Die irrsinnigen Kosten der Klimapolitik

Die irrsinnigen Kosten der Klimapolitik

Möglichst schnell den Ausstoss an Treibhausgasen senken, möglichst rasch Klimaneutralität erreichen: Europa und die USA überbieten sich mit immer schärferen Klimazielen. Doch deren Umsetzung hat horrende Kosten zur Folge. Das rechnet der dänische Statistiker Björn Lomborg vor.

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von Alex Reichmuth am 13.5.2021, 04:00 Uhr
Die Proteste der Klimajugend führen zu immer schärferen CO2-Zielen. Bild: Shutterstock
Die Proteste der Klimajugend führen zu immer schärferen CO2-Zielen. Bild: Shutterstock
Wer bietet am meisten? Es scheint unter den westlichen Industriestaaten ein Wettbewerb in Gang gekommen zu sein, wer sich die schärfsten Ziele in der Klimapolitik setzt. US-Präsident Joe Biden hat bei seinem kürzlich einberufenen Klimagipfel angekündigt, dass Amerika seinen Treibhausgas-Ausstoss bis 2030 um mindestens die Hälfte gegenüber 2005 reduzieren will. Noch unter seinem Vorgänger Donald Trump waren die USA beim Klimaabkommen von Paris abseits gestanden.
Die Europäische Union will die Klimagase bis 2030 neu um 55 Prozent gegenüber 1990 verringern. Bisher galt ein Ziel von 40 Prozent. Und auch Deutschland verschärft seine Klimaziele, nachdem das Bundesverfassungsgericht verstärkte Anstrengungen angemahnt hat: Bis in neun Jahren soll die Reduktion 65 Prozent statt wie bisher vereinbart 55 Prozent gegenüber 1990 betragen. Die Klimaneutralität soll gemäss Ankündigungen der deutschen Koalitionsregierung sogar schon 2045 statt 2050 erreicht sein. Die Schweiz wiederum will ihren CO2-Ausstoss bis 2030 gegenüber 1990 halbieren – mithilfe des CO2-Gesetzes, über das im Juni abgestimmt wird. Bis 2050 soll gemäss Bundesrat netto Null erreicht sein.
Wie die erwähnten Ziele erreicht werden sollen, ist allerdings weitgehend unklar. Mantrahaft wiederholen die Protagonisten einer forcierten Klimapolitik aber, dass die Kosten gering seien im Vergleich zu den Schäden, die die Erdwärmung angeblich haben soll.

Kosten für Deutschland geschätzt

Zu einem ganz anderen Schluss kommt der dänische Statistiker Björn Lomborg. Der Autor des Bestsellers «The Skeptical Environmentalist» bestreitet den menschgemachten Klimawandel nicht, warnt aber seit Jahren davor, dass radikaler Klimaschutz ineffizient sei und enorme Kosten verursache. Es sei besser, die entsprechenden finanziellen Ressourcen in die Bekämpfung von Krieg, Krankheit, Hunger und Armut zu investieren. So könne zum Wohl der Menschheit viel mehr herausgeholt werden als mit einer forcierten Klimapolitik. Nachzulesen sind die Schlüsse des Dänen etwa in seinem Buch «False Alarm» (Falscher Alarm).

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Björn Lomborg

Björn Lomborg hat nun kürzlich in einem Artikel in der deutschen Zeitung «Die Welt» vorgerechnet, welche Kosten auf die Deutschen wegen ihrer radikalen Klimapolitik zukommen. Lomborg stützt sich dabei auf eine Studie der Stanford University zur Klimapolitik der EU von 2013, aus der auch die finanziellen Folgen der deutschen Anstrengungen zur Reduktion der Klimagase abgeleitet werden können. Dabei geht die Studie von einer 80-prozentigen Reduktion des Treibhausgas-Austosses bis 2050 aus, was deutlich weniger ambitioniert ist als jetzt vorgesehen.
Bis 2030 muss Deutschland gemäss Lomborg mit jährlichen Kosten von 161 Milliarden Euro oder einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,3 Prozent rechnen. Das ist mehr als alle Ausgaben des Landes für Bildung. Eine vierköpfige Familie zum Beispiel verliert dadurch jährlich 8100 Euro.

