Die Schweiz: Das innovativste Land Europas

Die Schweiz: Das innovativste Land Europas

Eine EU-Studie lobt die Schweiz für ihr Unternehmertum und ihr Bildungssystem. Obwohl die EU eigene politische Kriterien setzte, reüssiert die Schweiz.

image
von Serkan Abrecht am 22.6.2021, 13:42 Uhr
Die Schweiz ist am innovativsten – sagt sogar die EU. (Bild: Shutterstock)
Die Schweiz ist am innovativsten – sagt sogar die EU. (Bild: Shutterstock)
Mitarbeit: Sandro Frei
«Die Schweiz ist insgesamt der Innovationsführer in Europa und übertrifft alle EU-Mitgliedstaaten.» Das schreibt Thierry Breton, französischer EU-Kommissar und verantwortlich für den Binnenmarkt, im kürzlich publizierten «Innovationsindex 2021» (siehe Box) der EU-Kommission. Die Studie unterscheidet die Länder in «aufstrebender Innovator», «mässiger Innovator», «starker Innovator» und «Innovationsführer».
Als letzterer gilt die Schweiz und ist gemäss der EU-Studie das innovativste Land auf dem Kontinent. Die Stärken der Schweiz seien attraktive Forschungssysteme, ausgezeichnet ausgebildetes Personal sowie intellektuelle Kompetenzen. Heisst: Das eidgenössische Bildungssystem trägt zur starken Innovationskraft massgeblich bei.

Konvergenz nimmt zu

Die Studie zeigt, dass die Innovationskraft über den gesamten europäischen Kontinent zugenommen hat. Eine Konvergenz innerhalb der EU sei feststellbar. So legen die weniger entwickelten Staaten ein höheres Tempo beim Wachstum der Innovation vor also im Vergleich zum Jahr 2014. Fünf EU-Staaten legten ein Wachstum der Innovation von 25 Prozent und mehr vor. Dies sind die Länder Zypern, Estland, Griechenland, Italien und Litauen. Während einige Mitgliedsländer eine Steigerung der Innovation erlebten, nahm die Innovationsleistung bei anderen ab. Beispiele hierfür sind: Frankreich, Irland, Lettland, Luxemburg, Niederlande, Portugal und Slowakei. Das innovativste Land innerhalb der EU ist Schweden – vor Finnland, Dänemark und Belgien.
Interessant ist, dass die Messung der Innovationsstärke nach den politischen Prioritäten der EU ausgerichtet wird (die Kriterien sind unten aufgelistet). Eine Annäherung, also nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch der einzelnen Staaten wird favorisiert und deshalb hat die EU-Kommission angestrebte Faktoren wie die Digitalisierung und den Klimaschutz neu stärker gewichtet – trotzdem schnitt die Schweiz am besten ab.

image
Schweiz auf Platz 1: Rot: Emgerging Innovators, Gelb: Moderate Innovators, Hellgrün: Strong Innovators, Grün: Innovation Leaders. (Grafik: Screenshot/EU Commission)

In jüngster Zeit sei die Schweizer Innovationskraft weniger stark gewachsen als früher. Was aber bei dem hohen Niveau nicht weiter erstaunlich ist. Es wird aber ausgeführt: «Vor allem aufgrund von geringerer Leistung bei der staatlichen Förderung von Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft, der Beschäftigung in wissensintensiven Aktivitäten, bei wissensintensiven Dienstleistungsexporten und umweltbezogene Technologien.» Darum sei das Wachstumstempo der Schweiz gesunken. Dies jedenfalls halten die Studienmacher so fest.

Kein grösserer Rückschlag für UK

Auch die Erklärung der EU-Kommission für den Rückgang der Innovationskraft Deutschlands macht hellhörig: «Deutschland hat einen überdurchschnittlichen Anteil an Innovatoren, die keine Innovationen selbst entwickeln.» Sprich, viele Unternehmer kaufen die Innovation extern ein und entwickeln Produkte nicht im eigenen Unternehmen. Zu den sogenannten «Innovation Profiles» werden in der EU-Studie zur Schweiz keine Angaben gemacht – es würden die konkreten Zahlen fehlen.
Im internationalen Kontext betrachtet sei die EU innovativer als China, Brasilien, Indien, Südafrika oder Russland. Gleichzeitig wird aber betont, dass Länder wie die USA, Kanada, Australien, Japan und Südkorea besser abschnitten als die EU. Nicht erwähnt wird in diesem Zusammenhang die Schweiz, obwohl auch sie besser abschnitt als die EU-Mitgliedstaaten. Auch auffallend: Das angeblich von Brexit angeschlagene Grossbritannien liegt mit seiner Innovationskraft nur einen Platz hinter Deutschland, jedoch weit vor grösseren EU-Staaten wie Frankreich oder Italien. «Die Innovationsleistung von Grossbritannien ist mit derjenigen der EU relativ gleich geblieben», schreiben die Studienmacher.

Zur Studie:

Der Europäische Innovationsanzeiger stellt in einer vergleichenden Analyse die Innovationsleistung in EU-Ländern, anderen europäischen Ländern und Nachbarländern gegenüber. Dabei bewertet er die relativen Stärken und Schwächen der nationalen Innovationssysteme. Der Europäische Innovationsanzeiger wurde 2001 erstmals veröffentlicht und erscheint jährlich.
Als Innovatoren definiert die EU KMU mit Produkt- oder Prozessinnovationen. Also diejenigen Unternehmen, die ein eigenes Produkt entwicklen und die, die Herstellungsmethoden und interne Abläufe eines Unternehmens zum Beispiel besser, schneller, kostengünstiger machen.
Die verschiedenen Bewertungs-Kritierien sind: Performance und Struktur der Wirtschaft, Business and Entrepreneurship, Innovationsprofile, Regierungs- und Policy Rahmenbedingungen, Klimawandel und letztlich Demografie. Hier geht es zur Studie.

  • Wirtschaft
  • EU
Mehr von diesem Autor
image

Deal mit dem Bund: Dafür erhält Jolanda Spiess-Hegglin Steuergeld

image
Serkan Abrecht, 22.7.2021
comments18
Ähnliche Themen
Sponsored
image

Fast alles ausser gewöhnlich

image
Jürg Wick, 21.7.2021