Die Grossdemonstration gegen das Covid-Gesetz in Bern, die brutale Gewalt von links und das Versagen der Medien – eine Bilanz

Die Grossdemonstration gegen das Covid-Gesetz in Bern, die brutale Gewalt von links und das Versagen der Medien – eine Bilanz

Nach der nationalen Grossdemonstration gegen das verschärfte Covid-Gesetz wird das Versagen der Mainstream-Medien deutlicher: Sie manipulieren die Dimensionen des politischen Massenprotests und verschweigen die wahren Hintergründe der Gewaltakte von links auf friedliche Demonstranten.

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von Philipp Gut am 24.10.2021, 16:59 Uhr
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Wer Augen hat, der sehe: Die gestrige Grossdemonstration gegen die behördlichen Corona-Einschränkungen und die Verschärfungen des Covid-Gesetzes ist eine der eindrücklichsten politischen Kundgebungen der letzten Jahre in der Schweiz. Die Berner Altstadt quoll über von friedlich protestierenden Menschen. Nicht nur der ganze Bundesplatz, auch der Münsterplatz und der dazwischenliegende Casinoplatz waren voll. Ausserdem die Gassen in diesem Zentralbereich der Berner Altstadt. Es waren so viele Menschen anwesend, um gegen Diskriminierung und für die Wiederherstellung der Grundrechte zu demonstrieren, dass die Polizei sogar dazu aufrufen musste, es sollten bitte nicht noch mehr Demonstranten auf den randvollen Bundesplatz strömen. Die Kantonspolizei Bern schrieb auf Twitter: «Aufgrund der grossen Teilnehmerzahl haben wir die Veranstalter aufgefordert, die Personen mittels Lautsprecherdurchsagen auch auf die umliegenden Gassen und Plätze zu verteilen.»


Wann hat man das zuletzt erlebt?

Mainstream-Medien mit Ausweichjournalismus

Die Veranstalter sprechen von «mehr als 50 000» Menschen, und damit stapeln sie wohl eher noch tief. Es könnten gut und gerne auch doppelt so viele gewesen sein.

Grossdemonstration am 24. Oktober 2021 auf dem Bundesplatz

Trotz dieser unübersehbaren Fakten brachten die Schweizer Mainstream-Medien das Kunststück fertig, bloss von «mehreren tausend» Demonstranten zu sprechen und das Ausmass sowie die Mobilisierungskraft der Bürgerbewegung systematisch klein zu reden. Am Tag danach wird das Versagen der Medien noch deutlicher:
  • Beispiel SRF: Die «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens berichtete in ihrer Samstagabend-Hauptausgabe lieber minutenlang über verschärfte Covid-Massnahmen im Nachbarstaat Österreich als über das politische Grossereignis im Herzen der Schweizer Bundesstadt. Diesem widmete es nur einen Kurzbeitrag, die wahren Dimensionen verschweigend.
  • Beispiel Ringier: Die Hauptstory am Sonntag widmete blick.ch einem Polizisten, der eine Trychel trägt. Damit versuchte der Boulevard krampfhaft, einen harmlosen Nebenschauplatz zu skandalisieren. Eine Würdigung, eine Einordnung, auch nur eine Beschreibung des politischen Grossereignisses vom Vortag? Fehlanzeige.
  • Beispiel TX Group: Auch das flächendeckende Newsnetz der Tages-Anzeiger-Gruppe bringt am Tag danach allerlei, nur nichts Relevantes zu den Geschehnissen in Bern.

Bei Widmer-Schlumpf waren es gaaanz viele

Wie selektiv die Mainstream-Medien berichten, zeigt sich ausserdem im Vergleich mit anderen Demonstrationen und Grossereignissen in der Berner Altstadt. Im Gegensatz zur Anti-Massnahmen-Demonstration vom Samstag klotzen sie sonst gerne mit fetten Zahlen – vorausgesetzt, sie passen ins eigene politische Weltbild:
  • Beispiel Widmer-Schlumpf: «Über 12 000 Personen» hätten «für Eveline Widmer-Schlumpf und gegen die politische Kultur der SVP demonstriert», meldete die NZZ am 14. April 2008. Damals wären also mehr Personen in Bern auf die Strasse gegangen als nach Darstellung der Medien am letzten Samstag. Ein Bildvergleich zeigt auf einen Blick, dass das Gegenteil der Fall ist.

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Deminstration für Widmer Schlumpf am 14. Aptil 2008.

  • Beispiel «Rentenabbau»: «15 000 Personen haben auf dem Bundesplatz in Bern gegen einen Rentenabbau demonstriert», berichtete «20 Minuten» am 18. September 2021. Ein Bild des Anlasses zeigt, dass der Bundesplatz zwar gut gefüllt ist, aber bei weitem nicht so dichtgedrängt wie am 23. Oktober. Auch staute sich keine Menschenmenge in den Gassen und bis zum Münsterplatz hinab. Der entscheidende Unterschied ist halt: Organisiert wurde die Rentenabbau-Demo von den Gewerkschaften, also berichtet man wohlwollend und rapportiert brav die Zahlen, die der Veranstalter selbst kommuniziert.
  • Beispiel Klimademonstration: «Organisatoren sprechen von 100 000 Teilnehmern», titelte SRF anlässlich einer Kundgebung drei Wochen vor den eidgenössischen Wahlen 2019.