Wohlstandsverlust von 12,8 Prozent

Bis 2040 steigen die jährlichen Kosten der Klimapolitik auf 351 Milliarden Euro. Eine Familie wird nun jedes Jahr um 18’200 Euro schlechter gestellt. Und bis 2050 muss Deutschland gar mit jährlichen Kosten von 643 Milliarden Euro rechnen. Das ist mehr, als das Land insgesamt für Bildung, Freizeit, Kultur, sonstigen Umweltschutz, Wohnungsbau, Polizei, Gerichte, Gefängnisse, Verteidigung und Gesundheit ausgibt. Das BIP sinkt um 12,8 Prozent. Eine vierköpfige Familie kommt jetzt mit jährlich 34’400 Euro zur Kasse.
«Im Jahr 2050 wird Deutschland mit seiner strikten Klimapolitik so wohlhabend sein wie im Jahr 2041 ohne Klimapolitik», schreibt Lomborg. «Deshalb verliert Deutschland in den nächsten 30 Jahren fast ein Jahrzehnt an Wachstum.»

«Wegen der Klimapolitik verliert Deutschland in den nächsten 30 Jahren fast ein Jahrzehnt an Wachstum.»

Björn Lomborg, dänischer Statistiker

Das ist aber noch nicht alles: Die Schätzungen beruhen auf der Annahme, dass Deutschland seine Klimapolitik so effektiv wie möglich gestaltet, nämlich durch eine bundesweite einheitliche Kohlenstoffsteuer. In der Realität würden aber Gewinne einzelner Profiteure der Klimapolitik gefördert oder einige Lösungen subventioniert, so Lomborg. «Das bedeutet, dass die realistischen Kosten wahrscheinlich doppelt so hoch sind wie die optimale Modellschätzung.»
Der Statistiker berücksichtigt in seiner Berechnung auch den Nutzen der Klimapolitik in Form vermiedener Umweltschäden. Er kommt zum Schluss, dass die jährlichen Ausgaben von 161 Milliarden Euro bis 2030 bei optimaler Klimapolitik nur einen Nutzen von fast 9 Milliarden Euro haben. «Jeder ausgegebene Euro bringt nur 5,4 Cent langfristigen Nutzen gegen die globale Erwärmung», schreibt Lomborg. Wenn sich die realen Kosten verdoppelten, liege der tatsächliche Nutzen sogar bei weniger als 3 Cent pro Euro. «Bis 2050 steigt der Nutzen fast im Gleichschritt mit den Kosten und bringt bestenfalls 5,6 Cent Klimavorteil für jeden ausgegebenen Euro.» Das sei ein schlechtes Geschäft.

Verhältnisse wie im Krieg

Die Berechnungen gelten zwar für Deutschland, dürften aber auf die Schweiz übertragbar sein. Wohlstandsverluste im zweistelligen Prozentbereich bis Mitte des Jahrhunderts - das würde einer Kriegswirtschaft gleichen, die von Entbehrung und Verzicht geprägt ist. Es ist zu bezweifeln, dass eine solche Politik jemals umgesetzt werden kann. Die Bevölkerung würde wohl vorher dagegen auf die Barrikaden gehen.
Lomborg empfiehlt Investitionen in Forschung und Entwicklung als besseren Weg, um den Klimawandel zu bekämpfen. Es gehe darum, Innovation auf einem breiten Spektrum möglicher Lösungen zu fördern – von Batteriespeichern über Kernspaltung, Kernfusion, besseren Biokraftstoffen bis hin zu geothermischen Bohrungen. Grüne Forschung und Entwicklung könnten eine Rendite erzielen, die elfmal grösser sei als die Investition, rechnet er in der «Welt» vor. «Das macht sie hundertmal effizienter als die aktuelle Klimapolitik.»

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