Warum lieben die Linken die SRG?

Warum lieben die Linken die SRG?

Die SP will die SRG zu einer nationalen Nachrichtenagentur umbauen. Das würde zu einem noch eintönigeren und noch stärker urban-«linksliberalen» Mainstream führen, als er jetzt schon herrscht. Warum nur lieben die Sozis die SRG so?

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von Gottlieb F. Höpli am 26.11.2021, 11:00 Uhr
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Nein nein, politische Gründe seien es nicht, weshalb die linksgrüne Seite unseres politischen Spektrums die SRG so sehr liebe, betonen deren Vertreter regelmässig. Ebenso wie die CVP übrigens, die in den Gremien unseres Staatssenders mit seinen 17 Radio- und 7 TV-Programmen traditionell Schlüsselpositionen besetzt und diesem jederzeit zu sicheren Mehrheiten im Parlament verhilft. Deren Vertreter sogleich protestieren würden, dass «Staatssender» ein Begriff sei, der an üble Nachrede grenze, denn die SRG sei doch schliesslich als Verein organisiert! Ein Verein mit 6900 Angestellten und einem Budget von 1,5 Milliarden, das ihnen per Gesetz garantiert wird. So ein Verein möchten viele private Medien auch gerne mal sein…
Schon bald wird hierzulande wieder über die Medien und deren Förderung – konkreter: deren Subventionierung – gestritten. Denn am 13. Februar kommt das Mediengesetz der Eidgenössischen Räte zur Abstimmung, gegen welches das Referendum ergriffen wurde. Flankierend dazu hat die Fraktion der Sozialdemokraten in Bern nun ein Positionspapier verabschiedet, welches laut NZZ am Sonntag «die SRG zur Nachrichtenagentur umbauen» will.
Wie soll das geschehen? Die SRG soll zusätzliche Freiheiten bekommen, im Netz nach Belieben Textbeiträge aller Art aufzuschalten – und dafür Online-Werbegelder kassieren, was ihr bisher verwehrt war. Dafür soll die SRG «Basisdienstleistungen für alle journalistischen Akteure der Schweiz» erbringen. Letztere dürften dann ihrerseits Beiträge auf den SRG-Kanälen veröffentlichen. Mit anderen Worten: Die SRG würde zur Nachrichtenagentur, zur «digitalen Allmend» - nicht zuletzt im Hinblick auf die finanziellen Probleme der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA), die von immer mehr Medien nicht mehr als Nachrichtenlieferant benötigt wird.
Der journalistische Herdentrieb wird noch verstärkt
Die SRG-Vertreter und -Sympathisanten, die hinter diesem Plan stehen, verfolgen strategische Ziele. Gerade in Zeiten, in denen sich auch bei der SRG die Schleusen der Gebühren- und der Werbegelder nicht mehr automatisch weiter öffnen, muss das Terrain des sogenannten «Service public» immer noch weiter ausgedehnt werden. Mit diesem (jetzt schon überdehnten) «Leistungsauftrag» kann man sodann von der Politik weitere Mittel einfordern. Im Wissen, dass sich im Parlament bisher immer noch eine Mehrheit für die Wünsche der SRG gefunden hat.
Doch ein flächendeckender journalistischer «Service public» nach SP-Vorstellung ist nicht nur medienpolitisch, sondern vor allem publizistisch gefährlich. Denn die Informationsleistung der SRG-Kanäle – gerade in der Deutschschweiz – ist keineswegs unbestritten, enthält gerade in der Auswahl der Themen Mängel und Einseitigkeiten. Ein schwerer Mangel des «Service Public» ist allein schon, dass die sprachregionalen Programme die jeweils anderen Regionen der Schweiz fast völlig ignorieren. Darüber hinaus aber gründet das Weltverständnis der Journalisten, welche diese Programme produzieren, zu einem grossen Teil im «linksliberalen» Verständnis der urbanen Zentren, in denen Radio und Fernsehen produziert werden. Das erinnert fatal an jene Umfrage unter ARD-Volontären von 2020, in denen 92 Prozent der Befragten angaben, sie würden Grün (57 %), Die Linke (23 %) oder SPD (12%) wählen, wenn am nächsten Sonntag Wahlen stattfinden würden. Man wird daraus durchaus Schlüsse über das journalistische Personal der SRG ziehen dürfen. Vor allem, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass die SP-Nachrichtenoffensive ausdrücklich dazu dienen soll, «den Angriffen von rechts» zu begegnen (SP-Nationalrat Aebischer).
Aber sogar dann, wenn sich die SRG-Journalisten um eine politisch ausgewogenere Information bemühen würden, wäre eine zentrale Nachrichtenversorgung gefährlich. Das hat mit zwei Tendenzen im aktuellen Journalismus der elektronischen Medien zu tun: Die Nachrichtengebung will heute, im Kampf um gute Einschaltquoten, nicht mehr traditionellen Objektivitäts- und Qualitätsstandards genügen, sondern will «Geschichten» erzählen, Stories, die Aufmerksamkeit erregen – bis in die Nachrichtensendungen der Tagesschau und erst recht von 10vor10 hinein. Das führt dazu, dass in den Redaktionen ähnliche (Gross-)Ereignisse dominieren und die Nachrichtensendungen auf verschiedenen Kanälen sich verblüffend ähnlich sehen. Ein Einheitsbrei! Wenn die Nachrichtengebung nun ebenfalls noch weiter kanalisiert wird, dann wird der schon bestehende journalistische Herdentrieb noch weiter verstärkt.
Journalistische Vielfalt, so findet die SP anscheinend, ist schon gut. Aber nur, wenn ein Schleusenwärter wie die SRG darüber wacht, was am Ende in den Zeitungen, auf den Bildschirmen und auf den Handys und Tablets von Herrn und Frau Schweizer landet.

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