Forscher warnen vor Unheil, das sie nicht verstehen – Klimageschichte Teil 4

Forscher warnen vor Unheil, das sie nicht verstehen – Klimageschichte Teil 4

Die Alarmisten mahnen, wegen der Klimaerwärmung komme es zu mehr Hochwassern, Bergstürzen, Hagel und Dürren. Dabei zeigen alle Studien: Die Extremereignisse nehmen nicht zu.

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von Markus Schär am 9.10.2021, 07:00 Uhr
Flutkatastrophe in Deutschland im Sommer 2021. Bild: Keystone
Flutkatastrophe in Deutschland im Sommer 2021. Bild: Keystone
Klimageschichte Teil 1: siehe hier
Klimageschichte Teil 2: siehe hier
Klimageschichte Teil 3: siehe hier
Nicht nur das Wetter erhitzt sich im Sommer 2019, sondern auch eine Nationalrätin, die gegen den Verlust ihres Sitzes kämpft. «Den Bauern drohen Naturkatastrophen, die Bevölkerung schwitzt und ist grossen Risiken ausgesetzt», schimpft Kathy Riklin auf Twitter, «doch die SVP fährt mit dem SUV und heizt und konsumiert sorglos weiter.» Und die Zürcher CVP-Frau zetert nicht als irgendeine Kandidatin im heissen Klimawahlkampf: Kathy Riklin präsidiert das OcCC, das Beratende Organ für Fragen der Klimaänderung – trotz Abwahl als Nationalrätin bis heute.
Die Unterschrift von Kathy Riklin steht denn auch in einem Bericht, mit dem die Berater des Bundesrates 2003 Alarm schlugen (siehe hier). Bis 1997 lief das mit 20 Millionen Franken gefütterte Nationale Forschungsprogramm zu «Klimaänderungen und Naturkatastrophen», dazu kam ein dicker Schlussbericht samt multimedialer Inszenierung heraus: «Die Klimaverschwörung. Ein Wissenschaftskrimi». Und: «Das grosse Klimapaket: Klimarisiken als Herausforderung für die Schweiz» (siehe hier). Zu alledem aber machte das Beratende Organ mit Prominenz wie Professor Thomas Stocker noch einen eigenen Bericht zur Frage: Spielt das Wetter verrückt?

Die Forscher verstehen Extremereignisse nicht

«Die Lage ist ernst», mahnte die Politikerin Kathy Riklin im Vorwort. «Den schönen Worten müssen Taten folgen.» Die «drohenden Risiken», vor denen der Bericht warnen wollte, verflüchtigten sich allerdings im Befund der Wissenschaftler. Sie stellten fest: «Die Verknüpfung von Extremereignissen und Klimaänderung in der öffentlichen Meinung birgt die Gefahr, dass die Klimaproblematik in Zeiten mit vielen Extremereignissen dramatisiert und in Zeiten mit wenigen Ereignissen verharmlost wird.» Und sie gaben – nach einem Jahrzehnt Forschung in der Schweiz und der EU – offen zu: «Der Zusammenhang zwischen Klima und Extremereignissen ist noch immer erst teilweise verstanden.»

Die Forscher müssten aufgrund der Studien der letzten Jahrzehnte erkennen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Klima und Extremereignissen gibt.


Heute tönt es immer noch gleich. Die Klimaaktivisten der Schweizer Hochschulen steigen in hochgehende Bäche und stellen sich neben hagelgeschädigte Felder, um vor Kameras ihre Warnungen wegen der Erwärmung aufzusagen. Dabei gilt immer noch dasselbe wie vor zwanzig Jahren: Die Forscher verstehen den Zusammenhang zwischen Klima und Extremereignissen nicht. Oder schlimmer noch: Sie müssten aufgrund der Studien der letzten Jahrzehnte erkennen, dass es keinen Zusammenhang gibt.

