Die Versprechen von Alain Berset – und was sie wert sind. Eine Bilanz

Die Versprechen von Alain Berset – und was sie wert sind. Eine Bilanz

«Das Zertifikat ist nicht für das Restaurant gedacht.» Diese und andere Aussagen machte Alain Berset in den vergangenen Monaten. Eine Übersicht mit Videos aus den Pressekonferenzen.

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von Stefan Bill am 8.9.2021, 13:00 Uhr
Wie kommt er da wohl wieder heraus? Bundesrat Alain Berset machte in den vergangenen Monaten mehrere Aussagen, die dem jetzigen Kurs widersprechen. (Bild: Keystone)
Wie kommt er da wohl wieder heraus? Bundesrat Alain Berset machte in den vergangenen Monaten mehrere Aussagen, die dem jetzigen Kurs widersprechen. (Bild: Keystone)
Nun ist es also beschlossene Sache. Jetzt ist das Zertifikat für Geimpfte, Genesene oder Getestete auch für Restaurants, Zoos, Museeun, Fitnesszenter und so weiter nötig. Das hat der Bundesrat heute beschlossen.
Hier finden Sie eine Auswahl der Aussagen, die Bundesrat Alain Berset früher dazu gemacht hat:
21. April 2021:
«Die Konsequenzen für die Leute, die sich nicht impfen lassen wollen ist vorallem, dass sie sich anstecken können. Für die grosse Mehrheit also keine gravierende Konsequenzen» (19:20)

Pressekonferenz vom 21. April 2021

Berset sagt noch im gleichen Atemzug, dass ab dem Moment, wo alle geimpft sind, die sich impfen lassen wollen, die Restriktionen nicht mehr zu verantworten sind.
Zudem sagt er, es sei ein freier Entscheid, ob man sich impfen lassen will oder nicht. Ob dem wirklich noch so ist, wenn man als Ungeimpfter mindestens 500 Franken pro Monat für Tests einrechnen muss, um nicht komplett vom öffentlichen Leben ausgeschlossen zu werden, sei dahingestellt.
Auch sagt Berset, dass die Impfung ein Akt der Solidarität sei, den man nicht nur für sich selbst macht. Allerdings lassen sich viele momentan aus purem Eigennutz impfen, um nicht von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden.
19. Mai 2021:
«Die Zertifikatspflicht ist nie vorgesehen worden für Restaurants»
An der Pressekonferenz vom 19. Mai 2021 wurde dann das Zertifikat vorgestellt.
Alain Berset versprach damals, dass das Zertifikats in der Schweiz nur dort eingesetzt werde, wo es wirklich Sinn mache. Es gebe Bereiche, wo es ausgeschlossen, sogar verboten sei. (20:42)
Pressekonferenz vom 19 Mai 2021
Weiter sagte er, es sei nicht das Ziel, das Zertifikat beizubehalten ohne absolute Notwendigkeit... 31:35
Pressekonferenz vom 19 Mai 2021
...und: das Zertifikat sei nie für Restaurants vorgesehen worden. (37:34)
Der Bundeshauschef vom «Nebelspalter» Dominik Feusi hat die Ausweitung eigentlich bereits im Mai gerochen und wollte es genauer wissen. Er sagte, dass man bei der Pressekonferenz immer nur von «so lange wie nötig» gesprochen hätte. Und er wollte wissen, ob er es richtig sehe, dass der Bundesrat selbst entscheidet, ob es nötig ist, dass er die Zertifikate anwendet oder nicht.
Berset antwortete darauf: «Der Bundesrat hat bewiesen, nur das Notwendige zu tun und nicht mehr.» Er verweist auf die Verhältnismässigkeit und sagt, dass das Zertifikat in der Schweiz nur für die «Stabilisierungsphase» vorgesehen ist. Nun sind wir bereits in der «Normalisierungsphase».
An der Sitzung vom 25. August 2021 gab Berset dann auch bekannt, dass der Bundesrat bereits Impfdosen für die Jahre 2022 und 2023 eingekauft hat. (12:57)
Pressekonferenz vom 25. August 2021
Schaut man auf den «Impfweltmeister» Israel, wo das Zertifikat ab Oktober nur noch für diejenigen gilt, die dreimal geimpft sind, kann man sich vorstellen, weshalb die Schweiz bereits jetzt für die nächsten zwei Jahre Impfstoffe kauft.
Auch sagte Berset am 25. August, dass diese Ausweitung der Zertifikatspflicht vielleicht nicht nötig werden. Doch bereits einen Tag später wusste man, dass die Kantone ebenfalls hinter einer Ausweitung stünden.
Weiter sagte er, es sei dem Bundesrat wichtig, dass man nicht nur mit einer Impfung ein Zertifikat bekomme, sondern auch mit einem Test. Faktisch gesehen können sich die Tests aber nur die wenigsten leisten.
Dann versuchte er noch einmal, Gemeinschaftsgefühl aufkommen zu lassen. «Wir versuchen kollektiv, alle zusammen einen Weg aus der Krise zu finden». (27:35)

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