Eine sinnvolle Präventionskampagne gegen Zwangsprostitution

Eine sinnvolle Präventionskampagne gegen Zwangsprostitution

Die Schweizerische Kriminalprävention und die Basler Polizei haben eine griffige Kampagne gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel lanciert.

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von Markus Melzl am 9.9.2021, 10:00 Uhr
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Mit markigen Slogans wie „Hast du Eier, Freier“ oder „Hat sie ’ne Wunde, Kunde“ werden gezielt Freier angesprochen. Beim Konsum von käuflicher Liebe… na ja … sagen wir mal profaner beim Konsum von Sex, sollen Freier auch ein Augenmerk auf die Sexarbeiterin werfen. Dieser Ansatz ist neu und lobenswert, denn gerade im Umgang mit der Prostitution tun sich viele Menschen ziemlich schwer. Gerade das Verruchte, welches dem Rotlichtmilieu anhaftet, gehört doch weitgehend zum Verkaufs- und Erfolgsmodell. Wer will schon ein Sex-Etablissement aufsuchen, welches das Flair der Schalterhalle einer Steuerverwaltung versprüht. Deshalb war es äusserst clever, diese polizeiliche Präventionskampagne von Moral, Religion, gesellschaftlichen Normen und vor allem von feministischen Utopien zu entstauben. Und hier beginnt der kriminalistische Ansatz.
Als junger Kriminalist wurden mir und meinen jungen Dienstkameraden - nebst den „7 W der Kriminalistik“ (wer hat was, wo, wann, wie, womit und warum getan) - eingebläut, die richtigen Fragen zu stellen. Wer sich – aus was für Gründen auch immer – nicht zutraut, zu einem Sachverhalt oder einer Person alle, aber auch wirklich alle Fragen zu stellen, wird niemals die Wahrheit erfahren.
Mitarbeitende einer Kriminalpolizei müssen bei Ermittlungen in jedem nur erdenklichen Umfeld in der Lage sein, mit sämtlichen Verfahrensbeteiligten in Kontakt zu treten und die eigenen Wertvorstellungen und Gefühle sind nicht von Belang.
Vor langer Zeit liess einmal ein Chef der Basler Kriminalpolizei verlauten, dass er jeden rausschmeissen werde, welcher die Dienste einer Dirne in Anspruch nimmt. Wohlverstanden korrekt mit Bezahlung und ohne jeglichen polizeilichen Bezug.
Etwas Dümmeres hätte dieser ehemalige Kripochef nicht sagen können, da mit dieser Verlautbarung einige Kripo-Beamte plötzlich erpressbar geworden wären, zumal dies im Milieu rasch die Runde gemacht hätte.
Zum Glück haben ihm damals vernünftige Mitarbeiter diesen Blödsinn ausgeredet. Bei ihm gingen offenbar ein paar moralische Gäule durch. Und deshalb passt die aktuelle Kampagne gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel in die heutige Zeit.
Viele Männer, die im Rotlichtmilieu um die Häuser ziehen, sind nicht durchwegs tumbe, geile Böcke, denen es völlig egal ist, ob eine Dirne Verletzungen aufweist oder stark verängstigt wirkt. Wenn Freiern bewusst wird, dass es um den Schutz vulnerabler Sexdienstleisterinnen geht und ihre Hinweise professionell bearbeitet werden und niemand die Moralkeule schwingt oder eine religiöse Predigt über fleischliche Lust hält, dann ist bereits einiges erreicht.
Auch die feministische Glaubenslehre, wonach Männer alles Schweine sind und Prostitution verboten gehört, verdrängt die Dirnen in den Untergrund, wo diese noch grösseren Gefahren ausgesetzt sind.
Dieser Kampagne ist viel Erfolg zu wünschen, auch weil sie ohne antiquierte Ideologien auskommt. Möge sie das Ziel erreichen, Frauen im Sexbusiness zu schützen sowie Zuhälter und Menschenhändler ins Recht zu fassen.

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