Eine «Katastrophenlücke» im 20. Jahrhundert

Die Aktivisten wollen aber das Volk weiter mit drohenden Naturkatastrophen erschrecken, also zur Umkehr nötigen. Deshalb müssen sie verdrängen, dass es in früheren Zeiten viel verheerendere Naturkatastrophen gab. Das lässt sich in allen Chroniken und in manchen Romanen von Jeremias Gotthelf nachlesen, aber auch in den Werken von Christian Pfister (siehe hier). Der führende Klimahistoriker, heute streng auf Kurs, hielt darin beispielsweise fest: Bei der «Sündflut» am 1. August 1480 stand die Aare in Bern einen Meter höher als beim grössten Hochwasser unserer Zeit von 2005 und führte der Rhein in Basel sechsmal so viel Wasser wie im Durchschnitt des 20. Jahrhunderts. Dagegen gab es 1540 zwischen März und September in Zürich nur sechs Regenspritzer, sodass im dürrsten Jahr aller Zeiten nichts wuchs und das Volk Hunger litt.

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Bei der «Magdalenenflut» von 1480 führte der Rhein in Basel sechsmal so viel Wasser wie zu normalen Zeiten im 20. Jahrhundert.

Bei seiner Arbeit, gerade auch für das Nationale Forschungsprogramm, hatte Christian Pfister erkannt: Wir lassen uns heute von Extremereignissen beeindrucken, weil wir verlernt haben, damit umzugehen. Denn der Forscher sah im 20. Jahrhundert – als sich das Klima angeblich wegen des menschengemachten CO2 erwärmte – eine «Katastrophenlücke» (siehe hier). Und er hielt diese für «ein wesentliches Erklärungselement dafür, warum das Katastrophenrisiko in der Schweiz im Verlaufe des 20. Jahrhunderts fast völlig aus dem Bewusstsein verschwand».

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Im 20. Jahrhundert sieht der Klimahistoriker Christian Pfister eine «Katastrophenlücke» – trotz Erwärmung. Die Schweiz habe darum verlernt, mit Extremereignissen umzugehen.

Mit den Ursachen für die «Katastrophenlücke» habe sich die Forschung noch nicht auseinandergesetzt, gab Christian Pfister zu. Er lieferte aber immerhin für den Bericht des OcCC von 2003 eine Studie zu den Dürren in der Geschichte (siehe hier) – die allerdings die These der Alarmisten zerfetzte: In den harten zwei Jahrhunderten zwischen 1525 und 1730, als die kleine Eiszeit herrschte, traten sommerliche Trockenperioden wesentlich häufiger auf als seither. «Gesamthaft gesehen war die Belastung des 20. Jahrhunderts durch Dürresommer bemerkenswert gering, wie dies bereits für Naturkatastrophen (Lawinen, Überschwemmungen) festgestellt worden ist», klärte der führende Forscher die Bundesratsberater auf. «Auch in dieser Hinsicht trägt das zu Ende gehende Jahrhundert seine Bezeichnung als Gunstjahrhundert offensichtlich zu Recht.»

Die Extremereignisse nehmen nicht zu

Immerhin können die Klimaaktivisten in Wissenschaft, Politik und Medien damit auftrumpfen, dass es in der Schweiz seither wieder Katastrophen gab: die Winterstürme von 1999, die Hochwasser von 2005, auch die Unwetter von 2021. Sie müssen allerdings auch da verdrängen, dass die Extremereignisse nicht zunehmen – also wissenschaftliche Erkenntnisse missachten.


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In der Datenbank des WSL zu den Schäden von Extremereignissen in der Schweiz sehen die Forscher entgegen den Erwartungen keinen Trend.

