Die letzte Session, welche die Frauenbewegung braucht

Die letzte Session, welche die Frauenbewegung braucht

Die links-grüne Unterwanderung führt in die selbst verschuldete Schwächung der Frauenanliegen.

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von Dominik Feusi am 31.10.2021, 07:34 Uhr
Gemäss Kathrin Bertschy, Co-präsidentin von Alliance F war es die «letzte» Frauensession. (Bild: Keystone, Peter Klaunzer)
Gemäss Kathrin Bertschy, Co-präsidentin von Alliance F war es die «letzte» Frauensession. (Bild: Keystone, Peter Klaunzer)
Die Frauensession ist vorbei. Sie hat 23 Petitionen ans Parlament verabschiedet (Link zum PDF). Von den meisten Anliegen hat man schon gehört oder sie wurden bereits behandelt – und meistens abgelehnt.

Altbekannte Vorschläge

Jetzt kommen die Forderungen noch einmal. Die Frauensession will mehr Geld für Kindertagesstätten, dabei gibt es seit bald zwanzig Jahren eine entsprechende «Anschubfinanzierung», deren Nutzen hauptsächlich im Mitnahmeeffekt für die Kita-Betreiber besteht. Die Einführung einer «Lohnpolizei» wurde verabschiedet, die statistisch nicht messbare Lohnunterschiede bei Firmen ab 50 Mitarbeitenden untersuchen und büssen soll.
Und dann gibt es auch ziemlich paternalistische Ideen: die Streichung des Koordinationsabzuges und die Einführung von Betreuungsgutschriften für Frauen in der beruflichen Vorsorge machen Erwerbsarbeit für Frauen weniger lukrativ. Dabei macht Frauen nichts unabhängiger von Männern, als ein eigener Erwerb. Dass hohe Grenzsteuersätze und harte Progression genau dafür die falschen Anreize setzen, es kam nicht vor an der Frauensession.
Und dann gibt es Vorstösse, die nichts mit der Gleichstellung der Frauen zu tun haben, aber viel über die ideologische Ausrichtung der Frauensession aussagen, etwa die Forderung nach einem Ausländerstimmrecht.

Gelenkte Demokratie

Gemeinsam ist den Vorschlägen, dass sie von links-grüner Ideologie getränkt sind. Frauen, die sich nicht als Opfer sehen, Frauen, die ihr Leben eigenständig gestalten wollen, gibt es in diesen Vorstössen mit wenigen Ausnahmen nicht (Zahlen und Fakten zur Gleichstellung). Die Tatsache, dass sie mehrheitlich einstimmig oder nur mit wenigen Enthaltungen angenommen wurden, zeigt, wie die Frauenbewegung parteiisch unterwandert wurde. Vom undemokratischen «Wahlverfahren» bis zur Ausarbeitung der Vorschläge und den Abstimmungen darüber: Die Frauensession hätte jeder gelenkten Demokratie zur Ehre gereicht (Kommentar von Claudia Wirz).
Alliance F, die Organisatorin der Frauensession hiess früher «Bund Schweizerischer Frauenvereine» und war eine überparteiliche aber bürgerlich dominierte Frauenbewegung. Jetzt ist sie offensichtlich eine Veranstaltung von SP und Grünen, wo deren Ideen als Frauenanliegen rezykliert werden.

Selbstgewählte Schwächung

Das ist eine Katastrophe für die Frauenanliegen in der Schweiz. Die komplette Vereinnahmung der Frauenbewegung durch Links-grün reduziert ihren Einfluss von fünfzig auf dreissig Prozent. Was als Höhepunkt des Jubiläums von fünfzig Jahren Frauenstimmrecht gedacht war, hat sich – ohne Zutun der Männer – ins Gegenteil verkehrt: Die Frauenbewegung war wohl noch nie so schwach wie fünf Jahrzehnte nach ihrem grössten Erfolg.
Am Freitagmorgen sagte die Berner Nationalrätin Kathrin Bertschy (GLP) und Co-Präsidentin von Alliance F gegenüber Radio SRF, es sei die letzte Frauensession. Der Frauenbewegung ist nichts Anderes zu wünschen.

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