Endlich aufräumen: Kondo Marie gegen Messie

Endlich aufräumen: Kondo Marie gegen Messie

Messies sind arm dran. Nein, nicht die argentinischen Fussballer. Mes­sies sind Zwangssammler. Nun gibt es eine Anleitung, die Messies hilft. Die 37-jährige Marie Kondō (jap. 近藤 麻理恵) ist Ordnungsberaterin. Sie lehrt Sammlern, die auf dem Suchtweg zum Messie sind, das Auf- bzw. Ausräumen.

image
von Michael Hug am 29.10.2021, 07:00 Uhr
Vhrsti (Vojtech Jurik)
Vhrsti (Vojtech Jurik)
Marie Kondō zieht die Schubladen auf und fragt sich bei jedem Ding: «Macht mir das noch Freude?» Ganz gleich, ob Schuh, Lippenstift, Mantel oder Unterhose: Macht es noch Spass oder hat das Ding nur zu viel gekostet? Wenn nein und billig, dann weg damit. Wenn nein und teuer, dann auch. Die Doktrin lautet: Es muss Freude machen! ­Aussen ist innen – innen ist aussen, in diesem Sinne lehrt Kondō die Technik, mit der man in seinem Innern Ordnung macht, ­indem man im Aussen Ordnung macht. ­«Die ­Unordnung im Zimmer entspricht der ­Unordnung im Herzen», sagt ein japanisches Sprichwort.

Bücher über das Wegwerfen
Marie Kondō hat drei Bücher über das Wegwerfen von Dingen, die keine Freude mehr machen, geschrieben. Ihre einfachen, ja ­logisch klingenden Anleitungen wurden in 27 Sprachen übersetzt und 7 Millionen Mal verkauft. Sie gibt On- und Offline-Se­minare im Wegschmeissen, man kann die Frau auch mieten und muss sie nicht mal aus Tokio einfliegen lassen, Los Angeles reicht, denn da wohnt die eifrige Ausräumerin und Einordnerin heute. «Konmari» heisst die Technik, die Marie Kondō lehrt. Sie propagiert, die Dinge, zum Beispiel Hemden, in Schubladen nicht aufeinanderzulegen, ­sondern sie zu stellen. So sieht ­man jedes Hemd auf den ersten Blick und das, welches einem am wenigsten Freude bereitet, verschwindet nicht einfach zuunterst im Stapel. Geht mit gewissen konstruktiven Anpassungen auch im Küchenschrank mit Tellern, bei Röcken oder Hosen am Haken sind die Tatsachen auf den ersten Blick erkennbar.

Ich kondo meinen Schrank
Im englischen Sprachgebrauch, namentlich in den USA, hat bereits ein Verb, «to kondo», den Weg in die Messieszene gefunden. Es heisst nichts anderes als endlich aufräumen in seinem Schrank, seiner Wohnung oder seinem Gewissen. Ihren Kontostand hat sie mit ihrer Methode ganz bestimmt nicht ausgeräumt, im Gegenteil: Sieben Millionen Bücher in zehn Jahren hat sie verkauft. «Jinsei ga Tokimeku Katazuke no Mahō» («The Life-Changing Magic of Tidying Up: The Japa-nese Art of Decluttering and Organizing») heisst ihr erstes, in dem sie ihre Anleitungen dazu gibt, wie man Ordnung schafft und behält. Was im zweiten und dritten Buch steht, ist die Verfeinerung der Technik und Anwendung auf andere ordnungsbedürftige Bereiche in Haushalt, Büro, Werkstatt, im Weinkeller oder im Kofferraum des SUV. NTV, ein japanischer TV-Sender, produzierte gar eine Serie mit Kondōs Ordnungsanordnungen. Seit zwei Jahren ist auch Netflix dabei beim Aus- und Aufräumen in unseren Schränken.

Ausbildung und Zertifizierung
In ihrer zweiten Heimat, den USA, bietet Marie Kondō, die den tastaturunfreundlichen Balken auf dem «ō» nach ihrem Umzug auf den Nachbarkontinent konsequent aus­geräumt hat, Seminare an, wo man sich in sieben Ausbildungsgängen zum «Certified KonMari Consultant» ausbilden lassen kann. Denn wenn schon Ausräumer oder -in, dann mit Zertifikat. Ohne Zertifikat läuft ja heutzutage ohnehin nichts mehr. Sonst könnte ja jeder kommen mit guten Tipps, wie man seinen Geschirrsalat im Chuchichäschtli loswird. Die Tipps der Schwiegermutter sind zwar gratis, aber auch nervig. Ganz anders die säuselnde Japanerin – da bekommt man geradezu Freude, sein Puff im Schuhschrank endlich aus- und aufzuräumen.

Sieben sinking Steps
Wer sich à la do it yourself von seiner Mes­siesucht befreien möchte, der findet in sieben Schritten auch ohne Kondō-Bücher und -Seminare auf den Weg der Ordnung:

1. Alles auf einmal, in kurzer Zeit und perfekt aufräumen
2. Alle ausgeräumten Dinge auf einen Haufen schmeissen
3. Jedes Ding in die Hände nehmen und fragen (sich selbst): «Macht es mich glücklich, wenn ich diesen Gegenstand in die Hand nehme?» – «does it spark joy?»
4. Jedem Gegenstand, den man behält, seinen Platz zuweisen
5. Alle Dinge müssen immer dort verstaut werden
6. Für alles andere den Abholdienst vom Brocki kommen lassen
7. Tipp des Autors: Einen oder mehrere Sake-Shots trinken

Die Auf- und Ausräummethode der Marie Kondō sind auch in Deutsch erhältlich, z. B. «Das grosse Magic-Cleaning-Buch – Über das Glück des Aufräumens». Nun gibt es also gar keine Ausreden mehr. Allerdings: Vorsicht beim Verschenken!

Mehr von diesem Autor

image

Ladislaus Löb: Ein Leben für die Erinnerung

Anita WinterHeute, 08:00comments
image

Zu Gast im Rüebliland

Isidor mit em Loch im Ohr1.12.2021comments

Ähnliche Themen