Nach der Ferienzeit ist Trennungszeit. Das muss nicht so sein. Ein kleiner Ratgeber

Nach der Ferienzeit ist Trennungszeit. Das muss nicht so sein. Ein kleiner Ratgeber

Die schönste Zeit im Jahr? Oder deprimierende Zeiten an der Hotelbar? Fünf Tipps, wie in den Ferien die Trennung nicht all-inclusive ist.

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von Dominique Feusi am 2.8.2021, 08:44 Uhr
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Zig Studien belegen: Für Paare sind Ferien oft kein Segen. Die Trennungs- und Scheidungsraten schnellen nach den Sommer- sowie Weihnachtsferien jeweils in die Höhe, Paartherapeuten und Mediatoren haben Hochkonjunktur, und Anwälte bestellen sich schon mal den neuen Porsche vor. Damit andere mit Ihren Sorgen kein Geld scheffeln, womit sie dann wieder in den Urlaub fahren, wo sie wiederum Streit haben: Durchbrechen wir den Teufelskreis! Ein kleiner Ratgeber, damit der Beziehungsstreit allein zu Hause bleibt.

1. Lassen Sie es gut sein

Das Zimmer war auf den Bildern aber irgendwie grösser? Das Hotel besser? Das Wasser blauer? Die Palmen grüner? Und sowieso war alles irgendwie schöner? Herzlich willkommen im eigenen Unglück! Natürlich darf man, gerade wenns um Geld geht, etwas erwarten, meine italienischen Freunde haben mir zum Beispiel beigebracht: Nimm nie den ersten Tisch, den man dir anbietet! Oder das erste Zimmer! Ma dai, das tun nur Touristen! Und ich war oft erstaunt, was dann plötzlich im selben Preissegment liegt. Doch für ewig Suchende gilt: Gut ist oft gut genug. Es gibt immer jemanden, der das vermeintlich Bessere hat. Das Zimmer. Den Liegestuhl. Das Leben. Den Pool. Aber die Frage ist, ob es einem damit besser geht? Unzufriedenheit macht weder glücklich noch schön. «Glück ist Realität minus Erwartungen», wie ein hinduistisches Sprichwort sagt. Dem stimmen Sie zu, aber es nervt Sie einfach ein wenig, wenn Sie «hinduistisches Sprichwort» lesen? Das klingt, als trommle ich Ihnen diesen Text demnächst bei Vollmond auf einem Shiitake-Pilz? Ich bin voll bei Ihnen, wir brauchen dringend Ferien.

2. Leben und lesen lassen

Jeder Mensch entspannt anders. Bei meinen Eltern selig ging das zum Beispiel so: Während meine Mutter gerne las, warf mein Vater fünf Minuten nach unserer Ankunft im Tessin stets die Motorsäge an. Oder die Motorsense. Und den Generator. HAUPTSACHE, ES MACHTE KRACH! UND DER REST DER FAMILE KONNTE SICH NUR NOCH SCHREIEND UNTERHALTEN! Bis meine Mutter schrie: «GEHT! ES! AUCH! OHNE! MOTOR?!»
Und mein Vater: «ABER ICH ENTSPANNE MICH SO SCHÖN!» Aber dann stellte er, was auch immer, ab, nahm die Axt, zerkleinerte irgendwo auf dem Grundstück einen Baum, meine Mutter las, und wir verkrümelten uns, weil es sonst bald Holz zu verräumen gab, und das ganz klar nicht unsere Vorstellung von Entspannung war. Denn in den Ferien war das Ziel: Jeder entspannt, wie er will. Und wenn man dann wieder zusammenkam, war es doppelt schön.

3. Nicht jeder Mann mag Instagram

Die Dramen der Neuzeit, überall zu beobachten, wo es Pärchen und einen fotogenen Hintergrund gibt: Sie will ein romantisches Pärchenbild, er nicht. Und noch öfter: Sie will ein Bild, er fotografiert nicht gut. Sprich, sie findet sich auf dem Bild nicht schön genug, was natürlich allein seine Schuld ist. Sie räkelt sich. Er knipst. Sie kontrolliert die Bilder auf dem Smartphone, ist unzufrieden, wirft sich wieder in Pose und die ganze Chose geht erneut in die Hose.
Zugegeben, ich war auch schon erzürnt, weil der Schatz das Topmodel, das in meinen Körper gefangen ist, nicht abgelichtet hat: «Ich habe heute leider kein Foto für dich!» Calm down, take it easy, man war auch da, wenn es nicht die halbe Welt auf Social Media sieht.

4. Liebe vor Leuten hat nichts zu bedeuten

Bleiben wir gleich bei Social Media: Nur weil bei den anderen alles ganz wunderbar ausschaut, heisst das nicht, dass dem so ist. Kann. Aber muss nicht. Nur weil das Paar am Nebentisch rumknutscht oder der Mann auf dem Liegestuhl nebenan seiner Frau die Schultern massiert, bedeutet das nicht, dass Ihre eigene Beziehung schlechter ist. Bauen Sie sich keinen Harmoniestress auf. Andere Paare kriegen sich auch in die Haare. Vor allem am dritten Ferientag ist das schon fast obligat, da wird die Nähe meist rasch zu viel und man muss sich kurz neu kalibrieren. Lassen Sie sich von fremdem Glück nicht unter Druck setzen.
Obwohl, Schaaaatz, du könntest mir echt mal wieder die Schultern massieren! Nein, das da unten sind nicht meine Schultern.

5. Löschen Sie den Arbeitsspeicher

Also ich kann ohne Probleme sagen, was der Mann am Dienstagabend vor 22 Jahren um 19:35 Uhr Ortszeit alles falsch gemacht hat. Ich hab dazu ein ganzes Traktat. Jederzeit parat. Ich habe all seine Verfehlungen der letzten 24 Jahre fein säuberlich in meinem Kopf archiviert, datiert und abgelegt: Fakten, Fakten, Fakten! Denn wehe, wenn wir die Büchse der Pandora öffnen! Dann sagt er jeweils: «DASS DU DAS ALLES NOCH WEISST???» Und ich: «NATÜRLICH! Du hast schon vor 17 Jahren die Augen so blöd verdreht! Ich bin verletzt! Ich fühle mich nicht geschätzt!»
Und dann streiten wir, bis er fragt: «Weisst du noch, um was es geht?» Und ich sage: «Nein! Aber ich bin stinksauer!» Und aus dem Spiegel blickt mir eine Rosine entgegen. Genau, den hatten wir schon: Unzufriedenheit macht nicht schön. Deshalb: Löschen Sie den Arbeitsspeicher. Lassen Sie die Sorgen zu Hause. Sie sind in den Ferien. Das Glas ist halb voll. Das Leben ist schön. Ihr Partner ist toll.
Atmen Sie tief durch und denken Sie an Punkt 1: Lassen Sie es gut sein.

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