Die Schweiz zwischen Pandemie und Männerkumpanei

Die Schweiz zwischen Pandemie und Männerkumpanei

Es gibt punkto weiblicher Teilhabegerechtigkeit kein Dazwischen, sondern nur linke und rechte Penisträger.

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von Regula Stämpfli am 15.4.2021, 08:00 Uhr
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Frauen wie ich haben in Führungspositionen nur die Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder müssen sie mit trotzkistischen Wendehälsen im totalitären Stahlbad der Linken mitschwimmen oder sich bei üblen neokonservativen Porno-Frauenwitzen taub stellen. Beispiel Gewerkschaften: In der UNIA waren in Zürich Mobbing, Einschüchterungen und sexuelle Übergriffe vor einigen Jahren an der Tagesordnung. Wäre die ganze Chose nicht an die Öffentlichkeit gelangt, säße der Mann auch heute noch an seinem oder auf einem höheren Posten. Ursula Koch, die erste und einzige Präsidentin der Sozialdemokratischen Partei Schweiz, musste um die Jahrtausendwende erfahren, wie heimtückisch, hinterhältig und bösartig die damalige Parteielite -  beiderlei und allerlei Geschlecht - sein konnte. Die mit Abstand intelligenteste, charismatischste und engagierteste Politikerin, die die Schweiz je hatte, wurde aus allen Ämtern gemobbt. So kam es, dass sich eine der größten Personen der Schweizer Geschichte, vollständig aus der Öffentlichkeit zurückzog.
Dass Frauen in der Schweiz in Vorständen und Unternehmen an den Fingern abzuzählen sind, wird von linken Organisationen mit Fug und Recht lautstark angeprangert. Dass Frauen indessen in Medien, Kultur, Pop und Wissenschaft von in Gulag-Rhetorik versierten Linksmännern in untere Chargen verfrachtet werden, ist den Medien kein Thema.
Während auf Twitter et al Frauenstreik, MeToo und Engagement für das Verhüllungsrecht von Frauen einen Kampf-Feminismus mit Siegerinnenpotential inszeniert wird, passiert IN WIRKLICHKEIT das Gegenteil.
Rechts werden die in schlechte Anzüge gewickelte Anpasserjungs gefördert; links die schlampigen Hemd- und Jeansträger durch alle Positionen und Ämter hinweg protegiert.

Sie glauben mir nicht?

Pro Helvetia, die wichtigste und millionenschwere Schweizer Kulturstiftung hat seit dem 1. November 2017 einen Mann als Nachfolger eines anderen Mannes: Philippe Bischof. Im selben Monat wird Daniel Münger Präsident der Gewerkschaft für Medien und Kommunikation, syndicom. Ein Jahr später zelebriert der Schweizerische Gewerkschaftsbund Pierre-Yves Maillard als Präsidenten. Im selben Jahr wird Stefan Keller zum neuen Präsidenten von Pro Litteris gewählt. Die mächtige Stiftung Kulturfonds administriert auch ein Mann, der mächtige Geschäftsführer Philip Kübler. Im Dezember 2020 steigt der abgewählte Nationalrat Corrado Pardini, Bruder des syndicom Gewerkschaftsfunktionärs Giorgio Pardini, zum Verwaltungsrat der Post auf. Ein paar Monate später nun Christian Levrat, der zum VR-Präsidenten der Post avanciert. Die bürgerliche Unterstützung erhielt Levrat wohl nicht zuletzt deshalb, weil die Sozialdemokraten im Gegenzug bürgerliche Nominationen durchgehen lassen. Im Januar 2020 Jürg Stahl zum neuen Präsident des Schweizerischen Nationalfonds beispielsweise. Oder 2019 bei ETH-Präsidium und ETH-Rat. Andere Männerposten wären: Rektor Uni Zürich, die Leitung des AdS, Autorinnen und Autoren der Schweiz, oder auch die SGG, Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft. Bei der SRG sind nur Nathalie Wappler und Larissa Bieler eigentliche Rosen im Machokartell Medien, Kultur und Wissenschaft: Sie sind in diesen Einzelpositionen keineswegs zu beneiden.
Es gibt sie also schon lange, die vielgerühmten Quoten: FÜR MÄNNER. Gegen diese geballte, erzkonservative, linke, rechte, christliche wie säkulare Männerkumpanei ist im Alpenstaat nicht WIRKLICH beizukommen. Dies erinnert an längst vergangene Zeiten als allen Frauen in der Schweiz sämtliche bürgerliche Freiheiten verboten oder in „Rechte zweiter Klasse“ formuliert wurden.
Zwischen Konservativ-Pest und linksstalinistischer Cholera eingeklemmt, lebt es sich also als Schweizer (Karriere)Frau nur mit einem stabilen feministischen Immunsystem so richtig gut. Alle anderen sind zu bedauern.
Literatur: 50 Jahre Frauenstimmrecht, hg. von Isabel Rohner und Irène Schäppi.

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Regula Stämpfli21.5.2021comments

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