Gender-Unterricht: Nahe bei der Indoktrination

Gender-Unterricht: Nahe bei der Indoktrination

Unterricht über Geschlechter an der Pädagogischen Hochschule Bern: Lehrer sollten auf ihre Aufgabe vorbereitet, statt ideologisch geschult werden.

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von Maria-Rahel Enggist am 24.6.2021, 12:58 Uhr
Bild: Shutterstock
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In der Vorlesung «Geschlechterverhältnisse in der Gesellschaft» werden zukünftige Lehrpersonen über das Geschlecht und dessen Herstellung aus sozialwissenschaftlicher Perspektive unterrichtet. Es wird festgehalten, dass es keine eindeutige naturwissenschaftliche Bestimmung von Geschlecht gibt. (Link zur Reportage: Teil 1 und Teil 2)
Dekonstruktivismus als Denkfehler
Das Ziel der Vorlesung scheint aber nicht zu sein angehende Lehrer auszubilden, sondern sie mit einer bestimmten Vorstellung von Geschlecht zu indoktrinieren. Um die Überwindung und nicht die Erläuterung von Geschlecht geht es den Dozentinnen. Geschlecht muss weg, weil es zu ungleicher Behandlung führe.
Dass ungleiches manchmal ungleich behandelt werden muss, damit es gerecht behandelt wird, gerade im Unterricht, dieser ethische Grundsatz kommt dabei offenbar nicht vor. Ein Denkfehler hat sich eingeschlichen: Nur weil etwas aufgelöst wird – so wie die Dozentinnen die Auflösung des biologischen Geschlechts anpreisen – bedeutet dies nicht unmittelbar eine gerechtere Gesellschaftsordnung, welche frei von strukturellen Herrschaftsverhältnissen ist.
Die biologischen Unterschiede als unanfechtbare Realität
Die Dozentin Simone Suter nimmt im Rahmen des Themenabschnitts «Sozialwissenschaftlicher Blick auf Geschlecht» einen biologischen Exkurs vor. Darin wiederholt Sie mehrmals, dass die biologische Zweigeschlechtlichkeit in der ‘Natur’ so eigentlich nicht vorkämen.
Es ist jedoch konfus, dass ausgerechnet im Zusammenhang der Sozialwissenschaftlichen Perspektive ein humanbiologischer Exkurs gemacht wird. Dies wurde aber von Seiten der Dozierenden bewusst so gewählt: Denn die biologischen Unterschiede würden oft als eine unanfechtbare Realität angesehen werden - so Suter - und als Legitimation für die gesellschaftliche Ungleichheitsordnung dienen.
Die Dozenten argumentieren ausgerechnet zur Überwindung der biologischen Geschlechter mit Biologie, nämlich mit der «Intersexualität», einer biologischen extrem seltenen Besonderheit, in der die typischen Geschlechtermerkmale nicht mehr klar dem einen oder anderen Geschlecht zugeordnet werden können.
Intersexualität als Normalfall
Die Vorlesung erweckt jedoch den Eindruck, als wäre diese Besonderheit eine tägliche Realität und würde auf ganz viele Menschen zutreffen. Ein biologischer Sonderfall wird zu einem biologischen Normalfall gemacht. Warum das? Die Biologie wird als Störfaktor angesehen bei dem Ziel, die Geschlechter alleine als soziales Konstrukt darzustellen. «Die sogenannte ‘Natur’», wie sie die Dozentin immer nennt, muss als Faktum aus dem Weg geräumt werden, damit eine Gesellschaft und Geschlechterordnung nach eigenem Gutdünken gestaltet werden kann.
Politisches Statement wichtiger als die Ausbildung zukünftiger Lehrpersonen
Mit Verlaub: Bei diesem Potpourri von Humanbiologie, wo Geschlecht als sex verstanden wird und der gesellschaftlich-kulturell definierten Geschlechterrolle gender gemischt mit LGBTIQ+-Fahnen und Toiletten-Bildli wird einem schwindlig. Ja es gibt Intersexualität, und ja es gibt gesellschaftlich konstruierte Geschlechtlichkeit. Ja, es gibt Ungleichheit, aber auch deshalb weil Menschen ungleich sind. Aber in der Vorlesung wird man den Verdacht nicht los, dass ein politisches Statement und ideologisches Vorverständnis wichtiger ist als die Ausbildung der zukünftigen Lehrpersonen.
In Anbetracht der indiskutablen Machtposition der beiden Dozentinnen – sie bilden zukünftige Lehrpersonen aus – besteht die Gefahr, dass die Studierenden politisch indoktriniert und wer sich dagegen wehrt ausgegrenzt werden. Ist das für zukünftige Lehrpersonen tatsächlich wünschenswert?
Lehrer müssen darin ausgebildet werden, wie sie mit Geschlecht und der unterschiedlichen Selbstwahrnehmung der Kinder umgehen sollen. Ideologische Beeinflussung und politische Indoktrination haben aber an einer pädagogischen Hochschule nichts zu suchen.
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