Elektromobilität: Jeder fünfte Kalifornier springt wieder ab

Elektromobilität: Jeder fünfte Kalifornier springt wieder ab

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von Alex Reichmuth am 28.5.2021, 13:58 Uhr
Viele Elektromobil-Fahrer haben keinen Zugang zu Schnellladestationen. Bild: Shutterstock
Viele Elektromobil-Fahrer haben keinen Zugang zu Schnellladestationen. Bild: Shutterstock
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Um netto Null beim CO2-Ausstoss zu erreichen, ist die Umrüstung des Verkehrs auf Elektromobilität unerlässlich. Doch die Technik hat Tücken und Nachteile. Darum entscheiden sich in Kalifornien fast 20 Prozent der E-Mobil-Fahrer wieder für ein Auto mit Verbrennungsmotor.

Es geht voran, aber schleppend. In der Schweiz wurden letztes Jahr 19’765 rein elektrisch angetriebene Autos neu zugelassen. Das entspricht einem Anteil von 4,2 Prozent – mehr als in früheren Jahren, aber immer noch relativ wenig. Insgesamt sind erst rund ein Prozent aller Personenfahrzeugen auf den Strassen mit einer Batterie unterwegs.
Die Umrüstung des Verkehrs auf Elektromobilität ist eines der zentralen Ziele der angestrebten Dekarbonisierung. Nur mit dem Umstieg auf Strom ist es zu schaffen, bis 2050 oder noch früher den Ausstoss an Treibhausgasen auf Null zu bringen. Landauf, landab propagieren darum Politiker, Aktivisten und Verkäufer die E-Mobilität.

Nur mit dem Umstieg auf Strom ist es zu schaffen, bis 2050 oder noch früher den Ausstoss an Treibhausgasen auf Null zu bringen.


Doch die Autofahrerinnen und Autofahrer zögern – in der Schweiz, wie auch in anderen Ländern. Zu gross erscheinen ihnen die Nachteile, die Elektrofahrzeuge gegenüber PKW mit Verbrennungsmotor noch immer haben. Der Konsument sei verwöhnt durch das Auto, das er heute habe, stellte der österreichische Motorenexperte Friedrich Indra gegenüber dem deutschen «Rotary Magazin» fest: «Man kann es schnell auftanken, es hat eine grosse Reichweite, man kann es wieder verkaufen und man kann es umweltgerecht entsorgen.» Dagegen könne sich nur etwas durchsetzen, was besser sei. «Aber davon ist das Elektroauto weit entfernt.»

Probleme mit dem Aufladen

Aufhorchen lässt nun eine Studie, die im April im Fachblatt «Nature Energy» erschienen ist. Scott Hardman und Gil Tal von der University of California in Davis haben Bewohner des US-Bundesstaats Kalifornien befragt, die zwischen 2012 und 2018 ein rein elektrisches Fahrzeug oder ein Plug-in-Hybrid-Fahrzeug gekauft haben. Dabei kam heraus, dass 20 Prozent der Plug-in-Hybrid-Fahrer und 18 Prozent der Elektrofahrer inzwischen wieder auf ein Auto mit Benzin- oder Dieselmotor umgestiegen sind.
Die Umfrage ergab, dass die meisten Umsteiger unzufrieden waren mit dem Aufwand, um die Batterie zu laden. Von denen, die wieder zurückgewechselt haben, hatten denn auch 70 Prozent zu Hause keinen Zugang zu einer Schnellladestation. «Man darf nicht davon ausgehen, dass Konsumenten, die einmal ein Elektrofahrzeug gekauft haben, auch dabei bleiben», schreiben die Autoren Hardman und Tal. «Es ist klar, dass dies das Wachstum des Marktes mit E-Mobil-Fahrzeugen verlangsamen kann und es schwieriger werden lässt, einen Anteil von hundert Prozent zu erreichen.»

«Wir sehen keinerlei Anzeichen dafür, dass Elektromobilisten wieder auf fossile Fahrzeuge zurückwechseln.»

