Die Pandemie GmbH steht erst am Anfang

Die Pandemie GmbH steht erst am Anfang

Endlich Lockerungen der staatlichen Pandemie-Massnahmen in Sicht! Endlich ein unbeschwerter Sommer unter Freunden! Aber: Freut Euch nicht zu früh! Es gibt neue (und ein paar alte) Gefahren: die Klimakatastrophe, die Schweinegrippe, das Mers-Virus.

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von Gottlieb F. Höpli am 21.5.2021, 09:00 Uhr
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Schon beginnen arbeitslose Virologen, sich der neuen Gefahren anzunehmen.

Es sind vorerst nur kleine Meldungen in den News-Spalten: Schon bald könnte es, so lesen wir, zu einem neuen Ausbruch der Schweinegrippe kommen. Mehrere tausend Menschen seien an Mers, am Middle East Respiratory Syndrome erkrankt. Kanzlerin Merkels Lieblings-Virologe Christian Drosten hat bereits angekündigt, sich der pandemieverdächtigen Krankheit anzunehmen. Eigentlich logisch: In der Nach-Merkel-Aera werden seine Ratschläge nicht mehr so gefragt sein.
Wohin also mit der angestauten wissenschaftlichen Expertise? fragt sich der naive Zeitgenosse. Und der etwas weniger naive, der sich an Erkenntnisse aus der Organisationssoziologie (oder an eigene Erfahrungen) erinnert, fragt konkreter: Wohin mit den Task-forces, den Beraterstäben, neuen Beamtenstellen, Mediensprecherinnen usw.? Die werden ja nicht, wie das Covid-Virus, einfach verschwinden oder zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen. Sondern sich neue Betätigungsfelder suchen. Und finden.
Nun gut: Einige werden so lange auf ihrem angestammten Tätigkeitsgebiet aktiv bleiben wie die Heizer auf den elektrischen Lokomotiven Englands. Bis Maggie Thatcher derlei Unfug zerschlug – und die Macht der Gewerkschaften gleich mit. Wir lernen daraus: Beamtenstellen, Organisationen und Bürokratien verschwinden nicht mit dem Problem, das sie lösen sollten, sondern erst dann, wenn für sie kein Geld mehr vorhanden ist. Oder nicht mehr ausreichend öffentliche Aufmerksamkeit.
Es ist deshalb nur logisch, wenn sich die beträchtliche Zahl von Experten, die sich inzwischen mit Covid-19 und dessen Folgen beschäftigt, neue Arbeitsfelder sucht. Was heisst: neue Probleme, die gelöst werden müssen. Und genügend öffentliches ErregungspotentiaL besitzen. Sind die Probleme noch nicht dringlich und erregend genug, so müssen sie eben dringlich und erregend gemacht werden. Damit hat die Pandemie-GmbH inzwischen ja ausreichend Erfahrung gesammelt.
Dazu braucht die Experten-Gesellschaft mit beschränkter Haftung aber Verbündete: die Medien. Diese sichern dem neuen Problem mit einem Trommelfeuer von Alarmmeldungen die nötige öffentliche Aufmerksamkeit. Diese muss wiederum so gross sein, damit auf die Politik ein permanenter Druck aufrechterhalten werden kann. Das ist, in einem Satz, der Kern der «Maulkorb»-Debatte, in welcher die Task-force des Bundesrates sich empört weigerte, sich auf den Beraterstatus der Exekutive zu beschränken, sondern imperativ verlangte, auch direkt an die Öffentlichkeit gelangen zu dürfen. Eine unmögliche, aber für die Experten lebenswichtige Forderung, die von den meisten Medien als deren Allianzpartnern begeistert unterstützt wurde.
Diese inzwischen perfektionierte Partnerschaft wird uns deshalb auch in näherer Zukunft mit stets neuen Zoonosen, potentiellen Pandemie-Erregern und deren Mutanten in Atem halten. Was uns da als Gefahren aufgetischt werden wird, die bedrohlich am Horizont der Menschheit aufscheinen, sind also vor allem einmal Produkte einer sehr rationalen, eingespielten Aufmerksamkeitsökonomie. Die allerdings nicht der Gesundheit der Medienkonsumenten und auch nicht dem Wohl von Staat und Gesellschaft dient, wie sie behauptet. Sondern vorab dem Eigeninteresse einer zahlenmässig begrenzten Gruppe von Akteuren in Wissenschaft und Medien.
Das ist zwar nur eine Prognose. Aber ich wette: Sie ist zutreffender als die meisten der Pandemieprognosen, die wir in den letzten Monaten gehört haben.

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