Die hässliche Realität: Abstimmungen in der Vorzeigedemokratie Schweiz.

Die hässliche Realität: Abstimmungen in der Vorzeigedemokratie Schweiz.

Das fiktive Plakat könnte etwas unanständig erscheinen. Zu Recht: Denn es ist nichts als die Wahrheit. In der Schweiz bestimmt nämlich bei Wahlen und Abstimmungen die Minderheit über die Mehrheit: Mehr als die Hälfte der Stimmberechtigten geht gar nicht abstimmen.

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von Claude Catsky am 10.6.2021, 11:25 Uhr
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Die Stimmabstinenzler in der zweitältesten Demokratie der Welt zeigen den Abstimmungsgläubigen regelmässig den Stinkefinger und schleudern den Wahllokalen im Vorbeilaufen – bildlich gesprochen – einfach mal schnell "Fick dich ins Knie, Demokratie" entgegen statt ihre Finger sinnvollerweise zum Ausfüllen der Stimmzettel zu verwenden. Aber vielleicht haben sie ja am Abstimmungssonntag einfach Besseres vor. Sich zum Beispiel wieder mal Zeit für die Familie nehmen und Frau und Kinder nett verprügeln, auf Telegram Schwachsinn und Fuck News verbreiten oder Quality Time mit Netflix, Nettwix, &Co. und anderen pädagogisch wertvollen Dingen wie den Killergames Fortnite oder Counterstrike verbringen.
Da können wir Schweizer ja nur träumen von jenen unglaublichen, schwindelerregenden Wahlbeteiligungen von bis zu 99,9% in Ländern wie Nordkorea, Belarus oder den meisten Ländern Afrikas, wo Demokratie einfach ein schöneres Wort für Volksbelustigung mit Folklore-Charakter ist und dementsprechend als reine Showveranstaltung mit zum vornherein feststehendem Happy-End für den seit gefühlten 100 Jahren regierenden Machthaber angesehen wird. Die Wahlzettel sind der Convenience halber schon fixfertig ausgefüllt vorgedruckt.
Aber möglicherweise haben ja unsere Wahlzettel-Verweigerer, Abstimmungs-Skeptiker und Briefwahl-Verschwörungsschwurbler in der Schweiz plausible Gründe für ihre fortgesetzte Stimmabstinenz. Zum Beispiel heftige Deppressionen, grosse Abstimmungsschwankungen, Dichtestress im Wahllokal, Wahlurnen-Allergie, ein chronischer Stimmbruch oder regelmässig wiederkehrende Monatshirnblutung. Oder schlicht zu wenig Parkplätze direkt vor der Wahlurne. Auch die allgemeine Katerstimmung infolge Corona oder Sauwetter kann sich natürlich negativ auf die Abstimmungsmoral auswirken. Oder vielleicht haben sie schlicht Angst, dass ihnen hinterrücks in der Wahlkabine von Bill Gates höchstpersönlich ein Mikrochip eingepflanzt wird, der ihre restlichen 5 Hirnzellen neutralisiert, freischwebende Proteinteilchen abwirft und sie unfruchtbar macht. Man weiss es nicht so genau.
Oder vielleicht ist es einfach die schweigende Mehrheit, die mit allem einverstanden ist, egal ob ja oder nein, Hauptsache es ist vorbei und die grundsätzlich in Ruhe gelassen werden will mit diesem blöden Politikergelaber und all dem unnötigen und komplizierten Polit-Zeugs. Wohlstandsverwahrlosung auf höchstem Niveau mit einem Schuss Grenzdebilität sozusagen.
Möglicherweise ist es ja auch so, dass sie das Denken und Entscheiden gerne jenen überlassen möchten, die das können und auch noch wollen. Oder nicht können und trotzdem wollen. Nämlich den Intellektuellen, die die Abstimmungsbroschüre lesen können und dann sogar noch verstehen.
Hier noch die hochoffizielle persönliche Wahlempfehlung für die Abstimmungsvorlagen vom 13. Juni, die ganz bestimmt nicht bei der SRF-Ombudsstelle landen wird wie jene unseres geschätzten Kollegen Dominik Deville in seiner Late Night-Show: Ja, ja, nein, nein und nochmals nein.
Bleibt zu hoffen, dass Sie jetzt so richtig in Stimmung gekommen sind. Wofür auch immer. Gern geschehen.

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