern, auch die Schweiz.

«Altersweisheit»

Den bisherigen Untersuchungen zufolge sind Junge und Alte glücklicher. Die Jugendlichen haben das ganze Leben vor sich und können ein erfolgreiches Leben in der Familie, im Beruf und in der Gesellschaft erwarten. Die Pensionierten sind, zumindest in unseren Breitengraden, wirtschaftlich abgesichert – und vor allem haben sie gelernt, nicht allzu viel zu erwarten. Die Senioren verfügen im Grossen und Ganzen über «Altersweisheit».
Entsprechend verläuft die Glückskurve im Verlauf des Alterns U-förmig.
Die Pandemie hat jedoch das Glücksempfinden im Altersverlauf gründlich verändert. Die Jungen sind durch das Corona-Virus hart gebeutelt worden. Nur wenige sind zwar gesundheitlich negativ betroffen, viele von ihnen haben allerdings keine Stelle gefunden oder keine befriedigende Lehre aufnehmen können. Eben so einschneidend ist der herbe Verlust an sozialen Kontakten. Einer der wichtigsten Glücksfaktoren ist ein lebendiges soziales Umfeld. Viele Freunde und Bekannte zu haben, stärkt das Glücksgefühl erheblich.

Optismismus ist angebracht

Höchst erfreulicherweise werden die Menschen mit zunehmendem Alter immer zufriedener. Dies geht auf verschiedene Gründe zurück: Die über ihr Glück Befragten haben das Virus überlebt – und werden recht gut umsorgt. So können sie sich wesentlich rascher impfen lassen als jüngere Jahrgänge. Die Alten fühlen sich subjektiv gesünder als vor dem Eintritt der Pandemie.
Selbst wenn das Corona-Virus viele Menschen unglücklich gemacht hat: Auf alle trifft das nicht zu. Dass die Senioren etwa für einmal zu den Gewinnern gehören, ist schön zu wissen.
Zumindest mittelfristig wird eine deutliche Verbesserung der Wirtschaftslage vorausgesagt. Weil manche Menschen erlebt haben, wie sich ein niedrigeres Glücksniveau anfühlt, werden sie es bei dessen Anstieg – infolge eines höheren Einkommens – umso mehr geniessen. Deshalb können (sollten?) wir optimistisch sein.
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