Die Spezialisten für diese Fragen arbeiten an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in Birmensdorf ZH: Die Forscher der WSL, die zur ETH gehört, führen seit 1972 eine Datenbank zu den Unwetterschäden in der Schweiz. Und in allen ihren Studien kommen sie zum selben Schluss: Es gibt keinen klaren Trend. In einer Studie von 2009 hielten sie deshalb fest: «Weil die meisten Wissenschaftler eine Zunahme der Schadenereignisse aufgrund des Klimawandels voraussagen, erscheint das Fehlen eines Trends in unseren Daten erstaunlich.» (siehe hier). Und die Studie von 2018 gab für die Alarmisten immer noch nichts her: «Die Resultate zeigen keine statistisch signifikante Zunahme der jährlichen Schadensummen», schrieben die Spezialisten. «Potenzielle Effekte des Klimawandels auf die Schadensummen liessen sich deshalb nicht erkennen.» (siehe hier)

Niemand soll die Wahrheit erfahren

Die Erkenntnisse in der Schweiz decken sich mit jenen rund um den Globus; das zeigen etwa die Publikationen des Statistikers Björn Lomborg, des Journalisten Michael Shellenberger und des Politologen Roger Pielke Jr., des Sohns eines führenden amerikanischen Meteorologen. Sie stützen sich strikt auf die Berichte des IPCC – und sie werden gerade deshalb von den Klimaaktivisten verfemt. Denn niemand soll die unbequemen Wahrheiten erfahren: In den letzten dreissig Jahren gab es keine Zunahme von Wirbelstürmen, Überschwemmungen oder Dürreperioden. Seit 1990 ging der jährliche Schaden, gemessen am BIP der Welt, von 0,26 auf 0,18 Prozent zurück. Und seit 1920 sank die Zahl der Toten aufgrund von Naturkatastrophen von fast einer halben Million um 96 Prozent (siehe hier).

In jeder Wissenschaft, die diese Bezeichnung verdient, wäre die These der zunehmenden Extremereignisse erledigt.


Das heisst: Der IPCC sagt seit dreissig Jahren voraus, aufgrund der Klimaerwärmung nähmen die Naturkatastrophen zu. In dieser Zeit lief allerdings ein natürliches Experiment: Die Welt erwärmte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts um ein Grad, die Schweiz sogar doppelt so stark – die Zahl und vor allem die Schadensumme der Naturkatastrophen nahm aber ab. In jeder Wissenschaft, die diese Bezeichnung verdient, wäre die These erledigt.

Versicherer machten profitable Geschäfte

Weil diese Schadenereignisse trotz der düsteren Prophezeiungen nicht zunahmen, machten die Rückversicherungen, die wegen der von ihnen beschworenen Risiken höhere Prämien forderten, damit in den letzten zwei Jahrzehnten die besten Geschäfte. Der Cheflobbyist von SwissRe, David Bresch, sass die ganze Zeit im OcCC und prägte so die Schweizer Klimapolitik. Er hantierte mit einer Grafik, die einen starken Anstieg der kumulierten Schäden von Extremereignissen zeigte – statistischer Unsinn, weil alle Werte, die nicht negativ sein können, zunehmen, wenn man sie kumuliert. Für solche wissenschaftlichen Glanzleistungen bekam David Bresch inzwischen eine Professur an der ETH.
Dafür läuft das Beraten des Bundesrates für Kathy Riklin & Co. aus, denn Bundesrätin Simonetta Sommaruga löst das OcCC auf. Thomas Stocker gab sich erstaunt, weil gerade die extremen Ereignisse in diesem Jahr «die Notwendigkeit eines solchen Beratergremiums» zeigten. Dabei ist der Entscheid für die Bundesrätin nur folgerichtig: Der falsche Alarm hat sich in den Medien und der Politik längst durchgesetzt, auf die Wissenschaft kommt es nicht mehr an. Und für die Kritiker der Klimapolitik auch: Wissenschaftliche Berater, die sich nicht an die wissenschaftlichen Erkenntnisse halten, braucht kein Mensch.
Weitere Informationen:
Björn Lomborg: False Alarm: How Climate Change Panic Costs Us Trillions, Hurts the Poor, and Fails to Fix the Planet. Boston 2020, 336 Seiten, Fr. 38.90.
Michael Shellenberger: Apocalypse Never. Why Environmental Alarmism Hurts Us All. New York 2020, 432 Seiten, Fr. 37.90.
Kein Trend zu mehr Hochwasser-Ereignissen: siehe hier

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