Ein Strafregisterauszug für ein Halleluja

Ein Strafregisterauszug für ein Halleluja

Die Kirche will selbst von Laien in der Freiwilligenarbeit einen Strafregisterauszug verlangen. Diese Misstrauenskultur geht von den Reformierten aus, die Katholiken wollen sich aber auch am reformierten Verhaltenskodex orientieren.

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von Martin Breitenstein am 2.6.2021, 09:00 Uhr
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„Vier Fäuste für ein Halleluja“ hiess der unerreicht originelle deutsche Kult-Titel für die Haudrauf-Parodie mit Bud Spencer und Terence Hill. Der Film war die Fortsetzung des Prügelwesterns „Die rechte und die linke Hand des Teufels“. Die Filme stammen aus den Siebzigerjahren. Heute geht es nicht mehr so lustig zu und her. Ein Halleluja ist nicht mehr mit einer Prügelei für das Gute zu haben.
Ein Halleluja für christlichen Helfer gibt es nur noch gegen Vorlage eines Strafregisterauszugs in Form eines sogenannten Privatauszugs oder Sonderprivatauszugs. Letzterer gibt darüber Auskunft, ob es einer Person untersagt ist, eine Tätigkeit mit Minderjährigen auszuüben oder mit solchen in Kontakt zu treten. Vorstrafen wegen anderer Delikte gegenüber Minderjährigen, die keine Verbote zum Schutz von Minderjährigen umfassen, sind im Privatauszug sichtbar.

Im Widerspruch zur Beteiligungskirche

Der Kirchenrat der evangelisch-reformierten Landeskirche Zürich will, dass nicht nur Pfarrer und andere kirchliche Angestellte sich mit einem solchen Strafregisterauszug ausweisen, sondern auch all die engagierten Laien, die sich für die Freiwilligenarbeit in der Kirche zur Verfügung stellen. Zudem sollen sie in obligatorische Erziehungskurse geschickt werden können. Im Fokus stehen die Freiwilligen, die mit Jugendarbeit zu tun haben. Damit begegnet die Kirchenleitung gerade seinen treusten Schäfchen mit dem grössten Misstrauen. Wer sich in der kirchlichen Jugendarbeit engagieren will, sieht sich einem Generalverdacht ausgesetzt. Die Vergrämung der Freiwilligen steht auch in seltsamem Widerspruch zur neuesten Mode der reformierten Kirche, der sogenannten Beteiligungskirche. Mit ihr wird ein theologisch unbelastetes Jekami in den Gottesdiensten angestrebt.

Verbindliche Kleidervorgaben

Armiert wird das Ganze mit einem detaillierten Verhaltenskodex. Auszüge aus dem reformierten Rigorosum: «Kirchliche Mitarbeitende halten sich nicht allein mit einem Kind oder Jugendlichen in einem geschlossenen Raum auf, transportieren sie nicht allein in einem Fahrzeug und unternehmen nichts allein mit ihnen… Für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sind die rpg-Verantwortlichen befugt, verbindliche Kleidervorgaben zu machen. Kirchliche Mitarbeitende kleiden sich angemessen.» Da keimt geradezu Hoffnung auf, dass Pfarrerinnen und Pfarrer die Gottesdienste dereinst wieder ausnahmslos im Talar absolvieren müssen.
Ökumenisch treuherzig vermeldet der reformierte Zürcher Kirchenrat: «Die Katholische Kirche im Kanton Zürich arbeitet zurzeit ebenfalls an einem Verhaltenskodex, der wie bei der Landeskirche auch auf Freiwillige anwendbar sein soll. Die entsprechenden Arbeiten sind allerdings noch nicht so weit vorgeschritten, dass ein paralleles Vorgehen möglich wäre. Es besteht aber ein grosses Interesse, sich an den Regelungen der Landeskirche zu orientieren.» Honni soit, qui mal y pense.

Widerstand in den Kirchgemeinden

Wie man hört, kommt die Strafregisterauszugspflicht für Freiwillige bei vielen Pfarrkapiteln und Kirchenpflegen nicht gut an. Sie äussern sich in ihren Vernehmlassungen sehr kritisch zu den Vorschlägen des reformierten Zürcher Kirchenrates. Frohlocken: Halleluja, Luja sag i!
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