Eine verständnisvolle Affäre. Aber machen Sies besser als Lachappelle. Ein Leitfaden

Eine verständnisvolle Affäre. Aber machen Sies besser als Lachappelle. Ein Leitfaden

Damit aus der Liebelei am Arbeitsplatz keine verhängnisvolle Affäre wird: 5 Tipps, wie Sie nicht über das Stelldichein stolpern.

image
von Dominique Feusi am 19.7.2021, 17:20 Uhr
image
Gelegenheit macht Liebe und multipliziert die Triebe, so soll laut Karriereplattform Xing immerhin jeder vierte Deutschschweizer schon einmal einen amourösen Einsatz am Arbeitsplatz gehabt haben. Ja, das ist ganz schön viel. Und wie man nicht nur beim kürzlich zurückgetretenen Raiffeisen-Verwaltungsratspräsidenten Guy Lachappelle sieht, setzt man damit ganz schön viel aufs Spiel. Deshalb ein kleiner Leitfaden zur Vermeidung von Unbill:
1. Lassen Sie es einfach bleiben
«Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.» Oder wie der Amerikaner sagt: «Never fuck the company». Auch wenn Sie Allmachtsfantasien hegen und sich für ein wirklich steiles Stück halten, tja, tut mir leid, der Realitätscheck zeigt: Sie sind nicht unantastbar. Fakt ist: Ein kleiner Ritt für Sie kann ein unentschuldbarer Schritt für Ihr Unternehmen sein. Machen Sie es sich also nicht unnötig kompliziert, man schmutzt nicht da rum, wo man isst. Nota bene: Andere Firmen haben auch schöne Töchter und Söhne.
2. Denken Sie nicht mit den Genitalien
Schalten Sie Ihren Verstand ein. Nein, das zwischen Ihren Beinen ist nicht Ihr Verstand! Bedenken Sie VOR DEM HANDELN stets die langfristigen Konsequenzen, beruflich wie privat. Wollen beide nur Sex? Oder gilt: «spätere Heirat nicht ausgeschlossen»? Natürlich kann man am Arbeitsplatz die grosse Liebe finden, doch wollen sich wirklich beide binden? William Congreve schrieb: «Die Hölle kennt keine Wut wie die einer verschmähten Frau.» Das gilt auch für den verschmähten Mann, mit Verschmähten ist im Allgemeinen nicht gut Kirschen essen. Deshalb die Parameter stets vorher festlegen, um «eine Geschichte voller Missverständnisse» (OB-Werbung) zu vermeiden. Das turnt Sie total ab? Dann lassen Sie es einfach bleiben.
3. Knattern Sie nur auf gleicher Stufe
Nie intim im Team und innerhalb der eigenen Abteilung. Keine Beziehung zu Untergebenen, Vergebenen, Verheirateten und Vorgesetzten. Denn ob unten oder oben, also hierarchisch gesehen, so eine Konstellation endet meist für beide in einer Lose-Lose-Situation. Sie machen sich erpressbar, oder der Erpresser sind gar Sie, man sieht Sie als Profiteur, naives Opfer oder als notgeiler Büro-Klopfer, ein Happy End gibt das nie.
4. Hinterlassen Sie keine Spuren
Es gibt einen Grund, weshalb es in Agentenfilmen gerne heisst: «Diese Nachricht zerstört sich von selbst!» Und nicht: «Schreiben Sie doch bitteschön eine E-Mail, in der Sie sich praktischerweise gleich selbst belasten. Dankeschön!» Herrje! Alles, was Sie schreiben, kann und wird gegen Sie verwendet werden. Hinterlassen Sie keinerlei Spuren, keine SMS, Chats, Mails, Briefe, Kreditkarten, Audio- oder Videoaufnahmen – auch wenn Sie sich wirklich für ein ganz steiles Stück halten. Und hinterlassen Sie mit allen Kräften keinerlei Säfte! Sonst hören Sie sich irgendwann sagen: «I did not have sexual relations with that woman.» Oder die Haushälterin wird ein Kind haben, das seltsamerweise mit jedem Lebensjahr mehr wie Hausherr Arnold Schwarzenegger ausschaut. Ob das wohl jemandem auffällt?
5. Verschonen Sie uns mit Details
Was Sie beim Schäferstündchen treiben, ob Sie sich gerne mit der halben Nachbarschaft vergnügen oder sich als Oompa Loompa verkleiden – wenn’s legal ist und im gegenseitigen Einverständnis geschieht, geht das niemanden was an. Und falls Ihre Affäre auffliegt: bitte keine Einzelheiten! Die Beichte erleichtert nur den Sünder, Ihrer Frau oder Ihrem Mann geht es nicht besser, wenn Sie erzählen, weshalb, wie und wann Sie trunken vor Verliebtheit über den Zaun gefressen haben. Ein Seitensprung ist Privatsache. «Et alors?», lautete die berühmte Antwort von François Mitterand, als ihn ein Journalist einst auf seine uneheliche Tochter ansprach. Denn eine öffentliche Abbitte unter Tränen macht’s für die Betrogenen weder schöner noch wirken Sie als Führungsperson souveräner. Wer genossen hat, soll schweigen. Sie hängen aber schampar an Ihrer Beziehung? Dann zurück zu Punkt 1: Lassen Sie es einfach bleiben.

Mehr von diesem Autor

image

«Hänk mal ab!»

Dominique Feusi11.10.2021comments

Ähnliche Themen

image

Selbst nach einem Freispruch kann Mann geschädigt bleiben

Stefan Bill6.8.2021comments