Krispin Romang, Swiss eMobility

Was sagt man in der Schweiz zu den Ergebnissen aus Kalifornien? «Wir sehen keinerlei Anzeichen dafür, dass Elektromobilisten wieder auf fossile Fahrzeuge zurückwechseln», versichert Krispin Romang, Geschäftsführer des Verbands Swiss eMobility. Es würden auch alle Indikatoren klar für die Elektromobilität sprechen: Die Fahrzeugen hätten künftig noch mehr Reichweite, das Ladenetz werde jeden Tag dichter und der Kostenvorteil werde in Kürze bereits ab der Anschaffung bestehen. «Wieder zurück auf eine nicht zukunftsfähige Technologie umzusteigen, wäre gleichermassen sinnvoll, wie beim Fernsehen zukünftig wieder eine Röhrenbildschirm zu verwenden», so Romang weiter.

Schlecht aufgeklärte E-Mobilisten

Etwas skeptischer gibt sich Kajetan Mazenauer, Präsident des Elektromobilclubs Schweiz. «Persönlich kenne ich einige unzufriedene Elektroautomobilisten, die zurück gewechselt haben.» Mazenauer nennt mögliche Gründe: Automobilisten würden beim Verkauf oft schlecht über die Reichweiten von Elektrofahrzeugen aufgeklärt. Viele von ihnen seien beim Fahren und dem Handling beim Laden überfordert. Auch die Infrastruktur bereite oft Mühe. Zudem würden oft «willkürliche Verhältnisse bei potentiellen Verhinderern aus Verwaltungen, Elektrizitätswerken und Stockwerkeigentümerschaften» der Realisation einer eigenen Ladeinfrastruktur im Wege stehen.

«Persönlich kenne ich einige unzufriedene Elektroautomobilisten, die zurück gewechselt haben.»

Kajetan Mazenauer, Elektromobilclub Schweiz

Die Elektromobilität lasse sich zwar nicht aufhalten, schreibt Kajetan Mazenauer weiter. «Für den Erfolg braucht es aber Zeit für die Etablierung von Standards, den Ausbau nachhaltiger Stromproduktion, den Netzausbau, die Entwicklung sparsamerer Komponenten und Vertrauen in die Systeme.»
Die Protagonisten der Elektromobilität setzen jedenfalls vermehrt auf finanzielle Anreize, um Batterien-Fahrzeuge zu fördern. Manche Kantone und Gemeinden gewähren schon heute Steuererlasse oder Zuschüsse für E-Mobil-Fahrer. Wer mit Strom statt Benzin oder Diesel unterwegs ist, zahlt auch keine Mineralölsteuer, mit der der Bau von Strassen mitfinanziert wird. Und mittels des neuen Klimafonds im Rahmen des revidierten CO2-Gesetzes, über das am 13. Juni abgestimmt wird, soll der Aufbau eines Schnelllade-Netzwerks unterstützt werden.

Zwang zur Elektromobilität

Gefordert wird aber noch mehr Subventionierung, wie es einige andere Länder schon machen. «Wir werden sicherlich in den nächsten Jahren auch über Kaufprämien nachdenken müssen, weil wir gewisse umweltpolitische Ziele möglichst schnell erreichen wollen», forderte Jörg Beckmann von Swiss eMobility in einem Interview mit SRF.
Und nützt alles nichts, könnte Zwang zum Zug kommen. Viele Länder denken darüber nach, Fahrzeuge mit einem Verbrennungsmotor ab einem gewissen Zeitpunkt zu verbieten. So wollen Frankreich und Spanien Benzin- und Dieselautos ab 2040 nicht mehr zum Verkauf zulassen, Dänemark ab 2030 und Norwegen schon ab 2025 nicht mehr. Auch Kalifornien, wo viele Besitzer von ihrem Elektromobil enttäuscht sind, plant, ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zu erlauben.
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