Die Impfung und das faktische Berufsverbot

Die Impfung und das faktische Berufsverbot

image
von Stefan Millius am 23.5.2021, 07:22 Uhr
Die Schauspielerin Eva Herzig. (Bild: Ulrik Hölzel)
Die Schauspielerin Eva Herzig. (Bild: Ulrik Hölzel)
  • kultur
  • Kommentare
  • Gesellschaft

Eine Schauspielerin verliert ihren Platz in einer TV-Reihe, weil sie sich nicht impfen lässt. Das dürfte der Auftakt zu einer Entwicklung sein, die kaum auf das Filmgeschäft reduziert bleiben wird.

Eva Herzig ist in der Schweiz kein sehr bekannter Name. Die Österreicherin ist aber eine Grösse im deutschsprachigen Schauspielgeschäft. Mehrere Jahre lang war sie Mitglied des Ensembles des renommierten Burgtheaters in Wien, der Sprung gelang ihr bereits mit 19 Jahren. Seit 1997 ist sie freischaffend und steht nicht nur auf Theaterbühnen, sondern auch vor der Kamera.
Vermutlich müsste man sagen: Sie stand vor der Kamera. Denn in den sozialen Medien gab Herzig bekannt, dass man sie für die nächste Folge der Reihe »Steirerkrimi», für die sie seit 2018 im Einsatz war, ausgeladen hat. Der Grund: Die Schauspielerin lässt sich nicht gegen Covid-19 impfen, weil sie den Impfstoff für «noch zu wenig erforscht» hält. Die Produktionsfirma sieht Eva Herzig als Gefahr am Set, die nächste Folge wird ohne sie gedreht.

Bloss kein Risiko eingehen

Nur eine Fussnote aus dem Showbusiness? Kaum. Es ist anzunehmen, dass das Schule macht. Denn die Produzenten verstecken sich hinter ihrer «Sorgfaltspflicht» und der Angst vor «Haftungsfragen». Was bedeutet: Man will keinerlei Risiko eingehen, für irgendetwas zu hängen. Ungeimpfte Künstler werden als ein solches Risiko angesehen.
Ein Filmset ist zwar kein Büro eines Dienstleistungs-KMU, aber das Thema bleibt dasselbe. Mit dem Fall von Eva Herzig wurde ein Exempel statuiert, an dem sich andere orientieren könnten – und wohl auch werden. Was auf die einfache Formel «Keine Impfung, keine Arbeit» hinausläuft.

Nicht impfen macht «frei von Arbeit»

«Arbeit macht frei» hiess es einst über den Toren von Konzentrationslagern. Inzwischen heisst die Losung: «Impfen macht frei.» Und im Umkehrschluss: «Sich nicht impfen lassen macht unfrei – und arbeitslos.»
Es ist eine beängstigende Entwicklung. Vor allem gemessen an der Tatsache, dass die Impfung anerkanntermassen nicht einmal vor Ansteckung schützt, sondern nur den Krankheitsverlauf mildern soll. Die Spritze dient mehr und mehr als reines Symbol des Gehorsams. Eva Herzig will sich dem System nicht unterwerfen und zahlt einen hohen Preis.
Das interessiert derzeit noch fast keinen, weil es um die Welt des Fernsehens geht, welche die meisten nur als Zuschauer kennen. Aber was hält die restliche Wirtschaft davon ab, sich früher oder später auch auf «Sorgfaltspflicht» und «Haftungsfragen» zu berufen? Wann ist das Grossraumbüro von der Regel betroffen? Auch bei uns?

Die gestohlene Freiheit zurückimpfen?

Letztlich wird Eva Herzig – und nach ihr wohl noch viele – nicht einfach das Opfer einer TV-Produktionsfirma, sondern der allgemeinen Gleichgültigkeit. Die breite Masse akzeptiert völlig lethargisch den Aufbau einer Zweiklassengesellschaft, die Spaltung in Gut und Böse. Sie interessiert sich nicht für die Konsequenzen für Menschen, die nur das Grundrecht auf die Hoheit über ihren eigenen Körper einfordern. Die derzeit vermittelte Botschaft, wonach die Gesellschaft die Freiheit über einen Impfstoff wieder erlangt, ist allgemein akzeptiert. Und keiner fragt, warum uns diese Freiheit überhaupt erst genommen wurde.
Ähnliche Themen