Gemietete Kampfflugzeuge und E-Mobilität

Gemietete Kampfflugzeuge und E-Mobilität

In der gedruckten Ausgabe des Nebelspalters tragen wir den Wahnsinn der Schweizer Politik zusammen.

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von Hans Abplanalp am 13.12.2021, 08:00 Uhr
Gigal (Gabriel Giger)
Gigal (Gabriel Giger)

Miete statt Kauf

Der Bundesrat lehnte ein Begehren aus dem Nationalrat ab, eigene Transportflugzeuge anzuschaffen, um diese in Krisensituationen einsetzen zu können. Bei Bedarf wolle er solche Flugzeuge mieten oder in Kooperation mit andern Staaten anfordern: kostengünstiger und flexibler. Logische Folge wäre nun ein nächster Schritt des Bundesrats: Keine zu teuren Kampfjets aus den USA kaufen, sondern mieten – in Europa – nur für den Ernstfall – tritt sowieso nie ein.

Kindsmissbrauch

Nein, nein, für einmal nicht die oft ­unwürdig anmutende Vergangenheitsbewältigung von katholischen Geistlichen. Ich denke an Bilder, welche Kinder mit Plakaten oder Aufschriften an Demos von Impfgegnern zeigten. Zum Beispiel trug ein Mittelstufenschüler auf seinem T-Shirt einen grossen, vorgedruckten Kleber: «Berset muss weg!» Oder in einem Rundschau-Bericht von SRF durften die Kinder einer Impf­befürworter- und Kinder einer Impfgegnerfamilie auftreten und ihre auswendig gelernten Erwachsenen-Sätze vortragen. Kinder erleben Corona zu Hause, in der Schule, in der Freizeit, untereinander, mit eigenen Erfahrungen, eigenen Worten und Bildern. Alles andere grenzt an Kindsmissbrauch. Da wirkt auch die «Ausgewogenheit» des SRF mit Pro und Contra nur noch dilettantisch und kinderverachtend.

Märchen

Es war einmal ein kleines Land, in welchem eine Pandemie grassierte. Dort lebten Impfbefürworter, welche den Impfgegnern einimpfen wollten, sich endlich impfen zu lassen, aber da liessen sich die Ungeimpften erst recht nicht impfen, worauf die Impffreudigen die Impflosen verunglimpften, bis die Impfunwilligen die Geimpften zu beschimpfen begannen. – Seither tragen in diesem winzig kleinen Land alle einen SchImpfausweis bei sich.

Neutral

Unsere für einmal gemeinsam strahlenden Bundesräte Cassis und Parmelin waren in New York, um für einen nichtständigen Schweizersitz im UNO-Sicherheitsrat zu werben. SVP-Nationalrat Franz Grüter, Vizepräsident der Aussenpolitischen Kommission, erachtet dies als den grössten politischen Fehler, den die neutrale Schweiz je begangen hat. Nach zwei Jahren wäre übrigens Schluss mit diesem nichtständigen Sitz. Franz Grüter ist auch Unternehmer, auf dessen Homepage man liest: «Ich setze mich für die Schweizer Wirtschaft für den ungehinderten Zugang zu ausländischen Märkten ein.» Geschäfte getätigt in aller Welt würden auch nach diesen zwei Jahren weiterhin – ganz neutral.

Haustierisch

Corona und Homeoffice haben den Stellenwert von Haustieren grundsätzlich erhöht. Im Lockdown stürmten Einsame die Zoohandlungen und rissen sich die Zwei- und Vierbeiner buchstäblich aus den Händen. Hauptsache Tier. Geleerte Tierheime, Tierdiebstähle und illegale Importe zeigten die Verzweiflung der Menschen. Im tierliebenden Grossbritannien oder in den USA gab es dank Corona Goodies für Angestellte, wie Pflegetage für Kranke oder Beerdigungstage für gestorbene Tiere. Wir in der Schweiz sind da etwas nüchterner und haben Tierkadaverstellen, immerhin auch Tierkrematorien und sogar ein paar Tierwaldreviere mit Baumbestattung, also für Tiere, nicht für Bäume.

Zahnrad

Frauen verletzten sich im ÖV doppelt so oft wie Männer. Das Klischee vom «schwachen Geschlecht» zieht nicht, vielmehr müsste man wohl weiter unten auf die Schuhe schauen: Stögelischuhe machen den Unterschied aus. Absatz als Risikofaktor, nicht nur wirtschaftlich. Übrigens, bei Kindern ist es umgekehrt: Die wilden Knaben verletzen sich doppelt so oft wie die braven Mädchen. Auch ein Klischee? Möchten Sie in jedem Fall unfallfrei ÖV fahren? Null Verletzte, wenn Sie eine Zahnradbahn benützen.

E-Strom

E-Mobilität ist das gegenwärtige Zauberwort für saubere Verkehrsmittel: E-Scooter, E-Bikes, E-Motorräder, E-Autos, E-Lastwagen, E-Autobusse … Bald auch E-Flugzeuge? Natürlich dank Electrifly. Bis jetzt existieren Zwei- bis Vierplätzer, welche ein paar Hundert Kilometer fliegen, bevor sie wieder landen müssen. In der Schweiz ist erst ein einziges Flugzeug zugelassen, das mit Strom betrieben wird. Also in jeder Beziehung hats da noch Luft nach oben. (Die Frage, welche leider immer noch offen bleibt: Woher nehmen wir in der Schweiz ehrlicherweise all diesen zunehmenden Strom? Ohne Stromabkommen mit der EU?)

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