Die Tage des Mundgeruchs sind ungezählt

Die Tage des Mundgeruchs sind ungezählt

Hygienemasken sollen unsere Mitmenschen schützen. Aber wer denkt an uns?

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von Gast Autor am 6.4.2021, 13:06 Uhr
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Die ersten Lesebrillen wurden vor über 700 Jahre eingeführt. Sie hatten noch keinen Bügel und haben die Nase eingeklemmt. Alte Ölgemälde lassen darauf deuten, dass die Brillenträger von damals wenig Lebensfreude hatten. Und fast 2000 Jahre alt sind die ersten Hörgeräte. Es handelte sich um Hörrohre, die man ins Ohr steckte.
Für uns Maskenträger bedeutet das: Bis Schutzmasken produziert werden, die ähnlich bequem sind wie moderne Tampons, werden noch viele Jahrhunderte verstreichen.
Die zwei wichtigsten Problemzonen der Masken sind: Sie schmerzen am Ohr und sie stinken. Ich brauchte 44 Jahre um zu erkennen, wie schlimm mein Mundgeruch wirklich ist. In der Schweiz kommentiert man ja äusserst selten, wenn jemand aus dem Mund stinkt. Anders sieht es aus, wenn jemand aus dem Mund blutet oder auf einem Bein humpelt. Dann wird darauf hingewiesen.
Wenn ich im Tram sitze und mich zwanzig Minuten selber rieche, wünschte ich mir, ich hätte den Geschmackssinn verloren. Manchmal versuche ich nur auszuatmen, aber nicht einzuatmen. Das funktioniert in der Regel gut.
Wenn ich aber eine längere Zugreise antrete, wird es kritisch. Dann gerate ich leicht in Halluzinationen. Ich kaue Pfefferminzblätter und esse viele Zitrusfrüchte. Ich putze am Morgen die Zähne und auch die Zunge. Auch Teebeutel habe ich schon unter die Maske gesteckt.
Was hilft das schon? Es ist deprimierend, dass selbst Bundesrat Alain Berset keine besseren Masken trägt. Die gleichen Hygienemasken für umgerechnet 14 Rappen pro Stück.
Andererseits, und das ist das einzig Positive an der Geschichte, gibt es bei den Masken keine Zweiklassengesellschaft. Von Roger Federer bis zum Hauswart: Alle tragen den gleichen Stinkbeutel vor der Nase.

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