Durchboxen bis zum letzten Gong

Durchboxen bis zum letzten Gong

Schauen Sie nach Europa! Wir machen dies in der neusten Print-Ausgabe, die heute ausgeliefert wird. Ein aktiver Beitrag zur Verständigung, bevor alles aus dem Rahmen(abkommen) fällt.

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von Ralph Weibel am 3.6.2021, 22:02 Uhr
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Fühlen Sie sich in letzter Zeit auch immer ein bisschen wie ein Boxer in der zehnten Runde? Wiederholt niedergeschlagen und immer leicht taumelnd. So mäandern wir zwischen Impfzentrum und Reisebüro herum. «Wir wollen endlich wieder raus hier», tönt es von überallher, als ob unsere Erfüllung einzig darin bestünde, vor unseren Mitmenschen und dem unerträglichen Leben hier davonzulaufen. Längst haben wir vergessen, was wir noch vor einem Jahr schon fast ekstatisch zum neuen Lifestyle erhoben hatten: Ferien im eigenen Land, Parpan statt Paris, exklusiv im Tessin statt all-inclusive in der Türkei. Die Haltbarkeit dieser Erkenntnis war in etwa so wie die eines Früchtejoghurts an der Frühlingssonne. Wobei, das haben wir ja auch längst wieder vergessen, noch nicht einmal auf die Klimaerwärmung kann man sich mehr verlassen. Der kälteste April seit Jahrzehnten und der Wonnemonat war eher ein Wannemonat. Dahin musste man sich zurückziehen, wenn man nach Wärme lechzte.
Vielleicht wollen deshalb alle weg von hier und lassen sich gleich zweifach irgend­etwas in den Oberarm jagen, was nüchtern betrachtet nur mit Alkohol zu ertragen ist. Mit Mantras von Solidarität und 3G-Strategie sind wir Vakzin-reif gebombt worden. «Bist du schon geimpft?» ist das neue «Hallo, lange nicht gesehen» und boxerisch gesehen ein Schlag unter die Gürtellinie. Und von diesen mussten wir in den vergangenen Wochen einige hinnehmen. Im Nahen Osten schiessen sie Wohnquartiere zusammen und längst weiss keiner mehr, wer eigentlich aus welchem Grund wem eine Rakete in den Vorgarten schiesst. Beim SRF wird Andreas Moser in Pension geschickt, ohne Perspektive, wer uns künftig über das Paarungsverhalten von Nacktmullen aufklären soll. Im schlimmsten Fall Sven Epiney – man will es sich nicht vorstellen. Der Bundesrat beraubt unvermittelt gut bezahlte Unterhändler ihres gesicherten Einkommens, indem er das Rahmenabkommen schreddert. Die Europäer verstehen das nicht und wir sie nicht, weil in Brüssel niemand versteht, was gegen die einheitliche Krümmung einer Salatgurke spricht.
Es wird höchste Zeit, etwas für die Völkerverständigung zu tun. Wir widmen uns in der neusten Ausgabe dem fremden Wesen Europa. In seinem Basler Dialekt würde Andreas Moser dieses mit den Worten beschreiben: «Ein komisches Wesen, wie ein Pekinese, der selber nicht weiss, wo sein Vorne und Hinten ist.» Boxen Sie sich durch das Thema, bis zum letzten Gong. Zeit dafür haben Sie in der Warteschlange vor dem Impfzentrum genug.

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