Genial bis ins Detail, statt leise, kraftvoll, Mitsubishi

Genial bis ins Detail, statt leise, kraftvoll, Mitsubishi

Mitsubishi gilt als Underdog in der Autobranche, hat vieles pionierhaft angeschoben, ist aber nicht nur Auto, sondern weit mehr.

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von Jürg Wick am 4.10.2021, 12:30 Uhr
1936 brachte Mitsubishi mit dem PX-33 den ersten Allrad-PW auf den Markt.
1936 brachte Mitsubishi mit dem PX-33 den ersten Allrad-PW auf den Markt.
Bereits zu Beginn des 20. Jahrhundert agierte Mitsubishi als Mischkonzern mit Schiffsproduktion, Handelsbetrieben, Bergbau, Brauerei und Versicherungen. Am Anfang noch in eigenständigen Gesellschaften organisiert, wurden 1934 alle Planungs- und Produktionsstätten mit der Autosparte unter dem Dach von Mitsubishi Heavy Industries zusammengefasst. Zuvor schon wurde 1917 Japans erstes Serienauto als Modell A vorgestellt, 1928 Japans erster Windkanal eröffnet, und im selben Jahr hob mit der achtsitzigen MC-1 das erste Passagierflugzeug von der Piste ab. Und 1931 fuhr als motorische Sensation der erste japanische Dieselmotor mit Direkteinspritzung in einem Mitsubishi auf der Strasse.
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Die ersten rein elektrischen Serien-PW gingen Ende 2010 in Kundenhand.
Der erste Allradler
1936 präsentierte Mitsubishi Heavy Industries mit dem PX-33 den ersten Allrad-PW der Welt mit Dieselmotor. 1958 wagte sich der Konzern in den Export nach Malaysia, präsentierte den Kleinwagen A/10-500, 1962 die erste Colt-Generation und 1963 den Kleintransporter Canter.
1970 kam es zu einer weiteren Reorganisation im Konzerngefüge. Die Autosparte nennt sich seither Mitsubishi Motors Corporation. Vier Jahre später stellt sich Mitsubishi auf der London Motorshow in Europa vor und startet 1975 den Export nach Belgien, Holland und Grossbritannien. 1977 steht Mitsubishi mit den Modellen Lancer, Celeste und Galant über die Winterthurer Erb-Organisation in der Schweiz auf der Matte. Das Firmenloge lautet «Leise, kraftvoll, Mitsubishi» und flimmert, vom Volksschauspieler Walter Roderer («Buchhalter Nötzli») sympathisch vorgetragen über die hiesigen Bildschirme. Vor allem dem Lancer haftet die Biederkeit am Lack, aber über die Turbo- und EVO-Modelle bekommt er es später ganz dick zwischen die beiden Aussenspiegel.
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Auch bei den Minivans war Mitsubishi Pionier, im Bild einer der letzten, der Grandis von 2003 bis 2011.
Der erste Minivan
1983 wird das Modellprogramm mit dem Pajero Geländewagen, sowie dem ersten MPV-Van Space Wagon noch vor dem Renault Espace und dem Chrysler Voyager mit einem Minivan ergänzt. Drei Jahre später der nächste Meilenstein: Mitsubishi gewährt als erster Autohersteller drei Jahre Werksgarantie. 1988 noch einen: Der neue Galant erscheint nicht nur mit Allradantrieb, sondern sogar mit Allradlenkung. Der Supersportwagen 3000 GT überrascht 1992 die Schweiz, als Pick-up L200 im Jahr darauf ein Nutztier. 1995 startet mit dem Carisma die Produktion in Europa inklusive dem ersten direkteingespritzten Benzin-Motor «GDI».
Nach der so genannten «Erb-Pleite» 2003 muss der Vertrieb in der Schweiz neu aufgestellt werden, was 2008 zum Import der Mitsubishi-Fahrzeuge durch die Emil Frey-Gruppe führt, welche auch für den Vertrieb u.a. in Frankreich und Deutschland verantwortlich ist. Etwas später muss sich die Marke vom bestens etablierten Firmenclaim «Leise, kraftvoll, Mitsubishi» als Folge der Globalisierung verabschieden.
Der erste Elektrische
Nun heisst es «Genial bis ins Detail» und Mitsubishi lanciert mit dem i-MiEV den ersten rein elektrischen Personenwagen in der Schweiz mit einem Flottenversuch, die Kundenauslieferungen beginnen Ende 2010. Im gleichen Jahr zieht der Import von Kloten/ZH nach Härkingen/SO. Drei Jahre später gelangt das erste Plug-in-Hybrid-Auto Mitsubishi Outlander PHEV 4x4 zu den Kunden, schafft die Verbindung zwischen Luxus und den Hygienefaktoren Verbrauch sowie Umweltverträglichkeit und führt dieses stark wachsende Segment lange Zeit an, nun ergänzt vom neuen Eclipse Cross PHEV 4x4.
Die inzwischen seit 44 Jahren in der Schweiz operierende Diamanten-Marke stützt sich zu einem guten Teil auf kleine Betriebe in der Landschaft ab. Sie haben die momentane Straffung des Modellprogramms wegen den drohenden Sanktionszahlungen dank ihrer regionalen Verankerung sowie dem seriösen Handwerk gut im Griff. Und sie kommen mit der aktuellen Transformation hin zu mehr Elektromobilität besser zu Recht als die Aggressiven, welche teilweise Millionenbeträge an den Bund überweisen müssen oder wollen. Hauptsache powerstarkes «Imitsch».
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Der in Europa gebaute Carisma mit direkteingespritztem Benzinmotor, wurde noch mit dem in der Schweiz konzipierten Markenlogo beworben.

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