Entschuldigungen in der Schule machen Schule

Entschuldigungen in der Schule machen Schule

Ausrede oder Notlüge? Wie wenn die Lehrerschaft nicht schon genug gebeutelt wäre, muss sie sich immer wieder mit Situationen auseinandersetzen, ­deren Wahrheitsgehalt umstritten ist. Das sind die wahren Gründe, die den Lehrkörper in den Wahnsinn treiben.

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von Ute Ruf am 3.1.2022, 08:00 Uhr
Corne (Santiago Cornejo)
Corne (Santiago Cornejo)
Es liegt ein Zettel auf meinem Lehrer-Pult. «Ich, de Igel Sepli, wettid Michi enschuldigä wilsis heft nüm find.» Darunter befindet sich ein Igel-Kleber plus dessen Unterschrift Sepli.

Ganz in Schwarz

«Zur Aufführung heute Abend kommt ihr wie besprochen: schwarze Hose und schwarzes T-Shirt», bitte ich meine Drittklässler. Beat erschien in Königsblau. «Wo ist dein schwarzes T-Shirt?» – «I de Wösch.» – «Renn heim und komm im schwarzen T-Shirt wieder, nass oder trocken!», und zu den andern: «Los! Wir üben inzwischen den Gatatumba.» Nur, dass der Tanz ohne Beat nicht aufging. Ich musste fröhlich mithüpfen, dabei war mir zum Weiterschimpfen zumute. Beat erschien im furztrockenen schwarzen T-Shirt. Später flüsterte er: «Entschuldigung für die Wörtli, aber sie sind einfach aus meinem Mund gerutscht.» – «Welche Wörtli?» –«I de Wösch.»
«Es war schön!», stöhne ich bei der Textbesprechung. «Was war schön in der Badi? Diese Beschreibung ist langweilig.» Ein paar Tage später kam Schulbesuch. Meine Kinder unkonzentriert. Ich setzte zu einer Entschuldigung an. «Sie sind müde. Wir waren gestern in der Waldschule. Es war schön.» Einer hielt die Hand vor den Mund und gähnte, die andern machten es ihm nach. «He, was soll das!?» – «Dein Sätzli», sagte Sandra. «Es war schön. Meinst du, die Frau weiss jetzt, was schön war in der Waldschule?»

Ausländer

Ich telefonierte Frau Liguzzi: «Ihr Sohn hat Ali Schoggibanane, Neger und Sklave genannt.» – «O Entschuldigung, das muss er von meinem Mann aufgeschnappt haben. Der schimpft manchmal über seine Kollegen, die Ausländer auf dem Bau.» – «Aber – er ist doch selber Ausländer.» – «Nur Italiener.»
Drittklässler beschweren sich, eine Fachlehrerin rufe immer dieselben Schüler auf. Ich spreche mit ihr. Es nützte nur für eine Lektion. Die Lehrerin könne sich nicht merken, wen sie aufgerufen habe. «Dann müsst ihr euch eine Lösung einfallen lassen.» Wanda meinte: «Wenn sie mich das zweite Mal aufruft, sage ich: Entschuldigung, aber ich verzichte zugunsten von jemand anderem.» Und so geschah es.

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