Filmgesetz: Heidi bald auf Netflix?

Filmgesetz: Heidi bald auf Netflix?

Das Parlament will ein neues Filmgesetz und damit die Filmbranche fördern. Drei Jungparteien haben nun das Referendum gegen die «Filmsteuer» ergriffen.

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von Maria-Rahel Cano am 15.10.2021, 14:50 Uhr
Das Logo des Streaming-Anbieters «Netflix» (Bild: Keystone)
Das Logo des Streaming-Anbieters «Netflix» (Bild: Keystone)
Mindestens vier Prozent ihres Bruttoumsatzes sollen künftig Streaming-Anbieter und private Fernsehsender der Schweizer Filmproduktion abgeben. Zusätzlich wird eine «europäische Filmquote» von allen Online-Anbieter verlangt. Onlineplattformen wie Netflix, Amazon oder Disney+ müssen 30 Prozent ihres Angebotes für europäische Filme reservieren. Wer dem nicht folge leisten will oder kann, wird von dem Bundesamt für Kultur zusätzlich zur Kasse gebeten.

Wohin fliesst das Geld?

Die Hoffnung der Parlamentsmehrheit ist, dass man mit diesem Mittel die Streamingdienste dazu bewegen kann, Schweizer Produktionen einzukaufen oder Schweizer Filmschaffende in grössere Filmprojekte mit einzubeziehen. Eine Chance für die Schweizer Filmproduktion? Mike Egger, Nationalrat SVP und Mitglied des Referendumskomitees glaubt das nicht: «Es ist eine Illusion, dass der Schweizer Film mit mehr Geld besser wird.» André Moesch, Geschäftsführer des Regionalsenders Telebasel, schliesst sich dieser Meinung an: «Mehr Geld für mehr Filme. Aber ob sie wirklich besser werden, dafür kann und will auch gar niemand garantieren.» Im Filmgesetz ist zwar die Qualität einer Produktion als Kriterium für Fördergelder verankert, was genau diese beinhaltet, wird jedoch nicht konkretisiert. (Link zum Filmgesetz)

Referendum lanciert

Könnte also Heidi bald auf Netflix laufen? Noch nicht. Die Jungfreisinnigen Schweiz, die Junge SVP Schweiz sowie die Jungen Grünliberalen Schweiz haben gegen die Gesetzesrevision das Referendum ergriffen (Link zum Referendumskomitee). Sie wehren sich gegen diesen «Betrug am Konsumenten» und dieses «illiberale Gesetz». In der Medienkonferenz zur «Filmsteuer nein» wird auch von einer versteckten Kultursteuer gesprochen, weil schliesslich die Konsumenten die Kosten tragen müssen. «Lex Netflix», so wird das Filmgesetz auch genannt, treffe nicht nur die grossen Streamingdienste, sondern auch kleinere schweizerische Privatsender besonders hart. Für manche Privatsender kommen vier Prozent des Bruttolohns dem Jahresgewinn gleich, so das Komitee an der Pressekonferenz.

Höhere Abopreise?

Eine weitere Sorge des Komitees ist – und das betreffe vor allem junge Leute – dass die Abo-Preise steigen würden. Michael Sennhauser, Filmredaktor SRF Kultur, glaubt nicht, dass sich diese Befürchtungen bewahrheiten. Netflix zum Beispiel habe schon heute die teuersten Abonnemente weltweit im Schweizer Markt und da werde einfach die Kaufkraft der Schweizer Bevölkerung abgeschöpft, so der Filmredaktor für «SRF». Er vermute sogar, dass die Preise aufgrund der wachsenden Konkurrenzen in den nächsten Jahren eher sinken werde. Matthias Müller, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz, entgegnet: «Ein Unternehmen, das höhere Kosten hat, weil sie höhere Steuern zahlen müssen, wird sicher einen Teil davon auf ihre Konsumentinnen und Konsumenten abwälzen. Es ist ein normales privates Unternehmen, dass nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen funktioniert.» Wie sich die Lage verändern wird, kann jedoch niemand mit Gewissheit voraussagen. Es bleibt abzuwarten – und bis dahin lässt sich Netflix schauen, leider ohne «Heidi».

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Maria-Rahel Cano7.12.2021comments

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