Die Quarantäne-Liste ist wertlos

Die Quarantäne-Liste ist wertlos

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von Stefan Millius am 24.3.2021, 11:04 Uhr
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Im heiligen Ernst führt der Bund nach wie vor eine «Quarantäneliste» und schraubt regelmässig an ihr. Stattdessen müsste er froh sein, wenn sich der Schleier des Vergessens über dem Thema ausbreiten würde. Immerhin ist es mit einem regelrechten Skandal verbunden.

Spanien ist wieder sicherer Boden, eine Reihe anderer Länder in Europa neuerdings nicht mehr. Das Bundesamt für Gesundheit hat seine Liste der «Risikoländer» wieder aktualisiert. Wobei das Risiko weniger darin liegt, irgendwo das Virus einzufangen. Sondern darin, bei der Rückkehr trotz negativem Test zehn Tage zur Quarantäne verdonnert zu werden.
Immerhin ist der BAG-Rhythmus bei der Anpassung dieser Liste inzwischen nicht mehr so hektisch, dass man selbst auf Kurztripps befürchten muss, vorzeitig abreisen zu müssen. Und das nur, weil einen Verwaltungsmitarbeiter der Ehrgeiz packt und er aufgrund irgendwelcher imaginärer Ausschläge in einer Statistik mal schnell ein Land sperrt. Im Herbst 2020, als die Quarantäneliste als Geheimwaffe gegen Corona angepriesen wurde, war genau das der Fall. Unzählige mussten vorzeitig die Koffer packen und sich um einen neuen Flug kümmern, die Reisebüros ächzten unter der Last der Stornierungen und Rückerstattungsforderungen, Von den Familien, die schon vor Antritt ihre Traumreise absagen mussten, ganz zu schweigen.
Wie sich kurz danach zeigte, war das damals eine reine Show. Schon früh belegten die Zahlen, dass die Reisequarantäne einen mikroskopisch kleinen Einfluss auf die Verbreitung von Corona hatte. Die Zahlen gingen kaum wahrnehmbar zurück durch die einschneidende Massnahmen. Der Bund verschwieg das aber tunlichst. Denn Bundesrat und BAG ging es nur um den psychologischen Effekt: Die Leute sollten einfach möglichst zuhause bleiben. Selbst dann, wenn sich die Lage in einer anderen Ecke der Welt weniger «gefährlich» präsentierte als hier.
So gesehen ist es erstaunlich, wie ernsthaft diese Liste der Risikoländer weitergeführt wird. Wer mit dem Flugzeug in die Schweiz reist, muss sich ohnehin noch am Abflugort testen lassen und darf nur bei negativem Resultat einsteigen. Selbst in Ländern, die nicht auf der Quarantäneliste stehen. Auch wer ohne Symptome und mit negativem Test hier aussteigt, landet für zehn Tage in den eigenen vier Wänden und kann sich frühestens nach sieben davon «freitesten».
Und das, obschon wir inzwischen wissen, dass damit gar nichts zu erreichen ist in Bezug auf die Virenverbreitung. Symbolpolitik vom Feinsten – und eine Form der Freiheitsberaubung, finanziert mit Steuergeldern.
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