Die Sache mit den 150 000 Holländern

Gemäss diesem Vorgehen hätten die Medien am Samstag von «mehr als 50 000» Demonstranten schreiben müssen – wie die Veranstalter es taten – und nicht von «mehreren tausend», also rund 10-mal weniger.

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Fussball-EM 2008. 150 000 Menschen an Holländerparty

Ich will Sie nicht mit weiteren Belegen belästigen, aber ein schönes Exempel sei doch noch erwähnt: Anlässlich der Fussball-EM 2008, die auch in der Schweiz stattfand, titelte die NZZ zu einem Bild von ganz in Orange gekleideten Fans auf dem Bundesplatz: «150 000 Menschen an Holländerparty». Daraus kann man logischerweise nur schliessen, dass die Holländer offenbar 30-mal kleiner sein müssen als die Schweizer Demonstranten, die am Samstag die ganze Berner Altstadt füllten. Denn in diesem Fall schrieben sie bloss von 5 000 Teilnehmern …

Brutale Attacke der Antifa auf friedliche Demonstranten

Das dokumentierte kollektive Versagen der Mainstream-Medien reicht aber noch tiefer. Und da hört der Spass nun definitiv auf: Linksextreme Gewalttäter haben Samstagnachmittag um ca. 16 Uhr friedliche Demonstranten der Bürgerbewegung angegriffen und teilweise verletzt. Die brutale Attacke ereignete sich auf der Schützenmatte. Dort hatte ein Reisecar Demonstranten aus dem Fricktal abgeladen und sollte sie nun nach dem Ende der Demonstration wieder aufnehmen. Als die linken Schläger Steine werfend auf den Bus losstürmten, sassen einige Demonstrationsteilnehmer bereits wieder drin.
Ein Augenzeuge berichtet: «Es rotteten sich mehrere vermummte Antifas auf der gegenüberliegenden Strassenseite zur Schützenmatte zusammen, welche dann in einem Sturmangriff auf unseren Bus losrannten, sowohl die hintere Fensterfront komplett zertrümmerten wie auch zwei linke Fenster zerdepperten. Dies, obwohl mehrere von uns schon im Bus sassen. Einer von uns erlitt eine leichte Kopfverletzung (Beule), eine andere Person war übersät mit Glassplittern, die restlichen Insassen warfen sich auf den Busboden.»

Kantonspolizei führt Medien auf Holzweg

Und was stellen die Schweizer Mainstream-Medien den gewalttätigen Übergriff dar? Viele verschweigen ihn ganz, andere verharmlosen ihn und behaupten faktenfrei, er stehe in «keinem direkten Zusammenhang» mit der massnahmenkritischen Demonstration. So schrieb es blick.ch unter Berufung auf eine Polizeisprecherin.
Offensichtlich entspricht dies aber nicht den Tatsachen. Der Blick erwähnt zwar, dass auch ein Reisecar «massiv beschädigt» worden sei, neben Polizei- und weiteren Fahrzeugen. Dass dieser Car Demonstranten transportierte und dass sich zum Zeitpunkt des Überfalls bereits wieder Menschen im Bus befanden – davon schreiben sowohl die Kantonspolizei Bern wie auch die Mainstream-Medien kein Wort.

Informationsauftrag: nicht erfüllt

Um diese bewussten Verzerrungen und Vernebelungen richtig einordnen zu können, muss man sie mit dem angeblichen «Sturm aufs Bundeshaus» gegenschneiden, von dem der Stadtberner Polizeidirektor Reto Nause (Die Mitte) geraunt hatte, als bei der massnahmenkritischen Demonstration von Mitte September einige nicht identifizierte Teilnehmer an einem Absperrgitter gerüttelt hatten. Das Thema beschäftigte die Medien, die jetzt schweigen und vernebeln, damals tagelang. Nicht auszudenken, wie in denselben Medien jetzt die Hölle los wäre, hätten die massnahmenkritischen Demonstranten mit Steinen geworfen und nicht die liebe Antifa. SRF hätte sicher eine Sondersendung geschaltet, der «Blick» hätte den nationalen Notstand ausgerufen und der «Tages-Anzeiger» hätte die Brandstifter unter den regierungskritischen Intellektuellen an den Pranger gestellt.
So aber lässt sich das Fazit der Ereignisse vom Samstag und der Berichterstattung in den tonangebenden Schweizer Medien wie folgt zusammenfassen: eine holländermässig friedliche Politparty mit Rekordbeteiligung, linksextreme Gewaltakte gegen friedliche Demonstrationsteilnehmer sowie die Polizei – und Mainstream-Medien, die beides faktenwidrig kleinreden, verschwurbeln, ausblenden.
Oder anders gesagt: Informationsauftrag: nicht erfüllt. Note: ungenügend.

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