Alltagssatiren: Tiefflieger und Mussestunden

Alltagssatiren: Tiefflieger und Mussestunden

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von Nebelspalter Printausgabe am 27.12.2021, 08:00 Uhr
Karsten Weyershausen
Karsten Weyershausen

Tiefflieger

Ein belgischer Autofahrer wurde in der Nähe von Lüttich geblitzt, weil er die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde überschritten hatte. Er erhielt ein Radarfoto, jedoch ohne Busse. Der Grund: Belgische Blitzgeräte können nur Geschwindig­keiten bis maximal 300 Kilometer pro Stunde messen. Möglicherweise wusste das der Raser, der mit einer Geschwindigkeit von 306 Kilometern pro Stunde unterwegs war. Belgien sollte ein Tiefflugverbot erlassen – für tieffliegende Autofahrer und geistige Tiefflieger wie diesen.
Thomas Christian Dahme

Interkulturelles

Pattaya, Thailand. Die Frau, die sich neben mir am Hotel-Pool räkelt, hat einen derartigen Wahnsinnsbusen, dass mir halb schwindlig wird. Sie wendet sich in Französisch an mich: Ob sie sich hier wohl oben ohne sonnen dürfe. Keine Ahnung, sage ich, doch ich könne gerne den Manager fragen. Dieser, im schwarzen Anzug, mustert sie von oben bis unten, zeigt mit seiner Hand auf seinen Gürtel und sagt: «Until here okay, here», er zeigt jetzt auf seinen Schritt, «no okay.» Sie entledigt sich ihres Oberteils, freut sich an meinen Blicken, und erzählt, sie sei aus Brasilien, als Mann zur Welt gekommen, in Marokko umoperiert und mit einem Franzosen verheiratet, dessen Familie keine Ahnung hätte, dass sie transsexuell sei. Ich hätte es nicht gemerkt, sage ich. Sie lacht, die Thais merken es alle, die Europäer und Amerikaner hingegen seien diesbezüglich hoffnungslos.
Hans Durrer

Mussestunden

Der neunjährige Julian ist bei seiner Grossmutter zu Besuch. Sie sitzt in ihrem Sessel und blickt hinaus in den winterlichen Garten. «Der Mensch braucht ab und zu eine Mussestunde», sagt sie zu ihrem Enkel. – «Was ist das? Eine Mussestunde?», fragt dieser zurück. «Stillsitzen, Nichtstun, die Natur beobachten, die Wolken, die Amsel im Holunderbusch. Das ist Musse.» Julian schüttelt den Kopf und erwidert: «Wir sagen dazu Winterstarre.»
Gerd Karpe

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