Die Pandemiepolitik ist ein Idiotentest

Die Pandemiepolitik ist ein Idiotentest

Und was noch schlimmer ist: wir laufen gerade kollektiv Gefahr, daran zu scheitern.

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von Milosz Matuschek am 15.4.2021, 11:44 Uhr
Foto: Enno Kapitza
Foto: Enno Kapitza
Wir schreiben gerade den St. Nimmerleinstag, seit in Deutschland im November ein kurzer «Wellenbrecherlockdown» verhängt wurde, um das Weihnachtsfest 2020 zu retten. Nun, inzwischen hat es auch Ostern erwischt und jetzt steht der Sommer auf der Kippe. Mutanten kommen und gehen zwar, die irrlichternden Politiker und ihre Expertenriege (im Propagandasprech: «die Wissenschaft») sowie die Verschärfungs-Claqueure im Mainstream sind leider immer noch da. Der Lockdown ebenso. Vorläufiges wird zu Permanentem gemacht. Machen wir uns nichts vor: So funktionieren Machtergreifungen und Systemwechsel, nicht aber eine Politik, die auf Augenhöhe mit dem Bürger kommuniziert.
Die Politik bekämpft nicht mehr eine Pandemie, wenn sie es überhaupt jemals effektiv tat – die wahre Seuche ist inzwischen der politische Exzess, mit dem man sich an der Macht hält. Die Politik selbst braucht die Pandemie, um in ihrer gegenwärtigen Form zu überleben.
Es gibt einige grosse Experimente in der Sozialpsychologie. Das Stanford-Prison-Experiment zeigte, wie schnell man normale Menschen in sadistische Gefängniswärter verwandeln kann. Das Experiment von Solomon Asch brachte zutage, wie leicht in Gruppensituationen ein Abweichler oder Nonkonformist auf Linie der Gruppe gebracht werden kann. Und im Milgram-Experiment fügten die Probanden ihren Mitmenschen Schmerzen zu, wenn eine Autorität im weissen Kittel es verlangte. Sagen wir es vorsichtig: Es gibt einigen Grund, an der conditio humana zu verzweifeln. All diese Versuche haben gezeigt, dass man je nach Design der Umstände die schlimmsten Eigenschaften des Menschen zu Tage fördern kann, wenn man nur will.
Auch die gegenwärtige Pandemiepolitik ist ein einziges grosses Sozialexperiment, und damit ist noch nicht mal die Impfkampagne gemeint, die als laufender Menschenversuch (Tierversuche wären wohl ethisch problematisch?) konzipiert ist. Die Pandemiepolitik ist ein Idiotentest. Und es geht dabei um eine einfache Fragestellung: Wieviel an sinnfreien Massnahmen muss die Politik der Bevölkerung noch auferlegen, bis diese anfängt an den Gesetzen von Logik, gesundem Menschenverstand und banaler Evidenz zu zweifeln und sich einfach nur noch stumm fügt? Oder rebelliert?
Das Problem bei diesem Idiotentest: Man kann das Personal selbst nicht ernst nehmen. Politiker sprechen Pandemie-Englisch, als beherrschten sie plötzlich Fremdsprachen, twittern im Maschinengewehr-Stakkato Salven an medizinischer Fachsprache in die Luft und verbreiten Panik, als würden sie sich für einen Folgejob in der Geisterbahn bewerben. Nein, es ist jetzt ein Punkt erreicht, an welchem die Politik als Ganzes Gefahr läuft, die Bodenhaftung zu verlieren.
Das ganze Pandemieregime ist ein einziger Skandal. Von Anfang an fehlte zum Beispiel ein statistisch belastbares Testregime mit örtlichen Vergleichsgruppen. Durch die Anzahl der Tests bestimmt die Politik zudem dynamisch das Geschehen mit. Wieso testet man symptomlose Menschen, und jetzt auch Schüler, wohlwissend, dass das die Anzahl der falsch-positiven Ergebnisse erhöht? Das Vertrauen in die Impfstoffe ist ebenfalls erschüttert; der Bürger wird nicht aufgeklärt, sondern eingelullt.
Jetzt auch noch automatische Massnahmen per Gesetz bei einem Inzidenzwert von 100 in Deutschland – es reichen dann 100 positive Tests (wohlgemerkt: nicht Kranke oder nachweislich infektiöse Personen) pro 100 000 Einwohner, um pauschal einfach mal alle Menschen ab 21 Uhr einzusperren. Und überhaupt: Wozu braucht es Ausgangssperren in der Nacht, während Betriebe und Supermärkte tagsüber offen haben – ist das Virus etwa besonders nachtaktiv? Die Deutschen lassen sich gerade von Mutti Merkel in den Schlaf lullen. Wie in der DDR kommt jetzt das Sandmännchen, bevor das Licht ausgeht. Gegen Mutanten in der Politik hilft nur ein Machtwort des wahren Souveräns. Es wäre ein überfälliges, aber lehrreiches Experiment. Oder muss erst die Schweiz mit leuchtendem Beispiel voran gehen?

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